Vier Monate Bauarbeiten auf einer Startbahn: Was Satellitenbilder über Abu al-Duhur zeigen
Einen Tag nach dem Angriff kam die bislang greifbarste Bestätigung der israelischen Darstellung, und sie kam aus dem All. Der auf Aufklärung spezialisierte X-Kanal „Egypt’s Intel Observer“ veröffentlichte Satellitenaufnahmen, die über einen Zeitraum von vier Monaten fortlaufende Instandsetzungsarbeiten an Start- und Rollbahnen des Flugplatzes Abu al-Duhur dokumentieren.
Die Auswertung legt nahe, worauf diese Arbeiten zielten: die Rückkehr des Stützpunkts zum Flugbetrieb, möglicherweise mit türkischer Unterstützung oder als Teil einer künftigen türkischen Präsenz auf syrischem Boden.
Damit liegt zwischen den beiden Darstellungen ein handfester Befund. Ankara bestreitet jede Absicht, sich dort festzusetzen. Israel begründete den Angriff mit genau dieser Absicht. Wer eine Startbahn über Monate erneuert, plant keinen Museumsbetrieb.
Der Generalstabschef fährt nach Syrien
Israel unterstrich die Botschaft am Mittwoch mit einem Auftritt vor Ort. Generalstabschef Eyal Zamir besuchte die 210. Division auf syrischem Gebiet und formulierte, an wen sich der Angriff richtete.
„Wir agieren in einer Wirklichkeit mit vielen Schauplätzen, in der sich die Herausforderungen ständig verändern und weiterentwickeln. Der syrische Schauplatz ist einer davon. Wir sehen, was geschieht, und verfolgen die Veränderungen an der syrischen Front. Wir müssen uns entsprechend darauf einstellen.“
Und dann der Satz, um den es ging: „Wir werden feindlichen Kräften nicht erlauben, sich an unseren Grenzen festzusetzen, und wir werden unsere Stärke präzise einzusetzen wissen, wo es nötig ist und wann es nötig ist.“ Man müsse die Entwicklung von Terrorbedrohungen verhindern und zugleich verhindern, dass an den Grenzen eine erhebliche militärische Bedrohung entstehe. „Auch in Syrien haben wir einen vorgelagerten Verteidigungsraum geschaffen, der einen Puffer vor den Ortschaften bildet und in dem unsere Kräfte operieren.“
Wie die Türkei reagiert, und wie laut
In Ankara fiel die Reaktion scharf aus, allerdings mit einer bemerkenswerten Einschränkung.
Die regierungsnahe Zeitung „Türkiye“ titelte, es handele sich um eine „schwere Provokation Israels“. In der Unterzeile hieß es, israelische Kampfflugzeuge hätten einen Militärflugplatz in Idlib bombardiert, nur rund 55 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, einen Platz, der für die Stationierung von Radar- und Luftabwehrsystemen vorgesehen sei. Das komme einer Kriegsprovokation gleich.
Trotz des Tons erhielten diese Erklärungen keine besondere Prominenz und gingen in anderen Meldungen weitgehend unter.
Inhaltlich stellte „Türkiye“ den Angriff in einen anderen Zusammenhang: Erdogans und Trumps Telefonat habe Israel aus der Fassung gebracht. Beide hätten sich auf eine Lösung der Iran-Krise und auf Frieden in Gaza verständigt, und Netanyahu habe in Panik kurz darauf in Syrien angegriffen. Die Zeitung „Sabah“ nannte die Türkei „die neue Architektin des Nahen Ostens“.
Die oppositionelle „Cumhuriyet“ hob dagegen den Riss zwischen Washington und Jerusalem hervor: Der Angriff sei zeitgleich mit dem Aufruf des amerikanischen Nahost-Gesandten Tom Barrack zur „Zurückhaltung“ erfolgt.
Und während alle über den Flugplatz sprechen
Am selben Tag wurde sichtbar, wie tief die türkische Verankerung in Syrien inzwischen reicht, und zwar jenseits des Militärischen.
Energieminister Alparslan Bayraktar erklärte bei einer Pressekonferenz mit seinem syrischen Amtskollegen Mohammad al-Bashir, die staatliche türkische Ölgesellschaft TPAO und private Unternehmen seien bereit, in Syrien seismische Untersuchungen und Bohrungen durchzuführen, zu Lande wie im Meer. Parallel nehmen beide Länder in Kürze eine neue Stromtrasse in Betrieb, die die Übertragungskapazität nach Syrien verdreifacht.
Öl, Gas, Strom, Radar. Für Jerusalem ergibt das ein Muster, und genau darauf zielte die Botschaft dieser Woche.
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