Drei Schwerverletzte, elf Tote: Wie ein Drohnenangriff die Lage im Norden zuspitzt
Ein Angriff, eine Vergeltung, und eine Debatte, die beide Seiten führen werden. Am Samstagmorgen verletzte eine Sprengstoffdrohne der Hisbollah drei israelische Soldaten schwer, einen Offizier und zwei Mannschaftsdienstgrade, am Ali-Taher-Kamm im Südlibanon. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht, die Familien sind unterrichtet.
Das Büro des Ministerpräsidenten erklärte: „Heute Morgen hat die Hisbollah die Waffenruhe im Libanon gebrochen, indem sie unsere Soldaten in der Sicherheitszone angriff, die israelische Ortschaften direkt jenseits der Grenze schützt. Der Angriff verletzte drei unserer Soldaten schwer. Die IDF antwortete mit einem Schlag gegen das Hisbollah-Terrorhauptquartier, das den Angriff befohlen hatte.“
Was in Ansar geschah
Die Armee griff in der Nacht ein zentrales Hauptquartier der Radwan-Einheit im Raum Ansar an. Getötet wurde nach IDF-Angaben Ali Samir al-Hadsch Hassan, Bataillonskommandeur dieser Eliteeinheit, dazu mehrere weitere Kämpfer, die Angriffe gegen israelische Soldaten vorangetrieben hätten.
Die Bilanz auf libanesischer Seite fällt schwer aus. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums starben mindestens elf Menschen, 19 wurden verletzt. Sieben Tote entfielen auf ein getroffenes Haus in Ansar, darunter nach Angaben libanesischer Staatsmedien drei Kinder und zwei Frauen, vier weitere auf einen Schlag im Dorf Deir al-Zahrani. Es sind die schwersten Verluste seit dem Rahmenabkommen vom Juni.
Israel räumte die zivilen Opfer ein und erhob zugleich einen schweren Vorwurf. Zum Zeitpunkt des Angriffs habe sich Hassans Familie mit ihm im militärischen Hauptquartier befunden. „Es muss betont werden, dass die Familienangehörigen nicht das Ziel des Angriffs waren“, erklärte die IDF. „Der Schlag richtete sich ausdrücklich gegen Hassan, der nach internationalem Recht ein legitimes Ziel war. Der Terrorist benutzte seine Familie als menschliche Schutzschilde und versteckte sich an ihrer Seite im militärischen Hauptquartier.“ Das Büro des Ministerpräsidenten ergänzte, man habe erst später erfahren, dass die Hisbollah Zivilisten in dem Militärkomplex untergebracht habe.
Der amerikanische Botschafter Mike Huckabee nannte die Hisbollah „das reine Böse“. Israels Botschafter in Washington, Yechiel Leiter, warnte: Sollte die libanesische Regierung den Vorfall als Vorwand nutzen, um die Gespräche zu verzögern oder abzubrechen, wäre das ein taktischer Sieg für die Feinde des Friedens. „Die Gespräche zum Entgleisen zu bringen ist genau das, was die Hisbollah erreichen will.“
Die Reaktionen aus Beirut
Libanons Präsident Joseph Aoun verurteilte die „anhaltenden israelischen Angriffe“ als Verstoß gegen das Rahmenabkommen und gegen das internationale Recht zum Schutz von Zivilisten. Seine Präsidentschaft sprach davon, die Angriffe hätten eine ganze Familie aus Ansar ausgelöscht, und deutete sie als „klare Botschaft an den Verhandlungsprozess und an die amerikanischen Bemühungen um die Umsetzung des Abkommens“.
Ministerpräsident Nawaf Salam forderte Israel auf, die militärische Eskalation einzustellen. Die Verantwortung für den Umgang mit militärischen Strukturen auf libanesischem Boden liege ausschließlich beim libanesischen Staat, durch seine Armee und seine legitimen Institutionen. „Ihre Existenz gibt Israel nicht das Recht, libanesisches Gebiet zu verletzen oder Zivilisten zu gefährden.“
Die Hisbollah kündigte an, die Angriffe würden „entsprechend beantwortet“ werden. In ihrer Erklärung auf Telegram warf sie Netanyahu vor, den Krieg zur Stärkung seiner innenpolitischen Stellung, zur Bedienung seiner Wahlziele und zur Besänftigung der äußersten Rechten auszuweiten.
Der Streit, der dahinterliegt
Beachtung verdient, was dieser Woche vorausging. Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Donnerstag, israelische Kräfte blieben im Südlibanon, bis die Hisbollah entwaffnet sei. Washington wies das zurück und warnte, eine dauerhafte israelische Präsenz verstoße gegen das Rahmenabkommen. Hisbollah-Chef Naim Qassem lehnte am Freitag erneut Abkommen und Entwaffnung ab und nannte die Vereinbarung eine Demütigung für Land und Armee.
Ein Sprecher Netanyahus formulierte die israelische Erwartung so: Die Angriffe sollten ernsthafte Gespräche mit dem Libanon „in Gang bringen, nicht das Gegenteil“.
Und dann ist da der Ali-Taher-Kamm selbst, jene 600 Meter hohe Erhebung über Nabatieh, unter der Israel einen ausgedehnten unterirdischen Hisbollah-Komplex vermutet. Nach Berichten der libanesischen Zeitung Al-Joumhouria erhielt Beirut Hinweise, Israel bereite eine Operation zur Einnahme des Kamms vor und warte auf grünes Licht aus Washington.
Es ist derselbe Bergrücken, an dem die Hisbollah vor rund zehn Tagen erstmals seit dem Rahmenabkommen ein israelisches Pioniergerät angriff. Damals blieb es bei Sachschaden. Wenige Tage später starben bei einer Sprengfalle in Madschdal Zun zwei israelische Reservisten. Und jetzt drei Schwerverletzte und elf Tote in einer Nacht.
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