Iranische Bedrohung in Europa: US-Bomber verlassen England, Israel warnt Berlin vor Gefahr für Ramstein
Der Krieg mit dem Iran rückt näher an Europa heran. Die USA haben ihre B-1-Bomber überstürzt aus dem britischen Stützpunkt Fairford abgezogen, nachdem dort ein mutmaßlich vom Iran gesteuerter Anschlagsplan aufgeflogen sein soll. Gleichzeitig wird bekannt, dass Israel auch Deutschland gewarnt hat: Im Visier könnten die amerikanischen Luftwaffenstützpunkte Ramstein und Spangdahlem in Rheinland-Pfalz stehen.
Das Pentagon bestätigte am Sonntag, dass alle in Fairford stationierten B-1-Bomber an ihre Heimatbasen in den USA zurückverlegt wurden. Bis zuletzt standen dort rund ein Dutzend der schweren Langstreckenbomber, die im Krieg gegen den Iran für Angriffe eingesetzt wurden. Aus Gründen der operativen Sicherheit habe man die Verlegung nicht in Echtzeit bestätigen können, hieß es. Die Bomber seien aber auch von amerikanischem Boden aus jederzeit für weltweite Einsätze bereit.
Abzug in großer Eile
Nach Informationen der „New York Times“ verlief der Abzug alles andere als geordnet. Zwei amerikanische Regierungsvertreter berichteten, einige Maschinen hätten Fairford verlassen müssen, während noch Tankflugzeuge für den Atlantikflug organisiert wurden. Mindestens drei Bomber landeten demnach auf ihrem Heimatstützpunkt in South Dakota. Auslöser seien neue, konkrete Hinweise auf einen vom Iran unterstützten Anschlagsplan gegen den Stützpunkt gewesen. Erste Warnungen hätten bereits vor rund drei Wochen vorgelegen. In den 24 Stunden vor dem Abzug seien dann aber so konkrete Einzelheiten eingegangen, dass die Kommandeure handelten. Auch das „Wall Street Journal“ nannte Sicherheitsbedenken rund um den Stützpunkt als Grund.
Bemerkenswert ist der Schritt, weil Fairford auf dem Gebiet eines engen Verbündeten liegt, Tausende Kilometer vom Kriegsgebiet entfernt. Der Iran hatte bereits im Juli damit gedroht, den Stützpunkt nordwestlich von London anzugreifen.
Was vor dem Stützpunkt geschah
Ausgangspunkt war ein Vorfall in den frühen Morgenstunden des 27. September. Die britische Polizei wurde damals auf drei verdächtige Lieferwagen aufmerksam, die sich dem Stützpunkt näherten. Bewaffnete Beamte nahmen fünf Briten in ihren Zwanzigern fest, alle aus London, zunächst wegen des Verdachts auf Sprengstoffdelikte, später auch wegen der Vorbereitung terroristischer Taten. Dutzende Häuser in der Umgebung wurden geräumt.
Die Ermittlungen nahmen dann eine überraschende Wendung. In den Fahrzeugen fand die Polizei keine Sprengsätze, sondern Benzin. Zudem stellte sich heraus, dass einer der Verdächtigen kurz vor der Festnahme selbst den Notruf gewählt hatte. Alle fünf sind inzwischen ohne Anklage, aber unter Auflagen wieder auf freiem Fuß. Die Ermittlungen gegen sie laufen weiter. Ende vergangener Woche wurde ein sechster Mann festgenommen, ein 25-jähriger Londoner mit britischer und iranischer Staatsangehörigkeit. Auch er kam nach wenigen Tagen unter Auflagen frei.
Was genau geplant war, ist offiziell noch nicht bestätigt. Laut „Wall Street Journal“ wussten amerikanische Stellen von einem iranischen Plan, Personal auf dem Stützpunkt zu töten und die Bomber zu beschädigen. Eine Einheit der Revolutionsgarden soll britische Staatsbürger angeworben haben. Der Plan habe mehrere Phasen umfasst, darunter ein Ablenkungsmanöver in der Nähe. Der britische Premierminister Andy Burnham sprach von „starken Hinweisen“ auf eine Beteiligung Teherans. Der Iran weist jede Verwicklung zurück und bestellte aus Protest gegen die Festnahmen den britischen Botschafter ein.
Israels Rolle und die Warnung an Berlin
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu nahm für Israel in Anspruch, den entscheidenden Hinweis gegeben zu haben. Ohne die von Israel übermittelten Geheimdienstinformationen wäre der Anschlag „wahrscheinlich durchgeführt worden“, sagte er der britischen Zeitung „Daily Mail“. Nach anderen Darstellungen nannte die israelische Warnung an London allerdings kein konkretes Ziel.
Für deutsche Leser ist vor allem eine weitere Information brisant. Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter bestätigte der „New York Times“, dass Israel auch Deutschland vor einer erhöhten Gefahr für die US-Stützpunkte auf deutschem Boden gewarnt habe, namentlich für Ramstein und Spangdahlem. Ramstein ist das Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte in Europa und eine zentrale Drehscheibe für amerikanische Einsätze im Nahen Osten. In Spangdahlem in der Eifel ist ein Kampfjetgeschwader der US-Luftwaffe stationiert.
Nach den Berichten erhielten amerikanische Militärs bereits Mitte September Warnungen von Geheimdiensten und westlichen Verbündeten über mögliche Angriffe auf US-Einrichtungen in Europa. Vertrauliche Einschätzungen gingen davon aus, dass künftige Angriffe vor allem mit Drohnen ausgeführt werden könnten. Einen konkreten Zeitpunkt oder ein konkretes Ziel nannten die Warnungen demnach nicht. Am 23. September hatten iranische Medien zudem Äußerungen eines früheren Offiziers der Revolutionsgarden verbreitet, der Ramstein ausdrücklich als an den Angriffen auf den Iran beteiligten Stützpunkt bezeichnete.
Eine öffentliche Reaktion der Bundesregierung auf die Berichte lag zunächst nicht vor. Für Deutschland ist das eine unbequeme Erkenntnis: Der Krieg im Nahen Osten ist längst nicht mehr nur eine ferne Krise. Wenn der Iran bereit ist, über angeworbene Helfer Ziele in Großbritannien ins Visier zu nehmen, ist auch die Sicherheit amerikanischer Einrichtungen in Deutschland kein abstraktes Thema mehr.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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