Mehr Menschen als vor dem 7. Oktober: Warum Israels Grenzregion wieder wächst

Knapp drei Jahre nach dem 7. Oktober leben in der israelischen Grenzregion zum Gazastreifen mehr Menschen als zuvor. Mehr als 90 Prozent der evakuierten Bewohner sind zurückgekehrt, und neue Familien ziehen in den Süden. Doch der Wiederaufbau ist längst nicht überall abgeschlossen.

Auf einen Blick

  • Rund 66.000 Einwohner, etwa 5.000 mehr als vor dem 7. Oktober 2023
  • Mehr als 90 Prozent der Evakuierten sind zurückgekehrt
  • Insgesamt 22.233 Schüler, rund neun Prozent mehr als vor dem Krieg
  • Rund 17 Milliarden Schekel für Wiederaufbau und Entwicklung
  • Ziel bis 2033: eine Verdopplung auf rund 120.000 Einwohner

Eine Region, die wächst

Die Zahlen überraschen. Rund 66.000 Menschen leben heute in Sderot und den umliegenden Regionalverbänden Eshkol, Sha’ar HaNegev, Sdot Negev und Hof Ashkelon, der sogenannten Tekuma-Region. Das sind etwa 5.000 mehr als unmittelbar vor dem 7. Oktober 2023. Nach Angaben der staatlichen Wiederaufbaubehörde Tekuma entspricht das einem Wachstum von rund zehn Prozent, etwa zweieinhalbmal so viel wie im israelischen Durchschnitt. Für eine Region, aus der nach dem Massaker Zehntausende Menschen evakuiert werden mussten, ist das bemerkenswert.

Rückkehr in unterschiedlichem Tempo

Mehr als 90 Prozent der früheren Bewohner leben inzwischen wieder in ihren Gemeinden, doch das Tempo ist sehr unterschiedlich. In Kissufim sind bereits mehr als 96 Prozent zurück. In Holit begann die Rückkehr Ende August, in Kfar Aza soll sie Ende September beginnen.

Andere Orte brauchen deutlich länger. Die Bewohner von Be’eri sollen ab Ende Dezember schrittweise heimkehren, ein Prozess, der sich bis in den Sommer 2027 ziehen dürfte. Nir Oz steckt weiterhin mitten im Wiederaufbau, mit der Rückkehr der Bewohner wird dort im Laufe des kommenden Jahres gerechnet. Die Zahl von 66.000 Einwohnern bedeutet also nicht, dass die Folgen des 7. Oktober überwunden wären: Einzelne Gemeinschaften leben weiterhin in Übergangslösungen, Häuser müssen neu gebaut und öffentliche Einrichtungen wiederhergestellt werden.

Neue Familien im Süden

Der Zuwachs erklärt sich nicht allein durch die Rückkehr der Evakuierten. Tausende Menschen, die vor dem 7. Oktober nicht in der Region lebten, sind inzwischen zugezogen. Allein Sderot zählt mittlerweile rund 40.000 Einwohner und stellt damit deutlich mehr als die Hälfte der Bevölkerung der gesamten Region.

Wie real dieser Zuzug ist, zeigt ein Blick in die Klassenzimmer: Zu Beginn des aktuellen Schuljahres wurden in der Region 22.233 Kinder und Jugendliche registriert, rund neun Prozent mehr als vor dem 7. Oktober. In Sderot stieg die Zahl der Schüler sogar um etwa 16 Prozent. Kindergärten, Schulen und neue Wohngebiete sind damit zu einem zentralen Teil des Wiederaufbaus geworden.

Mehr als Reparatur: rund 17 Milliarden Schekel

Der Staat hat für Wiederaufbau und langfristige Entwicklung der Region einen mehrjährigen Plan im Umfang von rund 17 Milliarden Schekel aufgelegt. Das Geld fließt nicht nur in zerstörte Wohnhäuser, sondern auch in Sicherheit, Schulen, medizinische Versorgung, Straßen und Arbeitsplätze. Mehr als drei Milliarden Schekel sind allein in den Wiederaufbau und die Rückkehr der Bewohner geflossen, einschließlich der Übergangsunterkünfte.

Allein für Be’eri sind rund 473 Millionen Schekel vorgesehen. In Kfar Aza werden mit einem Budget von 211 Millionen Schekel rund 280 Gebäude renoviert und 98 Wohneinheiten neu gebaut. In Nir Oz stehen 232 Millionen Schekel bereit, erste neue Wohnungen sind fertig, Dutzende weitere geplant. In Holit werden für rund 57 Millionen Schekel 110 Wohn- und öffentliche Gebäude saniert und Wasser-, Abwasser- und Stromnetze erneuert. Das Ziel geht dabei längst über die Reparatur der Schäden hinaus: Bis 2033 soll sich die Einwohnerzahl der Region auf rund 120.000 verdoppeln, so der für den Wiederaufbau zuständige Minister Zeev Elkin.

Wachstum ist noch keine Normalität

Bei allen positiven Zahlen bleibt ein wichtiger Unterschied: Neue Häuser, steigende Schülerzahlen und zusätzliche Einwohner bedeuten nicht automatisch, dass das Leben wieder so ist wie früher. Eine Untersuchung aus dem Frühjahr zeigte, dass sich nur ein Teil der Bewohner der Grenzregion tatsächlich sicher fühlt, und auch das Vertrauen in staatliche Institutionen ist nach dem 7. Oktober nicht überall zurückgekehrt.

Der Wiederaufbau hat deshalb zwei Seiten: die sichtbare mit Häusern, Straßen und neuen Familien, und die weniger sichtbare, bei der es um Vertrauen, Gemeinschaft und persönliche Sicherheit geht.


Und doch bleibt die Entwicklung bemerkenswert. Vor knapp drei Jahren mussten Zehntausende Menschen diese Region verlassen, heute leben dort mehr Menschen als zuvor. Vielleicht ist genau das die überraschendste Erkenntnis: Nicht nur die meisten früheren Bewohner sind zurückgekehrt. Tausende andere haben sich ganz bewusst dafür entschieden, ihr Leben gerade hier neu aufzubauen.

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