Testlauf für den Rückzug: Worüber Israel und Libanon in Washington verhandeln
Die für kommende Woche geplanten Gespräche zwischen den Botschaftern Israels und Libanons finden entgegen der ursprünglichen Planung nicht in Rom, sondern im amerikanischen Außenministerium in Washington statt. Das teilte ein Vertreter des Ministeriums am Freitag mit. Im Mittelpunkt stünden „laufende Entwicklungen und die fortgesetzte Umsetzung des trilateralen Rahmenwerks, das weiterhin den einzig praktikablen Mechanismus darstellt, um Libanons Souveränität wiederherzustellen und Israels Sicherheit zu gewährleisten“, so der Vertreter. Die nächste offizielle Verhandlungsrunde sei für Oktober in Rom vorgesehen.
Nach Angaben von Ynet gehören der israelischen politischen Delegation unter anderem Botschafter Yechiel Leiter sowie der stellvertretende außenpolitische Berater des Nationalen Sicherheitsrats, Yossi Draznin, an, die militärische Seite vertreten Brigadegeneral Amichai Levin, Leiter der Strategieabteilung im Planungsstab der Armee, sowie der amtierende Militärattaché Erik Ben-Dov. Auf libanesischer Seite nehmen unter anderem der frühere Botschafter Simon Karam, die amtierende Botschafterin in Washington, Nada Hamadeh Moawad, sowie der pensionierte Brigadegeneral Ziad Hayek als Berater von Präsident Joseph Aoun teil.
Ein konkreter Vorschlag: Pilotzonen als Testlauf
Im Kern der Verhandlungen steht ein konkreter Vorschlag zur Erprobung schrittweiser israelischer Truppenabzüge: In festgelegten Pilotzonen soll die libanesische Armee nachweisen, dass sie diese Gebiete dauerhaft frei von Hisbollah-Präsenz halten kann, bevor weitere Abzüge folgen.
Die erste Gesprächsrunde hatte am 4. August in Rom begonnen, eine mit den Verhandlungen vertraute Person bezeichnete sie gegenüber der Jerusalem Post als „positiv“, an ihr nahmen sowohl israelisches als auch libanesisches Militärpersonal teil. Ganz reibungslos verlief der Prozess seither allerdings nicht: Eine frühere Gesprächsrunde war laut Times of Israel vorzeitig abgebrochen worden, nachdem es im Südlibanon zu einer Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah gekommen war, sie konnte jedoch dank eines eigens eingerichteten dreiseitigen Mechanismus zur militärischen Deeskalation binnen 24 Stunden entschärft werden. Das Außenministerium betonte dennoch wiederholt, man sehe die Gesamtentwicklung positiv.
Außenamtssprecher Tommy Pigott erklärte, die Gespräche brächten technische Teams beider Regierungen zusammen, um die vollständige Umsetzung des trilateralen Rahmenwerks voranzutreiben, einschließlich des Pilotzonen-Prozesses, der verifizierten Entwaffnung der Hisbollah und anderer vom Iran unterstützter Sicherheitsbedrohungen, der Verlegung israelischer Truppen aus dem Südlibanon sowie der Vorbereitung eines umfassenden Friedens- und Sicherheitsabkommens. „Die Vereinigten Staaten stehen weiterhin uneingeschränkt hinter beiden Regierungen bei diesem Prozess, mit dem Ziel, dauerhafte Sicherheit für beide Länder zu schaffen, Sicherheitsbedrohungen für Israel zu beseitigen und die staatliche Autorität Libanons im gesamten Süden wiederherzustellen“, so Pigott.
Die Gespräche fallen in eine Zeit, in der Israel erst am Vortag die Zerstörung von Hisbollahs unterirdischem Komplex am Ali-Taher-Grat vermeldet hatte, wie berichtet, ein Zusammentreffen von Diplomatie und militärischer Machtdemonstration, das die Verhandlungen zusätzlich belasten könnte. Der von libanesischer Seite beklagte Umfang des Konflikts bleibt unterdessen enorm: Nach libanesischen Angaben wurden bei der seit vergangenem Jahr laufenden israelischen Operation, in deren Verlauf israelische Truppen einen bis zu zehn Kilometer tief ins libanesische Staatsgebiet reichenden Streifen besetzten, mehr als 4.300 Menschen getötet, ohne Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten, mehr als eine Million Libanesen mussten ihre Häuser verlassen.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal
