Zweite Meerenge in Gefahr: Die Huthi-Offensive am Roten Meer und ihre globalen Folgen

Während sich die Welt auf die anhaltenden Störungen in der Straße von Hormus konzentriert, wie mehrfach berichtet, bahnt sich rund 2.000 Kilometer weiter südwestlich eine zweite maritime Krise an: Mit dem Iran verbundene Medien meldeten am frühen Donnerstagmorgen einen bedeutenden militärischen Vorstoß der jemenitischen Huthi-Rebellen auf die Hafenstadt al-Mukha im Südwesten Jemens, nur wenige Kilometer von der strategisch sensiblen Meerenge Bab al-Mandab entfernt.

Al-Mukha gilt als zentrale Hochburg der „Kräfte des nationalen Widerstands“ unter Führung von Brigadegeneral Tariq Saleh, dem Neffen des verstorbenen früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh und einer der wichtigsten Führungsfiguren im Anti-Huthi-Lager. Ein Verlust dieser Stellung wäre ein schwerer Schlag für die gemäßigten, von der arabischen Koalition unterstützten Regierungskräfte.

Die eigentliche Tragweite der Kämpfe um al-Mukha geht jedoch weit über den innerjemenitischen Bürgerkrieg hinaus: Ein Vorrücken der Huthis in diesem Gebiet würde die vom Iran unterstützte Miliz der vollständigen Kontrolle über die gesamte Westküste Jemens einen entscheidenden Schritt näherbringen und ihr damit ein beispielloses Druckmittel über den Seeverkehr zwischen Rotem Meer, Golf von Aden und Suezkanal verschaffen. Genau diese Entwicklung sorgt international für erhebliche Beunruhigung, gerade weil sie mit den anhaltenden schweren Störungen an der Straße von Hormus zusammenfällt, wodurch gleich zwei der weltweit wichtigsten Öl- und Handelsengpässe gleichzeitig gefährdet wären.

Mehr als 300 Tote binnen weniger Tage

Wie die Times of Israel unter Berufung auf internationale Nachrichtenagenturen berichtete, hat die jüngste Kampfrunde entlang der Rotmeerküste bereits mehr als 300 Menschenleben gefordert und Hunderte Familien vertrieben. Die Huthis werfen Saudi-Arabien vor, in den vergangenen Tagen Angriffe im ganzen Land geflogen zu haben, darunter ein tödlicher Beschuss eines Gefängnisses, bei dem nach Huthi-Angaben sieben Menschen getötet wurden. Die neue Kampfrunde, die Anfang September mit einer Huthi-Offensive im Gouvernement Taiz begann und eine Gegenoffensive der Regierungstruppen in den Provinzen al-Dschauf und al-Bayda auslöste, gilt als die tödlichste Eskalation seit dem faktischen Zusammenbruch der Waffenruhe von 2022. Bemerkenswert: Die Huthis hatten sich, anders als andere mit dem Iran verbündete Gruppen wie die Hisbollah, bislang aus dem direkten Kriegsgeschehen rund um die amerikanisch-israelische Offensive gegen den Iran seit Ende Februar weitgehend herausgehalten, diese jüngste Eskalation scheint zunächst eigenständigen, innerjemenitischen Dynamiken zu folgen.

Eskalation auch gegenüber Saudi-Arabien

Parallel zum Vormarsch auf al-Mukha spitzt sich auch der direkte Schlagabtausch zwischen den Huthis und Saudi-Arabien zu. In der Nacht auf Donnerstag wurde im Gebiet Khamis Muschait im Südwesten des Königreichs erneut Alarm ausgelöst, nachdem die Huthis in den vergangenen Tagen mit ballistischen Raketen und Drohnen Ziele in Khamis Muschait, Abha und Jazan angegriffen hatten, darunter nach eigenen Angaben ein Luftwaffenstützpunkt sowie Ölinfrastruktur in umliegenden Städten. Nach Angaben der saudisch geführten Koalition wurden bei den jüngsten Angriffen im Süden des Königreichs 73 Menschen verletzt.

Die Huthis wiederum behaupteten, Saudi-Arabien habe am Vortag Ziele in mehreren jemenitischen Provinzen angegriffen, darunter al-Dschauf, Marib, Saada, Taiz und al-Hudaida. Huthi-Sprecher Yahya Sarea erklärte, die saudische Luftwaffe habe binnen zwölf Stunden 54 Angriffe geflogen, und warnte, diese würden „nicht ohne Antwort und Bestrafung bleiben“.

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