Vier IDF-Soldaten getötet — Rufe nach Angriffen auf Beirut werden lauter
Nach dem Tod von vier israelischen Soldaten im Südlibanon wächst in Israel der politische Druck auf die Regierung, härter gegen die Hisbollah vorzugehen. Die Soldaten wurden nach Angaben der IDF bei einem Vorfall nahe dem Dorf Tebnit getötet. Unter den Gefallenen ist Oberstleutnant Dor Gedalia Ben Simhon, 32, Kommandeur des 52. Bataillons der 401. Brigade.
Nach ersten Angaben der IDF traf gegen 00:20 Uhr ein verdächtiges Objekt einen Panzer israelischer Kräfte, die im Raum Tebnit operierten. Der Vorfall wird untersucht. Israelische Medien berichten von einem Hisbollah-Drohnenangriff. Die IDF bestätigte den Tod der vier Soldaten und teilte mit, die genauen Umstände würden geprüft.
Die Nachricht löste in Israel eine breite politische Reaktion aus. Vor allem aus dem rechten Lager kamen Forderungen nach massiven Angriffen auf Ziele der Hisbollah in Beirut. Avigdor Liberman, Vorsitzender von Israel Beitenu, erklärte, bleibe die Dahija in Beirut nach einem so schweren Vorfall unversehrt, sei das ein direktes Versagen von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Israelische Soldaten dürften nicht wie Zielscheiben behandelt werden. Für jeden Angriff auf israelische Kräfte müsse die Gegenseite einen schweren Preis zahlen.
Auch Finanzminister Bezalel Smotrich forderte eine harte Reaktion. Es sei Zeit, „mit Feuer zu sprechen“, sagte er sinngemäß. Der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, ging weiter und verlangte eine umfassende militärische Antwort gegen den Libanon. Israel müsse der Welt klarmachen, dass das Blut seiner Soldaten und die Sicherheit seiner Bürger nicht verhandelbar seien.
Zurückhaltender äußerten sich Politiker der Opposition. Oppositionsführer Yair Lapid sprach den Familien der Gefallenen sein Beileid aus und nannte es einen herzzerreißenden Morgen. Staatspräsident Isaac Herzog erklärte, die gefallenen Soldaten reihten sich in eine lange, schmerzvolle Liste von Israelis ein, die bei der Verteidigung des Landes ums Leben gekommen seien. Er sprach den Familien sein tiefes Mitgefühl aus und betete für die Verwundeten und die Sicherheit aller Soldaten.
Auch frühere Regierungschefs und Verteidigungsminister reagierten. Naftali Bennett schrieb, das Herz weigere sich, die Nachricht zu begreifen. Yoav Gallant erinnerte daran, dass er Dor Ben Simhon während des Krieges mehrfach getroffen habe und von dessen Intelligenz, Entschlossenheit und Hingabe beeindruckt gewesen sei. Benny Gantz sprach von Soldaten, die in einer „falschen Waffenruhe“ gefallen seien.
Der Vorfall fällt in eine angespannte Phase. Israel steht unter internationalem Druck, die Vereinbarungen rund um den amerikanisch-iranischen Deal und mögliche Libanon-Regelungen nicht zu gefährden. Zugleich wächst im Norden Israels das Gefühl, dass die Hisbollah trotz schwerer Schläge handlungsfähig bleibt und die sogenannte Waffenruhe keine echte Sicherheit schafft.
Für die Regierung Netanyahu verschärft sich damit das Dilemma. Eine harte Reaktion auf Beirut könnte die Spannungen mit Washington erhöhen und den Iran-Deal belasten. Eine zurückhaltende Reaktion würde innenpolitisch als Schwäche gelten, vor allem gegenüber den Bewohnern des Nordens und den Familien der Soldaten.
Die kommenden Stunden dürften deshalb entscheidend sein. Israel muss klären, ob es die bisherige Linie gegenüber der Hisbollah fortsetzt oder nach dem Tod der vier Soldaten eine neue militärische Antwort wählt.
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