Der belagerte Grat: Wie ein Hügel im Südlibanon zum Zündpunkt zwischen Israel und dem Iran wird

Der Iran hat die USA nach Reuters-Informationen gewarnt, mit massiver Vergeltung zu reagieren, sollte Israel den von der Hisbollah gehaltenen Ali-Taher-Höhenzug im Südlibanon im Rahmen einer Bodenoffensive stürmen. Auf dem Grat sollen sich nach Angaben von drei mit der Botschaft vertrauten Personen auch iranische Militärangehörige gemeinsam mit Hisbollah-Kämpfern verschanzt haben. Die im vergangenen Monat übermittelte Warnung verdeutlicht, wie direkt der Iran weiterhin an den Bodenkämpfen im Südlibanon beteiligt ist, im inzwischen siebten Monat des regionalen Kriegs.

Auf dem strategisch bedeutsamen Höhenzug, der einen weiten Blick über den Südosten Libanons bietet, soll die Hisbollah nach Angaben libanesischer Sicherheitskreise ein unterirdisches Kommandozentrum samt Waffenlagern errichtet haben. Die Organisation erklärte öffentlich, sie kontrolliere den Hügel und werde jedem israelischen Vorstoß entgegentreten, sprach dabei von einer „Einrichtung“, ohne Details zu nennen. Die israelische Armee hat weite Gebiete südlich des Grats besetzt und ihn öffentlich als einen ihrer „zentralen operativen Schwerpunkte“ bezeichnet.

Laut zwei der drei von Reuters befragten Personen wurde die iranische Botschaft über Oman übermittelt, das als Vermittler fungiert, mehr als ein Dutzend Angehörige der Revolutionsgarden, darunter mindestens zwei hochrangige Offiziere, hielten sich demnach zusammen mit Hisbollah-Kämpfern am Ali Taher auf. Die dritte Quelle, ein ausländischer Vertreter mit direkter Kenntnis der Botschaft, sagte, sie sei Mitte August übermittelt worden, und Israel habe eine Erstürmung des Grats infolge amerikanischen Drucks vorerst zurückgestellt. Ein Sprecher des Weißen Hauses bezeichnete die Darstellung, es habe eine solche Botschaft gegeben oder die USA hätten Druck auf Israel ausgeübt, als „nicht zutreffend“. Die israelische Armee lehnte eine Stellungnahme ab.

Widersprüchliche Angaben zur iranischen Präsenz

Die israelische Zeitung Maariv berichtete dagegen unter Berufung auf eine Militärquelle, die Armee gehe davon aus, dass sich gar keine Kräfte der Revolutionsgarden am Ali Taher befänden, und dass einige Hisbollah-Kämpfer dort bereits ohne Nahrung und Wasser gestorben seien. Die Angaben zur iranischen Präsenz vor Ort bleiben damit widersprüchlich und ließen sich von Reuters nicht unabhängig überprüfen.

Nach israelischen Armeeangaben ist die Hisbollah trotz des im Juni verkündeten Waffenstillstands weiter rund um den Grat aktiv und startete in der vergangenen Woche zweimal mit Sprengstoff beladene Drohnen gegen israelische Truppen in der Nähe. Ein israelischer Militärvertreter sagte im Juni, Hisbollah-Kämpfer säßen dort unterirdisch fest, ohne Nahrung und Wasser. Nach Angaben der dritten Quelle versucht die israelische Armee, Hisbollah- und Revolutionsgarden-Kräfte durch genau diese Belagerung auszuhungern, unter anderem indem sie Drohnen abschießt, die versuchen, Lebensmittel und Wasser zum Grat zu bringen. Ein Sprecher der Hisbollah erklärte gegenüber Reuters, man könne weder bestätigen noch dementieren, dass eine solche iranische Botschaft übermittelt worden sei, es sei aber eine „naheliegende Schlussfolgerung“: Der anhaltende israelische Belagerungsdruck ohne bislang folgenden Großangriff lege genau das nahe.

Der Iran wiederum betrachte, so die Hisbollah, jeden israelischen Bodenvorstoß im Südlibanon, insbesondere eine Gebietsausweitung, als schwere Verletzung des im Juni geschlossenen amerikanisch-iranischen Islamabad-Abkommens, das auch einen Waffenstillstand für Libanon umfasste. Trotz der iranischen Drohung halten ein libanesischer Insider und ein hochrangiger libanesischer Sicherheitsvertreter eine israelische Operation zur Einnahme des Grats in den kommenden Wochen weiterhin für möglich. Die Hisbollah warnte, ein groß angelegter Angriff auf Ali Taher bedeute die Rückkehr zum offenen Krieg und könnte erneut Raketeneinschläge in Nordisrael zur Folge haben.

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