Hisbollah rüstet in Beirut auf: Israel bereitet sich auf neue Kämpfe im Norden vor
Foto: IDF Spokesperson's Unit · CC BY-SA 3.0, IDF im Libanon
Die Hisbollah baut ihre militärischen Fähigkeiten offenbar mitten in der libanesischen Hauptstadt wieder auf. Nach Angaben eines israelischen Sicherheitsvertreters gegenüber dem Nachrichtenportal Walla verlegt die vom Iran unterstützte Terrororganisation Waffen und Ausrüstung aus dem Südlibanon nach Beirut und repariert Anlagen, die bei Angriffen der israelischen Armee (IDF) beschädigt oder zerstört wurden. Die IDF bereitet sich deshalb auf eine mögliche neue Runde der Kämpfe vor.
Zurück zur vollen Kampfbereitschaft
Neben Beirut nennt der Sicherheitsvertreter auch die Hafenstadt Tyros, beides Gebiete mit großem schiitischen Bevölkerungsanteil. Die Hisbollah unternehme „große Anstrengungen, um operative Erfahrung zurückzugewinnen und wieder volle Kampfbereitschaft zu erreichen“. Nach den Walla-Informationen verfügt sie noch immer über genug Raketen, Flugkörper verschiedener Reichweiten und Drohnen bis hin zu Kamikazedrohnen, um mehrere Monate lang zu kämpfen. Panzerabwehr- und Beobachtungstrupps würden rund um die Uhr für künftige Gefechte mit israelischen Soldaten im Südlibanon und an der Grenze trainiert.
Ein Tunnel und viele Fragen
Als Beleg verweist der Sicherheitsvertreter auf einen Tunnel, den die libanesische Armee vor wenigen Tagen im Gebiet Ruwaisat al-Jadida östlich von Beirut entdeckt hat und der mit der Hisbollah in Verbindung stehe. Libanesische Angaben zeichnen allerdings ein anderes Bild. Die Armee erklärte, in dem engen Schacht seien weder Waffen noch militärische Ausrüstung gefunden worden, nur Grabwerkzeug, ein Verdächtiger wurde festgenommen. Ein libanesischer Sicherheitsvertreter sagte der Zeitung The National, der „sehr primitive“ Tunnel diene vermutlich nicht Waffen, sondern eher Drogenhändlern. Die Ermittlungen laufen noch.
Eindeutiger ist ein anderer Fund. Die libanesische Armee hatte an einem Kontrollpunkt in Dahr al-Baidar ein Fahrzeug auf dem Weg nach Beirut gestoppt, beladen mit rund 500 Kilogramm Sprengstoff. Mitte Oktober erklärte der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah öffentlich, die Ladung gehöre seiner Organisation und sei für den Kampf gegen die „israelische Besatzung“ bestimmt. Ministerpräsident Nawaf Salam kündigte an, es werde bei den Ermittlungen „keine Nachsicht“ geben.
Hilfe aus Teheran
Unterstützung erhält die Hisbollah weiterhin aus dem Iran. Nach einem Bericht des israelischen Alma-Forschungszentrums reiste Anfang Oktober Hossein Yekta, ein ranghoher Vertreter der Revolutionsgarden, der für Rekrutierung und ideologische Schulung zuständig ist, nach Beirut. Ziel sei es nach libanesischen Quellen, die Moral und die ideologische Bindung der Kämpfer zu stärken. Alma selbst beschreibt Yekta eher als Propagandafigur denn als Militärplaner. Zugleich baut die Hisbollah ihr ziviles Netz wieder auf, etwa das Gesundheitszentrum Dar al-Hawraa in den südlichen Vororten Beiruts. So sichere sie sich ihren Einfluss in der schiitischen Bevölkerung, heißt es bei Alma.
Szenario: Krieg an mehreren Fronten
In Israel wächst die Sorge vor einer Eskalation an mehreren Fronten. Eines der Szenarien, die Generalstabschef Eyal Zamir vorgelegt wurden, sieht nach Angaben der Jerusalem Post vor, dass sich die Hisbollah einem regionalen Krieg anschließt und die israelische Heimatfront angreift, sollten die USA oder Israel den Iran attackieren. So geschah es bereits im vergangenen Krieg, als die Hisbollah wenige Tage nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran eingriff.
Unzufrieden ist Israel nach Angaben des Sicherheitsvertreters auch mit der libanesischen Armee. Die vereinbarten Schritte zur Entwaffnung der Hisbollah würden nicht wie erwartet umgesetzt, im Süden gebe es weiterhin Infrastruktur und Kämpfer der Terrororganisation. Zum Schutz der Gemeinden im Norden hält die IDF weiterhin eine Sicherheitszone, die rund zehn Kilometer in den Südlibanon reicht. Die erste Runde der von den USA vermittelten Gespräche in Tampa endete am Dienstag nach libanesischen Medienberichten nach rund sechs Stunden ohne Durchbruch. Strittig ist vor allem, wie die Entwaffnung überprüft und mit einem israelischen Rückzug verknüpft werden soll. Am Mittwoch wurde weiterverhandelt.
Die libanesische Regierung hat die militärischen Aktivitäten der Hisbollah für illegal erklärt und Bereitschaft zu einem Frieden mit Israel signalisiert. Die Hisbollah wiederum beschimpft Präsident Joseph Aoun und Ministerpräsident Salam als „Verräter“. Für die Menschen im Norden Israels ist das ein Grund zu erhöhter Wachsamkeit, eine Entwarnung gibt es nicht. Maßgeblich bleiben die Anweisungen des Heimatfrontkommandos.
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