Partnerschaft in Gefahr? — Israels Verhältnis zu den USA kühlt ab
Nach dem neuen Abkommen zwischen den USA und dem Iran wächst in Israel die Debatte über das künftige Verhältnis zu Washington. Der Unmut über die Vereinbarung ist breit. Politiker aus unterschiedlichen Lagern kritisieren, dass Israel bei zentralen Fragen außen vor geblieben sei, während die USA direkt mit Teheran verhandelten.
Besonders heikel ist aus israelischer Sicht, dass das Abkommen den Iran nicht sofort entwaffnet. Das Regime in Teheran bleibt bestehen, die Frage des hoch angereicherten Urans ist nicht endgültig gelöst, und auch das Raketenprogramm sowie die Unterstützung regionaler Stellvertreter bleiben umstritten. Viele Israelis sehen darin eine gefährliche Lücke. Eine Umfrage des Israel Democracy Institute ergab, dass eine Mehrheit das Abkommen unter den aktuellen Bedingungen nicht für sicherheitsfördernd hält.
Dahinter zeigt sich eine tiefere Veränderung in der amerikanischen Politik. Die Unterstützung für Israel verschwindet nicht, aber sie ändert ihren Charakter. Washington spricht Israel Respekt zu und sieht das Land als wichtigen Partner. Doch die frühere Schutzlogik, bei der amerikanische Präsidenten Israels Sicherheit fast automatisch in den Mittelpunkt stellten, schwächt sich ab.
Besonders deutlich wurde das bei Vizepräsident JD Vance. Er verteidigte das Abkommen nicht in erster Linie als Gewinn für Israel, sondern als Erfolg für die amerikanische Bevölkerung. Entscheidend seien für Washington stabile Energiepreise, offene Handelswege und ein Ende der militärischen Belastung. Aus israelischer Sicht ist das ein nüchterner Hinweis: Amerikanische Interessen können künftig noch klarer vor israelischen Sicherheitsbedürfnissen stehen.
Auch im republikanischen Lager verändert sich der Ton. Marco Rubio gilt zwar als enger Freund Israels, doch Vance steht für eine neue Richtung: Respekt ohne alte emotionale Bindung, Partnerschaft ohne automatische Rückendeckung. Diese Haltung muss für Israel nicht feindlich sein. Sie ist aber deutlich kühler.
Für Jerusalem ist das eine strategische Herausforderung. Israel kann eng mit den USA zusammenarbeiten, muss aber stärker damit rechnen, dass Washington im entscheidenden Moment nach innen- und wirtschaftspolitischen Interessen handelt. Besonders im Libanon könnte diese Spannung sichtbar werden: wenn Israel weiter gegen die Hisbollah vorgehen will, während die USA den Iran-Deal stabil halten möchten.
Die Lehre ist nüchtern: Israel bleibt ein wichtiger Partner der USA, aber nicht mehr unbedingt ein geschützter Sonderfall. Das Land muss seine Sicherheit stärker aus eigener Kraft planen, mit mehr eigener Rüstungsproduktion, neuen regionalen Beziehungen und weniger Erwartung, dass amerikanische Zustimmung in jeder Lage selbstverständlich bleibt.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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