Öl fließt wieder, Teheran verliert sein Faustpfand: Die Lage an der Straße von Hormus
Sieben Monate nachdem der Iran die Straße von Hormus weitgehend blockiert und den globalen Energiemarkt erschüttert hat, läuft der Ölverkehr durch die Meerenge wieder in großem Umfang. Nach Daten des Schiffsverfolgungsdienstes Kpler passierten in der vergangenen Woche im Schnitt 13,1 Millionen Barrel Öl täglich die Meerenge. Das sind rund 77 Prozent der Menge vor dem Krieg, als täglich etwa 17,1 Millionen Barrel und damit rund ein Fünftel der weltweiten Energieversorgung durch Hormus flossen. Die Bank JPMorgan schätzt die Ölexporte aus der gesamten Region sogar auf etwa 98 Prozent des Vorkriegsniveaus.
Bemerkenswert ist, wer das inzwischen bestätigt: Noch vor wenigen Wochen hatten Schiffsverfolgungsdienste amerikanischen Angaben über steigende Durchfahrten widersprochen. Nun decken sich ihre Zahlen weitgehend mit denen der US-Regierung. „Bei einer so großen Menge Öl, die durch die Meerenge fließt, ist klar, dass der Iran seinen Einfluss darauf verliert“, sagte der Leiter der Rohstoffanalyse bei Kpler dem Sender CNN.
Eskorten, Geleitzüge und verdeckte Fahrten
Der Wandel ist das Ergebnis eines aufwendigen amerikanischen Militäreinsatzes. Tanker durchqueren die Meerenge in Geleitzügen unter dem Schutz der US-Marine, hinzu kommen verdeckte Durchfahrten einzelner Schiffe. Dafür setzt das US-Militär enorme Mittel ein. Wie gefährlich die Route bleibt, zeigen die Zahlen: Seit dem 1. März wurden mindestens 71 iranische Angriffe auf Schiffe im Persischen Golf, in d
er Straße von Hormus und im Golf von Oman gemeldet. Erst am Dienstag wurden nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO drei Schiffe in der Meerenge von unbekannten Geschossen getroffen.
Auch Saudi-Arabien profitiert. Das Königreich hatte seine Exporte nach Kriegsbeginn über die East-West-Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu umgeleitet. Doch dort setzten ihm zuletzt der Angriff auf die Pipeline und die Huthis zu, die inzwischen weite Teile der Meerenge Bab al-Mandab kontrollieren und saudische Schiffe blockieren, wie berichtet. Inzwischen schickt Riad seine Tanker wieder verstärkt durch Hormus.
Am Ölpreis ist die Entspannung allerdings kaum abzulesen. Mit rund 100 Dollar je Barrel liegt er weiterhin mehr als 35 Prozent über dem Vorkriegsniveau und verteuert weltweit Treibstoff und viele andere Waren. Nachdem Washington den jüngsten iranischen Vorschlag abgelehnt hatte, stieg der Preis zuletzt sogar wieder an.
Irans Tanker stranden vor Sri Lanka
Während fremde Schiffe die Meerenge wieder nutzen, sitzt die iranische Flotte fest. Nach einem Bericht des Wall Street Journal treiben rund 20 leere iranische Öltanker mit abgeschalteten Motoren vor der Küste Sri Lankas, Vorräte an Lebensmitteln, Treibstoff und Trinkwasser gehen zur Neige. Die Schiffe dienten dem Iran dazu, Sanktionen zu umgehen und Öl nach China zu liefern, wegen der amerikanischen Seeblockade können sie nun nicht zurück. Washington drängte Sri Lanka, lokale Versorger an der Belieferung zu hindern, mehrere asiatische Häfen verweigern den Tankern aus Angst vor US-Sanktionen inzwischen jeden Service. Schiffsagenten baten Unternehmen in Sri Lanka vergeblich um frische Lebensmittel und Treibstoff.
Trump: „Mit dem Iran wird es nie Frieden geben“
Politisch bleibt die Lage festgefahren. In einem Interview mit dem Magazin TIME bekräftigte US-Präsident Donald Trump, die USA könnten ihren Militäreinsatz nach den Zwischenwahlen im November wieder aufnehmen, falls es keine zufriedenstellende Einigung gibt. Den jüngsten iranischen Vorschlag habe er auch deshalb abgelehnt, weil Teheran nur angeboten habe, „einige Bereiche“ der Meerenge zu öffnen. „Mit dem Iran, glaube ich, wird es nie Frieden geben“, sagte Trump.
Hinter den Kulissen laufen die Bemühungen dennoch weiter. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen führen Vermittler getrennte Gespräche mit beiden Seiten über eine überarbeitete Fassung des iranischen Siebentageplans, wie berichtet. Aus Teheran kamen zuletzt gemischte Signale: Anfang der Woche meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA, die iranische Delegation in New York plane keine Verhandlungen mit den USA. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hatte dagegen erklärt, man sei bereit, auf Grundlage der Absichtserklärung vom Juni weiterzuverhandeln.
Für Israel ist die Entwicklung zweischneidig. Ein offenerer Seeweg schwächt Teherans wichtigstes Druckmittel und damit seine Verhandlungsposition. Zugleich deutet Trumps Ankündigung darauf hin, dass eine neue Runde der Kämpfe mit dem Iran nach dem Wahltermin im November keineswegs vom Tisch ist.
Quellen
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