„Rache für Benayahu“: Nach der Ermordung zweier Israelis eskaliert die Gewalt in Judäa und Samaria
Die Ermordung von zwei Israelis am Freitag hat eine Welle von Vergeltungsgewalt ausgelöst, die am Wochenende ihren bislang schwersten Ausdruck fand. In der Nacht zum Sonntag brannten in Judäa und Samaria zwei Moscheen, dazu ein Wohnhaus und mehrere Fahrzeuge. An die Wände sprühten die Täter auf Hebräisch, worum es ihnen ging: „Rache für Benayahu“, daneben einen Davidstern. Die IDF und palästinensische Stellen bestätigten die Vorfälle, darüber berichten Jerusalem Post, Times of Israel und Reuters.
Der Name steht für Benayahu Mellet, 32, Mitglied der Bereitschaftstruppe von Havat Gilad und dort für die Landwirtschaft zuständig. Er eilte am Freitag einer angegriffenen Gruppe zu Hilfe, wurde ihm die Waffe entrissen und erschossen. Schon 2021 hatte er geholfen, einen Anschlag zu vereiteln. Er hinterlässt seine Frau Esther und zwei Töchter im Alter von zwölf und dreizehn Jahren. Mit ihm starb Major Yuval Ezra, 27, der als Offizier zum Ort gerufen wurde. Vier Palästinenser kamen ebenfalls ums Leben. Seither ruft ein extremistischer Rand offen zur Rache auf, und setzt sie in die Tat um.
Zwei Moscheen, Fahrzeuge, Verletzte
Im Dorf Qusra südlich von Nablus steckten Unbekannte die im Bau befindliche Al-Rahma-Moschee in Brand, Holz und Baugerät wurden beschädigt. Eine zweite Moschee brannte im Dorf Kur bei Tulkarem, dort stand an der Wand: „Jüdisches Blut ist nicht umsonst.“ In Beit Furik ging ein Wohnhaus in Flammen auf, das Anwohner löschen konnten. Bei Beitillu brannten fünf Fahrzeuge, nahe Khirbet Abu Falah Traktoren und Lastwagen, bei al-Mughayyir weitere Autos. In Ein Samia östlich von Ramallah griffen Randalierer einen Steinbruchbetrieb an, zündeten schwere Maschinen an und verletzten mehrere Palästinenser; zwei Männer kamen ins Krankenhaus. Dazu kamen Steinwürfe auf Fahrzeuge und blockierte Straßen. Verletzte durch die Brandstiftungen an den Moscheen gab es nicht.
Die Armee schickte Kräfte nach Qusra, die Täter waren geflohen. Die IDF fand Brandspuren und Schmierereien vor; die Polizei sollte im Lauf des Sonntags unter militärischem Schutz Beweise sichern. In ihrer Stellungnahme wurde die Armee ungewöhnlich deutlich: Man verurteile Vorfälle dieser Art aufs Schärfste, ausdrücklich auch die Schädigung religiöser Einrichtungen, und werde entschlossen handeln, um Sicherheit und Ordnung im Gebiet zu wahren. Der arabische Abgeordnete Ahmad Tibi sprach von „jüdischem Terrorismus“ und fragte, wie die Reaktion ausfiele, hätte ein Palästinenser eine Synagoge angezündet. Festnahmen wurden bis Sonntagmittag nicht gemeldet.
Häuser versiegelt, Dutzende Festnahmen in Tel
Parallel läuft das harte Vorgehen gegen die Täter des Anschlags. Die IDF vermaß die Häuser der beiden am Freitag beteiligten Palästinenser, jenes des Schützen und jenes des Mannes, der Mellet die Waffe entriss und später von Spezialkräften in einem Krankenhaus in Nablus festgenommen wurde. Das Haus des Schützen wurde versiegelt, ein üblicher Zwischenschritt vor dem Abriss, angeordnet von Netanyahu und Verteidigungsminister Katz und genehmigt vom Kommandeur des Zentralkommandos, Generalmajor Avi Bluth. Bis zur tatsächlichen Zerstörung vergehen meist Monate, weil das Oberste Gericht über Einsprüche der Familien entscheidet.
In Tel selbst durchsuchten Soldaten das Dorf, nach IDF-Angaben wurden elf gesuchte Palästinenser festgenommen und 80 weitere befragt; der Bürgermeister spricht von rund 70 Vernehmungen in einem eingerichteten Befragungszentrum. Bluth verhängte darüber hinaus ein Zutrittsverbot für palästinensische Arbeiter in israelische Ortschaften der Region, ausgenommen Industriezonen, um die Reibung zwischen den Bevölkerungsgruppen zu verringern.
Die Zahlen des vergangenen Jahres zeigen, wie sehr sich die Lage verschärft hat: Die IDF registrierte 2025 insgesamt 867 Vorfälle nationalistisch motivierter Straftaten und Siedlergewalt, nach 682 im Jahr zuvor. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums über 1.100 Palästinenser in Judäa und Samaria getötet, nach IDF-Angaben überwiegend bewaffnete Kämpfer, Randalierer und Attentäter. Im selben Zeitraum starben 68 israelische Zivilisten und Sicherheitskräfte, die meisten bei Terroranschlägen, dazu acht Soldaten bei Einsätzen in palästinensischen Städten.
Am heutigen Sonntag um 17 Uhr wird Major Yuval Ezra im militärischen Teil des Friedhofs von Beit Dagan beigesetzt. Der 27-Jährige aus Herzlia diente seit 2017 in der Artillerie und sollte im September stellvertretender Bataillonskommandeur werden. Seine Hochzeit mit seiner Verlobten Timor Lavi war für Juni 2027 geplant.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal
Related Posts
Türkischer Forscher: Türkische Armee kann Tel Aviv innerhalb von 72 Stunden einnehmen
Ob er daraufhin einen direkten Angriff auf Israel verüben wird, ist unwahrscheinlich, aber Israel steht…
Gespräche mit dem Iran zum Scheitern verurteilt?
Irans Atomchef Islami: „Wir werden weiterhin Uran anreichern – und dem Westen die Augen ausstechen“…
Netanjahu versichert Eltern von Geiseln: Israel arbeitet an Abkommen zur Freilassung von zehn Geiseln
Geiselforum und Tikva-Forum fordern: Alle Geiseln müssen auf einmal freikommen; Ägyptische Quelle: Hamas bittet um…
Verwirrung um Verhandlungsort – Iran lehnt Uran-Transfer ab
Die jüngsten diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran stehen auf wackligen Füßen. Zwar…
