Nach Stunden der Angst endlich zu Hause: Passagiere des Flydubai-Flugs landen in Tel Aviv
Fast einen halben Tag nach ihrem Abflug in Dubai sind am Mittwochabend alle 174 Passagiere des Flydubai-Flugs FZ1073 am Flughafen Ben Gurion gelandet, darunter 27 Kinder. Nach israelischen Medienberichten waren 166 von ihnen Israelis. Unter den Heimkehrern waren auch jene Passagiere, die an Bord den mutmaßlichen Angreifer überwältigt hatten. Für sie und ihre Angehörigen war am Flughafen ein eigener Bereich eingerichtet worden.
Katz: „Versuchter dschihadistischer Terroranschlag“
Nach einer gemeinsamen Lagebeurteilung von Armee (IDF), Schin Bet und Mossad geht Israel von einem Terroranschlag aus. Verteidigungsminister Israel Katz sprach von einem „versuchten dschihadistischen Terroranschlag“, der „nur dank des Mutes einiger israelischer Passagiere“ vereitelt worden sei. „Nach den ersten uns vorliegenden Informationen hatte der Terrorist nur eine Absicht: das Flugzeug mit allen Passagieren abstürzen zu lassen.“ Ein ranghoher israelischer Vertreter sagte, der Angreifer habe offenbar einen Anschlag „nach dem Muster des 11. September“ verüben wollen.
Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der omanische Kopilot gegen 8.21 Uhr auf den Kapitän eingestochen, bevor mitreisende Piloten die Maschine in Tabuk landeten, wie berichtet. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu schilderte nach einem Gespräch mit einem der israelischen Passagiere, das Flugzeug sei ins Trudeln geraten und in den Sturzflug übergegangen. Der Passagier sei gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied ins Cockpit eingedrungen, wo sie den Angreifer ausschalteten, während dieser versuchte, die Bordsysteme zu sabotieren. Der Mann wurde festgenommen und wird von saudischen Behörden verhört.
Die Zeugen: „Wir dachten, wir sterben“
Einer der drei Israelis, die den Angreifer überwältigten, ist ein Zahnarzt, der den Kapitän anschließend medizinisch versorgte. „Ich habe nicht gewartet, ich sah, dass etwas nicht stimmt, und bin losgerannt“, sagte er. „Der Terrorist tobte, aber wir haben ihm Hände und Füße gefesselt, bis er verstand, dass er in unserer Gewalt ist.“ Man sei sich „hundertprozentig“ sicher gewesen, sterben zu müssen. Saudische Stellen hätten ihm gesagt, der verletzte Kapitän sei inzwischen außer Lebensgefahr.
Auch Passagier Yitzhak Lieber, der sich am Kampf beteiligte, schilderte die Minuten an Bord in einem Video. In weiteren Aufnahmen aus dem Flugzeug ist zu hören: „Man hat uns angegriffen, man hat versucht, den Piloten zu ermorden“, ein anderer Passagier ruft, man bewache das Cockpit, niemand komme hinein. Noch in der Luft nahm ein Mann eine Botschaft für seine Familie auf: „Ein paar von uns sind einfach hineingesprungen und haben ihn aus dem Cockpit gezogen. Wir haben dafür gesorgt, dass sie die Tür verriegeln. Ich liebe euch, alles ist gut.“
Zermürbend war danach das Warten in Tabuk. Passagier Ido Shiovitz berichtete, man habe über Stunden keine Informationen erhalten, Kinder hätten auf dem Boden geschlafen. Eingegriffen hätten an Bord „nur die Israelis“.
Heimflug nur nach Sicherheitsprüfung
Israel wollte ein eigenes Rettungsflugzeug nach Tabuk schicken, Saudi-Arabien verweigerte jedoch die Genehmigung. Einige Passagiere weigerten sich zunächst, erneut in eine Maschine von Flydubai zu steigen, willigten gegen 17 Uhr aber ein, da es keine Alternative gab. Die Ersatzmaschine startete gegen 17.30 Uhr, nachdem der Mossad die Besatzung überprüft und den Flug freigegeben hatte. Auf dem Heimweg stimmten Passagiere nach Medienberichten ein Lied mit der Botschaft „Fürchtet euch nicht“ an.
Wie kam ein Omaner ins Cockpit?
Nach Angaben aus dem Verkehrsministerium dürfen Flydubai-Flüge nach Israel nur von Piloten aus Ländern geflogen werden, die ihre Beziehungen zu Israel normalisiert haben. Oman gehört nicht dazu. Verkehrsministerin Miri Regev forderte deshalb, sämtliche Flüge der Gesellschaft von und nach Israel auszusetzen. Bei einer Beratung über die Zukunft der Flugverbindungen mit den Emiraten kam es nach israelischen Medienberichten zu einem scharfen Streit zwischen ihr und Schin-Bet-Chef David Zini.
Flydubai erklärte, der Vorfall werde offiziell untersucht, und warnte vor Spekulationen über Ursache und Motiv. Die Flughafenbehörde stellte zudem klar, dass Israels Luftraum entgegen ersten Berichten zu keinem Zeitpunkt geschlossen war.
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