„Wir werden uns noch erheben“: Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 hat Israel am Montag seiner Toten gedacht. Auf dem Herzlberg in Jerusalem erinnerte Staatspräsident Isaac Herzog an die jungen Soldatinnen, die an der Grenze zum Gazastreifen als Erste Alarm schlugen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nutzte die Gedenkfeier für eine scharfe Warnung an Israels Feinde. Generalstabschef Eyal Zamir sprach offen vom Versagen der israelischen Armee (IDF).

Der nationale Gedenktag richtet sich nach dem hebräischen Kalender und fiel in diesem Jahr auf den 24. Tischri, zwei Tage vor dem Jahrestag nach dem gregorianischen Kalender. Um 6.29 Uhr, der Minute, in der vor drei Jahren der Raketenhagel auf den Süden begann, senkte Herzog an seiner Residenz die Flagge auf halbmast. Auch in der Knesset legten Parlamentspräsident Amir Ohana und weitere Abgeordnete Kränze nieder. Schulen im ganzen Land hielten eigene Gedenkstunden ab.

Die Zahlen dahinter

Wie tief der 7. Oktober und der folgende Krieg in die israelische Gesellschaft eingeschnitten haben, zeigen die Zahlen, die zum Gedenktag veröffentlicht wurden. Seit Kriegsbeginn sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 1.318 Soldaten und Angehörige der Sicherheitskräfte gefallen. Die Nationale Versicherung zählt zudem 1.029 Zivilisten, die durch Terror ums Leben kamen. Nach diesen Angaben sind seither mehr als 7.150 Menschen neu zur Gemeinschaft der Hinterbliebenen hinzugekommen. Hinterbliebene eröffneten auch die Feier auf dem Herzlberg: Alle Gefallenen hätten ihr Leben gegeben, „damit wir hier leben können“.

Die Späherinnen von Nahal Oz

Im Mittelpunkt von Herzogs Rede standen die Beobachtungssoldatinnen des Postens Nahal Oz, nur 800 Meter von der Grenze entfernt. Sie seien „die Augen der Armee und des Staates“ gewesen, sagte der Präsident. Während das Land schlief, hätten sie rund um die Uhr auf ihre Bildschirme geschaut und jede Veränderung im Grenzgebiet bemerkt. Schon Monate vor dem Angriff hätten sie gespürt, dass sich etwas zusammenbraut. „Sie haben es gesehen, gemeldet und gewarnt. Aber niemand hat daraus ein vollständiges Bild zusammengesetzt.“

Herzog machte eine bislang wenig bekannte Inschrift öffentlich. In knallrosa Farbe hatten die jungen Frauen an die Wand ihres Postens geschrieben: „Schau, wie ruhig es läuft, als wäre Gaza nicht gleich nebenan.“ Am Morgen des 7. Oktober erkannten sie um 6.29 Uhr die ersten Terroristen am Zaun und schlugen Alarm. Mit ruhiger Stimme gaben sie das militärische Codewort für eine Infiltration durch, während die Gefahr immer näher kam. An jenem Tag fielen bei der Verteidigung des Postens Nahal Oz 53 Soldaten aus verschiedenen Einheiten. „Sie alle sind Helden, jeder Einzelne von ihnen“, sagte Herzog.

Mit Blick auf den laufenden Wahlkampf warnte der Präsident vor einer Gefahr von innen. Man müsse auch auf die Warnlichter achten, die Spaltung und gefährliche Risse anzeigten. „Wir dürfen streiten, wir sind sogar verpflichtet zu streiten“, sagte er. „Aber wer heute anderer Meinung ist als du, wird morgen weiter neben dir hier leben.“ Zum Schluss zitierte er eine zweite, kleinere Inschrift der Soldatinnen von derselben Wand: „Alles wird gut. Wir werden uns noch erheben.“

Netanyahu: „Auf geborgter Zeit“

Netanyahu wandte sich zunächst direkt an die Hinterbliebenen. „Was war, kehrt nicht zurück, und wer gegangen ist, kommt nicht wieder“, sagte er. „Wir trauern nicht nur um das, was war, sondern auch um das, was nie sein wird.“ Das Massaker habe das „monströse Böse“ der Feinde Israels offengelegt. Mit unermüdlichem Einsatz habe Israel alle Geiseln bis zur letzten nach Hause geholt. Der 7. Oktober sei nur der Auftakt eines Plans gewesen, Israel mit einem dreifachen Feuerring zu vernichten. Diesen Plan habe man Schritt für Schritt zerschlagen und die Feinde weit von den Grenzen zurückgedrängt.

Für die Zukunft schlug Netanyahu einen kämpferischen Ton an. Im Gazastreifen werde es „keinerlei Herrschaft der Hamas“ geben. Jeder, der am Krieg gegen Israel beteiligt war, lebe „auf geborgter Zeit“. Israel werde die Hisbollah im Libanon weiter angreifen und dem Iran nicht erlauben, Israels Existenz zu bedrohen. An die internationalen Kritiker gerichtet sagte er: „Die Moral unserer Soldaten ist unvergleichlich. Und denen, die uns belehren, sagen wir: Wir verteidigen auch euch.“

Zamir: „Die Armee hat versagt“

Deutlich selbstkritischer äußerte sich Generalstabschef Eyal Zamir. „Die israelische Armee hat in ihrer wichtigsten Aufgabe versagt, die Bürger des Staates Israel zu schützen“, erklärte er. Es sei Pflicht der Armee, alles zu untersuchen und dafür zu sorgen, dass die Lehren umgesetzt werden, um das Vertrauen der Menschen wieder zu verdienen. Seine Worte fallen in eine Zeit, in der drei Wochen vor der Knesset-Wahl heftig über eine staatliche Untersuchungskommission gestritten wird.

Auch aus Washington kam Anteilnahme. US-Botschafter Mike Huckabee versicherte, die Vereinigten Staaten stünden „Schulter an Schulter“ mit Israel gegen Terroristen, die es vernichten wollten.

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