Ein Rekord aus 170 Jahren: Wie der August-Regen Jerusalem überflutete
Es kam, wie der Wetterdienst es angekündigt hatte, und es kam heftiger. Am Samstagnachmittag ging über Jerusalem und den Judäischen Bergen ein Sommerregen nieder, wie ihn die israelischen Aufzeichnungen nicht kennen. Der Wetterdienst spricht von einem historischen Höchstwert für August-Niederschläge in dieser Region und davon, dass es einen solchen Regen seit 170 Jahren nicht gegeben habe.
Die Zahlen
In Ma’ale Adumim fielen 26 Millimeter Regen, davon allein 21 Millimeter innerhalb einer einzigen Stunde. In der Jerusalemer Innenstadt waren es fünf Millimeter, in Gusch Etzion rund 20 Millimeter in kurzer Zeit, schwerpunktmäßig um Rosch Tzurim und Karmei Tzur. Regen fiel auch in der Judäischen Wüste und im südlichen Golan.
Zur Einordnung: Nach Angaben des Wetterdienstes war es erst das vierte Mal seit Beginn der Messungen in Israel, dass im August mehr als 20 Millimeter Regen registriert wurden.
Was der Regen anrichtete
Am schwersten traf es die östlichen und südlichen Stadtteile Jerusalems. Straßen standen unter Wasser, Feuerwehr und Rettungsdienste erhielten zahlreiche Notrufe. Bewohner mussten aus überfluteten Wohnungen und Fahrzeugen befreit werden.
Im Nachal Og in der nördlichen Judäischen Wüste kam es zu einer Sturzflut, ebenso im oberen Kidrontal, das den Osten der Stadt entwässert. Die Polizei sperrte die Route 90 zwischen der Lido-Kreuzung und Metzukei Dragot in beiden Richtungen wegen Überflutungsgefahr; nach einigen Stunden wurde sie wieder freigegeben.
Der Rettungsdienst gab eine Warnung heraus, die bei Überflutungen entscheidend ist: Keller, Tiefgaragen und Aufzüge meiden, Abstand halten von Wasserläufen und gefährlichen Wasserstellen.
Die Erklärung
Der Direktor des israelischen Wetterdienstes, Dr. Amir Givati, ordnete die außergewöhnlichen Mengen ein: Sie ließen sich mit der Entwicklung extremer El-Niño-Bedingungen in Verbindung bringen, weltweit und in Israel.
Genau davor hatten Meteorologen vor dem Wochenende gewarnt. Das Phänomen begann im Pazifik, soll seinen Höhepunkt im Dezember erreichen und verschiebt bis dahin Wettersysteme auf nahezu allen Kontinenten. In Westeuropa zeigt es sich in extremen Hitzewellen, in dieser Region in kühler Luft aus Richtung Griechenland.
Und heute?
Vorbei ist die Sache nicht. Für diesen Sonntag erwartet der Wetterdienst ab dem Nachmittag erneut örtlichen Regen und vereinzelte Gewitter, vor allem im Osten des Landes. Erneut drohen Sturzfluten in der Judäischen Wüste, am Toten Meer, in der nördlichen Arava und im Nordosten des Negev. Es gilt ein Wanderverbot in diesen Gebieten. Die Regenmengen könnten nach Einschätzung des Wetterdienstes erneut ungewöhnlich hoch ausfallen, möglicherweise mit weiteren August-Rekorden entlang des Jordantals, der Judäischen Wüste und des Toten Meeres.
Zugleich bleibt es heiß. Für das Kinneret-Becken, die Küste des Toten Meeres, das Jordantal und die Arava gilt extreme Wärmebelastung. Ab Montag sinken die Temperaturen leicht und liegen in den Bergen und im Landesinneren etwas unter dem Durchschnitt.
Die israelische Polizei hat dazu einen Satz veröffentlicht, den man sich merken sollte: Man dürfe Gebiete mit Überflutungsgefahr nicht betreten, auch dann nicht, wenn es dort in diesem Moment gar nicht regnet.
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