Drei Nadelöhre auf einmal: Warum die zerstörte Pipeline die Spritpreise weltweit nach oben treibt
In der Nacht auf Montag veröffentlichte Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Zerstörung an Saudi-Arabiens wichtigster Öl-Ausweichroute: Eine Pumpstation der sogenannten East-West-Pipeline erscheint auf den vom Anbieter Vantor aufgenommenen und über AFP verbreiteten Aufnahmen vollständig verkohlt und schwer beschädigt, deutlich sichtbar im Vergleich zu Aufnahmen von vor rund einem Jahr. Die Ölpreise reagierten prompt: Die Sorte Brent kletterte am Montag um mehr als 3 Prozent auf über 108 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit Mai, in den USA erreichten die Dieselpreise am Freitag mit im Schnitt über sechs Dollar je Gallone einen Rekordwert.
Der Grund für die Nervosität an den Märkten liegt in der Häufung gleich dreier bedrohter Nadelöhre: Seit März ist die Straße von Hormus durch den Krieg weitgehend blockiert, wie mehrfach berichtet, nun fällt mit der 1.200 Kilometer langen East-West-Pipeline ausgerechnet die wichtigste Ausweichroute Saudi-Arabiens aus, und gleichzeitig weiten die Huthi-Rebellen im Jemen ihre Kontrolle über die dritte kritische Meerenge, Bab al-Mandab, immer weiter aus. Für den weltgrößten Ölexporteur bedeutet das: gleich drei zentrale Exportwege gleichzeitig unter Druck, ohne kurzfristigen Ersatz.
Zerstörung, die sich nicht einfach beheben lässt
Die mit einer Kapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich ausgelegte Pipeline war am Donnerstag durch mehrere aus dem Irak gestartete Kampfdrohnen getroffen worden, Riad hatte die Leitung daraufhin am Freitag vorsorglich abgeschaltet. Über das tatsächliche Ausmaß des Schadens oder die voraussichtliche Ausfalldauer machte die saudische Regierung bislang keine offiziellen Angaben. Mit Reuters sprechende Insider äußerten sich uneinheitlich: Eine Quelle sprach von einer möglichen Reparaturdauer von bis zu sechs Wochen, eine andere hielt eine frühere, zumindest teilweise Wiederaufnahme des Betriebs schon während laufender Arbeiten für möglich.
Bislang leitete Saudi-Arabien über die Pipeline rund vier Millionen Barrel täglich, etwa vier Prozent der weltweiten Ölversorgung, zum Rotmeerhafen Yanbu um. Branchenquellen warnten gegenüber dem „Guardian“, die verbliebenen Exportreserven reichten bei anhaltendem Ausfall nur noch für fünf bis sieben Tage. Nicht alle Experten teilen jedoch die Dringlichkeit: Der Energieanalyst Thomas O’Donnell sagte gegenüber „Newsweek“, der unmittelbare Effekt auf die Märkte könnte vorerst eher „emotional“ bedingt sein, eine gewisse Volatilität, aber noch keine grundlegende Verschiebung der Angebotslage.
Huthis erobern weitere Inseln, Ägypten sorgt sich um den Suezkanal
Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, die sich auf Vertreter sowohl der international anerkannten jemenitischen Regierung als auch der Huthis beruft, haben die Rebellen inzwischen auch die Inseln Groß- und Klein-Hanisch besetzt, rund 160 Kilometer nördlich von Bab al-Mandab, und damit ihre Kontrolle über die Handelsrouten weiter vertieft. Laut dem libanesischen Blatt al-Akhbar versucht Ägypten unterdessen, zwischen Saudi-Arabien und den Huthis zu vermitteln, aus Sorge, die Spannungen an der Meerenge könnten auch den Suezkanal in Mitleidenschaft ziehen. Die Kontakte verliefen bislang auf niedriger Ebene, sollen laut dem Bericht aber bereits die Führungskreise in Riad erreicht haben, Kairo bot demnach an, Gespräche auf eigenem Staatsgebiet oder in Oman auszurichten, um „eine regionale Stabilisierung herbeizuführen und die aktuelle Eskalation zu stoppen, bis ein Verhandlungsprozess eröffnet werden kann, der zu einem stabileren Abkommen führt“.
Der Irak wiederum bestreitet über den Dachverband seiner iranisch nahestehenden Milizen weiterhin jede Beteiligung an dem Pipeline-Angriff und wirft stattdessen Israel und den USA vor, die Region bewusst in eine Konfrontation ziehen zu wollen. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran, der am 28. Februar begann, geht inzwischen in seinen siebten Monat, deutlich länger als die vier bis sechs Wochen, die Präsident Trump zu Kriegsbeginn selbst in Aussicht gestellt hatte.
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