„Sie haben ihr Blatt überreizt“: Trump erwartet trotzdem neue Gespräche mit dem Iran
US-Präsident Donald Trump hat den iranischen Plan für eine siebentägige Waffenruhe abgelehnt, wie berichtet, rechnet aber dennoch mit einer Wiederaufnahme der Verhandlungen noch in dieser Woche. „Sie wollen einen Deal, aber es ist nicht der Deal, den ich machen will“, sagte Trump in einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenportal Axios. „Es ist das, worauf wir uns vielleicht vor einem Jahr geeinigt hätten. Sie haben ihr Blatt überreizt.“ Nach Informationen von Axios könnten indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran bereits am Montag stattfinden.
Washington: Zu viel verlangt, nur um zu reden
Deutlicher wurde der amerikanische UN-Botschafter Mike Waltz. Er sprach gegenüber dem Sender NBC von einem „ziemlich zynischen Versuch“, etwas auf den Tisch zu legen, von dem Teheran gewusst habe, dass es inakzeptabel sei: die Aufhebung der Seeblockade, der Sanktionen und den Zugang zu Milliarden an eingefrorenen Guthaben, „nur um zu reden“. Nachdem der letzte Anlauf erst vor wenigen Monaten gescheitert sei, sei es schlicht vernünftig, dass der Präsident diesmal wenig Vertrauen habe. Der Iran könne jederzeit an den Verhandlungstisch kommen, im Einklang mit dem Völkerrecht und seinen Pflichten aus dem Atomwaffensperrvertrag. „Unsere Unterhändler haben sogar angeboten, ihnen Uran zu verkaufen“, so Waltz.
Teheran: „Wir weichen nicht zurück“
Der Iran hält an seinen Bedingungen fest. „Unsere Bedingungen sind klar, und jeder Schritt zur Wiederöffnung der Straße von Hormus hängt davon ab, dass sie erfüllt werden. Wir werden davon nicht abrücken“, sagte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut Staatsfernsehen. „Wir haben die Tür zur Diplomatie nie geschlossen, aber wir haben auch nie auf unsere Rechte verzichtet.“ Den Plan habe Teheran über Katar übermittelt, „die Wahl liegt nun bei den Vereinigten Staaten“. Er sieht ein Ende aller Kampfhandlungen in der Region vor, einschließlich des Libanon, sowie eine Rückkehr zu den Bedingungen der im Juni geschlossenen Absichtserklärung: Freigabe eingefrorener Gelder, Aufhebung der Ölsanktionen und Ende der Seeblockade.
Noch schärfer äußerte sich der Sprecher der Revolutionsgarden, Hossein Mohebi. Man werde nicht aufhören, „die USA zu bestrafen“, bis die sieben Bedingungen des Iran erfüllt seien. Zu diesen Forderungen gehört nach seinen Angaben auch ein Ende der Kämpfe im Jemen. Am Sonntag meldeten die Revolutionsgarden zudem, sie hätten in der Straße von Hormus eine amerikanische Unterwasserdrohne aufgebracht, die für „Spionagezwecke“ genutzt worden sei, Spezialisten werteten nun ihre Daten aus.
Die Absichtserklärung vom Juni war kurz nach ihrer Unterzeichnung zerbrochen, als der Iran auf Handelsschiffe feuerte, die angeblich von der vorgeschriebenen Route abgewichen waren. Teheran verlangt von allen Schiffen eine Genehmigung für die Durchfahrt, wer sich weigert, wird regelmäßig angegriffen, die USA reagieren mit vereinzelten Luftschlägen auf die iranische Küste. Der Krieg hatte vor knapp sieben Monaten mit einer Welle amerikanischer und israelischer Angriffe auf den Iran begonnen.
Der Schlüssel liegt bei Israel
Hinter den Kulissen drängen die Vermittlerstaaten, darunter Pakistan und Katar, den Iran nach einem Bericht des Wall Street Journal, beim Atomprogramm Zugeständnisse zu machen, um die Gespräche mit Washington wieder in Gang zu bringen. Öffentlich hat Teheran bislang keine Bereitschaft dazu erkennen lassen. Ein hochrangiger Regierungsvertreter eines der beteiligten Vermittlerstaaten erklärte jedoch, der Iran wäre durchaus zu einem Kompromiss beim Atomprogramm bereit und sei in Gesprächen mit US-Vizepräsident JD Vance bereits nahe daran gewesen. Im Gegenzug verlange Teheran allerdings ausdrückliche Garantien, dass Israel den Iran nach einer Einigung mit den USA nicht erneut angreift.
Damit rückt Israel ins Zentrum einer möglichen Lösung. Jede amerikanische Zusage in diese Richtung würde Jerusalems Handlungsfreiheit gegenüber dem iranischen Atomprogramm unmittelbar berühren, und das nur wenige Wochen vor der Knesset-Wahl am 27. Oktober. Ob Washington zu solchen Garantien überhaupt bereit wäre, ist offen. Trump selbst soll Beratern zuletzt gesagt haben, er rechne nach den Zwischenwahlen im November eher mit neuen Luftangriffen als mit einem Durchbruch.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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