Wenn der eigene Botschafter von Terror spricht: Der Imageschaden aus Qusra
Es ist selten, dass ein amerikanischer Botschafter, der offen für die Siedlungen eintritt, israelische Bürger als Terroristen bezeichnet. Mike Huckabee tat es am Donnerstag. Über die Belagerung palästinensischer Häuser im Dorf Qusra in Samaria schrieb er auf X: „Die Handlungen derer, die diesen entsetzlichen Terrorakt begangen haben, um diese Familie einzuschüchtern und zu belästigen, sind abscheulich. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für solches Rowdytum.“
Zugleich nahm er die israelischen Behörden in Schutz: „Die IDF und die israelische Polizei sind auf unsere Bitte hin an den Ort gekommen, um die israelischen Terroristen zu entfernen, die diese Taten begangen haben. Die Handlungen derjenigen, die dem Haus dieser Familie geschadet haben, sind kriminell.“
Der Grund für Huckabees Eingreifen liegt in einem Detail, das in vielen Berichten untergeht: Eines der betroffenen Häuser gehört einer palästinensisch-amerikanischen Familie mit US-Staatsbürgerschaft.
Wie die Weltpresse berichtet
Der Vorgang beschäftigt seit Tagen die einflussreichsten Medien weltweit, und die Kritik richtet sich nicht nur gegen die Beteiligten, sondern gegen die Armee.
Die New York Times titelte: „Belagerung palästinensischer Häuser durch Siedler unterstreicht das wachsende Chaos im Westjordanland.“ Zwei Familien stünden seit Tagen unter Belagerung, was die Schwierigkeit des Militärs zeige, Siedlergewalt einzudämmen und Palästinenser zu schützen. Und weiter: „Hunderte israelischer Siedler versetzen Palästinenser das ganze Jahr über fast ohne Furcht in Schrecken. Mitunter beteiligten sich sogar Soldaten an der Gewalt, sagen palästinensische und israelische Stellen, was Disziplinprobleme widerspiegelt, die die Armee selbst als Problem anerkannt hat.“
Die BBC hob in ihrer Unterzeile die Rolle der Sicherheitskräfte hervor: Diese hätten sich vom Ort zurückgezogen, zurückgeblieben sei rund ein Dutzend Siedler, während zwei Familien seit Sonntag unter Belagerung stünden. Das erklärte Ziel der Siedler sei es, das Gebiet von seinen palästinensischen Bewohnern zu leeren.
Am schärfsten formulierte der britische Guardian. Siedler und Soldaten kappten Wasser und Strom zu den Häusern und verhinderten medizinische Versorgung, im Rahmen eines „Terrorfeldzugs“. Ziel sei die Übernahme des Eigentums der Familien. Die Zeitung ordnete die Gewalt als Teil eines „umfassenderen Vorgangs ethnischer Säuberung“ ein, ein Vorwurf, den Israel entschieden zurückweist.
Reuters richtete den Blick auf die politische Dimension: Die Armee stehe unter wachsendem Druck, illegale Landnahmen durch Siedler zu stoppen, die Rückenwind von der rechten Regierung erhalten hätten, was zu einer beschleunigten Ausweitung der Siedlungen geführt habe. France 24 betonte, die Gewalt sei seit dem 7. Oktober explodiert.
Was am Boden geschah
Nach Angaben der Armee zerstörten Soldaten in der Nacht zum Donnerstag zwei illegale Außenposten am Rand von Qusra und eines benachbarten Dorfes und nahmen einen Israeli fest. Zusätzliche Kräfte wurden in das Gebiet verlegt, rund 16 Kilometer von Nablus entfernt, für Verteidigungsaufgaben und Patrouillen. Die israelische Polizei ließ die Frage zunächst unbeantwortet, ob israelische Zivilisten festgenommen wurden.
Betroffen sind nach übereinstimmenden Angaben zwei Familien, internationale Agenturen sprechen von drei belagerten Häusern. Journalisten am Ortsrand berichteten, die Zufahrten nach Qusra seien gesperrt. Aus palästinensischer Sicht diene das dazu, anderen Palästinensern die Hilfe für die betroffenen Familien zu verwehren.
Der Verlauf der vergangenen Tage erklärt die Wucht der Berichterstattung. Der Außenposten stand seit Sonntag mitten im Dorf. Erst am Mittwoch rückte die Armee an, in Anwesenheit des Kommandeurs des Zentralkommandos. Kurz darauf war der Außenposten wieder aufgebaut. Während der Räumung blockierten die Siedler die Zufahrt mit Steinen. Und nach mehreren Berichten und Aufnahmen beteten Soldaten an der Seite der Randalierer, ein Vorgang, für den die Armee ein Disziplinarverfahren angekündigt hat.
Die Familien selbst schrieben in sozialen Netzwerken, sie seien in Not, die Vorräte gingen zur Neige.
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