Neue Spannungen im Südlibanon: Hisbollah greift israelische Soldaten mit Drohne an
Die Lage im Südlibanon bleibt angespannt. In der Nacht zum Sonntag griff die Hisbollah nach Angaben der israelischen Armee (IDF) erneut israelische Soldaten mit einer mit Sprengstoff beladenen Drohne an. Israel reagierte noch in der Nacht mit Luftangriffen auf mehrere Ziele der Hisbollah. Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Angriffe der vergangenen Wochen ein. Gleichzeitig laufen die diplomatischen Bemühungen weiter, die Hisbollah zu entwaffnen und eine längerfristige Sicherheitsregelung zwischen Israel und dem Libanon zu erreichen.
Sprengstoffdrohne gegen israelische Soldaten
Nach Angaben der Armee wurde die Drohne auf Soldaten abgefeuert, die innerhalb der von Israel eingerichteten Sicherheitszone im Südlibanon operieren. Verletzt wurde niemand. Die IDF griff anschließend mehrere Einrichtungen der Hisbollah an, darunter Stellungen, von denen aus Sprengstoffdrohnen und Panzerabwehrraketen auf israelische Kräfte abgefeuert werden, sowie weitere militärische Infrastruktur. Die Armee werde weiter handeln, um unmittelbare Bedrohungen zu beseitigen, hieß es. Jede Gewaltanwendung vom libanesischen Staatsgebiet aus gegen israelische Zivilisten oder Soldaten werde „entschlossen“ beantwortet. Zugleich betonte die Armee, sie halte an der Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon fest, der von den USA vermittelten Waffenruhe vom Juni.
Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden unter anderem Nabatieh al-Fawqa, die Umgebung von Kfar Tebnit und Maifadoun getroffen, in Maifadoun soll ein Haus vollständig zerstört worden sein. Zudem wurde Artilleriebeschuss aus mehreren Gebieten gemeldet.
Bereits am Samstag Angriffe bei Sejoud
Schon am Samstag hatte die israelische Luftwaffe ein Waffenlager der Hisbollah im Gebiet Sejoud angegriffen. Dort seien Waffen gelagert gewesen, die gegen israelische Soldaten in der Sicherheitszone eingesetzt werden sollten. Libanesische Berichte sprechen von drei heftigen Angriffen bei Sejoud und in den Höhen von Jezzine, die Explosionen sollen bis in die Küstenstadt Sidon zu hören gewesen sein. Die Ereignisse zeigen, dass sich die militärischen Aktivitäten längst nicht mehr nur unmittelbar entlang der Grenze abspielen.
Hisbollah setzt weiter auf Drohnen
Sprengstoffdrohnen sind in den vergangenen Wochen zum bevorzugten Mittel der Hisbollah gegen israelische Soldaten geworden. Bereits Anfang September hatte die Organisation mehrfach Drohnen auf Truppen in der Sicherheitszone gestartet, jeweils wurde eine davon abgeschossen, verletzt wurde niemand. Israel reagierte auch damals mit Angriffen auf Hisbollah-Stellungen.
Eine besondere Rolle spielte zuletzt der strategische Ali-Taher-Höhenzug bei Nabatieh. Israel hatte dort ein weitläufiges unterirdisches System der Hisbollah eingenommen und zerstört. Die Armee erklärte Mitte September, dafür mehr als 1.100 Tonnen Sprengstoff eingesetzt zu haben, wie berichtet.
Politischer Druck auf die Hisbollah wächst
Parallel zur militärischen Entwicklung nimmt auch der politische Druck zu. Die libanesische Führung hat sich verpflichtet, das staatliche Gewaltmonopol wiederherzustellen und die Waffen der Hisbollah unter staatliche Kontrolle zu bringen. Präsident Joseph Aoun erklärte zuletzt, die Entwaffnung der Organisation sei nicht verhandelbar, zugleich wolle er eine direkte militärische Konfrontation innerhalb des Libanon vermeiden. Aoun sprach sich außerdem für ein Sicherheitsabkommen mit Israel aus, das nach einem israelischen Rückzug langfristig sogar den Weg zu einer weitergehenden politischen Vereinbarung öffnen könne. Die Hisbollah lehnt ihre vollständige Entwaffnung bislang ab.
Nächste Gesprächsrunde im Oktober
Mitte September waren die Botschafter beider Länder bereits in Washington zusammengekommen, die nächste formelle, von den USA vermittelte Gesprächsrunde ist für Oktober in Rom angesetzt, wie berichtet. Im Mittelpunkt stehen die Sicherheitslage im Grenzgebiet, die Zukunft der israelischen Militärpräsenz im Südlibanon und die Entwaffnung der Hisbollah.
Für Nordisrael bleibt vor allem entscheidend, ob sich die Angriffe weiterhin hauptsächlich gegen Soldaten im Südlibanon richten oder ob die Hisbollah erneut versucht, israelische Ortschaften direkt anzugreifen. Am Sonntag gab es keinen Hinweis auf geänderte Anweisungen des Heimatfrontkommandos für die Bevölkerung im Norden. Die jüngste Drohnenattacke zeigt jedoch, dass die Auseinandersetzung an der Nordfront nicht beendet ist.
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