Sechs Nächte Krieg, und die Piraten kehren zurück: Satellitenbilder zeigen die Schäden auf beiden Seiten
Der Konflikt am Golf geht in seine sechste Nacht, und er zieht Kreise, die weit über die Straße von Hormus hinausreichen. Am Freitagmorgen meldete die britische Seefahrtsbehörde UKMTO die Entführung eines Schiffes im Golf von Aden, rund 120 Kilometer südlich des jemenitischen Hafens Al Mukalla. Nach Angaben von Sicherheitskreisen enterten bewaffnete Angreifer den Chemietanker „ASANA“, der mit Chemieprodukten auf dem Weg ins somalische Bosaso war.
Die Entführung ist kein Einzelfall, sondern Symptom. Seit Beginn des Krieges häufen sich die Piratenangriffe vor Somalia und im Golf von Aden, die UKMTO stufte die Bedrohung auf „erheblich“ hoch. Die EU-Marinemission spricht von einem „Gelegenheitsfenster“ für die Piratengruppen: Die Kriegsschiffe, die sonst die Gewässer patrouillieren, sind mit Blockade und Geleitschutz am Golf gebunden. Dutzende Seeleute befinden sich nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation in der Hand somalischer Piraten. Der Krieg um Hormus macht auch Gewässer unsicher, in denen kein Schuss zwischen Amerikanern und Iranern fällt.
Was die Satelliten verraten
Aufschlussreich sind die Aufnahmen, die das Analyseunternehmen Soar Atlas am Morgen veröffentlichte, denn sie zeigen erstmals dokumentierte Schäden auf beiden Seiten. Auf amerikanischer Seite: Am Flughafen Erbil im Irak traf eine iranische Rakete eine Patriot-Luftabwehrbatterie der US-Armee, im Zayed-Militärkomplex in Abu Dhabi sind drei Gebäude vollständig zerstört. Die iranischen Erfolgsmeldungen der vergangenen Tage waren also nicht durchweg Propaganda.
Auf iranischer Seite dokumentieren die Bilder Einschläge auf die unterirdische Luftwaffenbasis „Oghab 44“ in der Provinz Hormozgan: zwei auf dem Rollweg zwischen Tunnelkomplex und Startbahn, zwei weitere auf Infrastruktur. Die Basis, erst 2023 enthüllt und nach dem 44. Jahrestag der Islamischen Revolution benannt, ist die erste taktische Untergrundbasis der iranischen Luftwaffe für Kampfjets und Drohnen. Dazu kommen schwere Schäden im Hafen von Bandar Abbas.
Kuwait: Kraftwerk und Entsalzungsanlage getroffen
Einen bitteren Preis zahlt erneut ein Drittland. Kuwaits Energieministerium meldete, ein iranischer Angriff habe eines der Kraftwerke des Landes mit angeschlossener Meerwasserentsalzung getroffen. Ein Brand brach aus, mehrere Erzeugungseinheiten wurden schwer beschädigt, Notfallpläne wurden aktiviert, um das Stromnetz zu stabilisieren. In einem Wüstenstaat, in dem Trinkwasser aus dem Meer kommt, ist das mehr als ein Infrastrukturschaden.
Die Bilanz nach sechs Nächten: Beide Seiten treffen, beide Seiten bluten, und die Region ringsum zahlt mit. Von Verhandlungen war am Freitag keine Rede mehr.
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