Von Neuseeland bis New York: Israels Wahl hat bereits begonnen
In Israel öffnen die Wahllokale erst am 27. Oktober. Trotzdem wurden in der vergangenen Nacht bereits die ersten Stimmen für die 26. Knesset abgegeben. Den Anfang machte ausgerechnet Neuseeland, mehr als 16.000 Kilometer von Jerusalem entfernt. Innerhalb von rund 30 Stunden wandert die israelische Wahl nun einmal um die Welt.
Um 9 Uhr morgens Ortszeit öffnete die israelische Botschaft in Wellington ihr Wahllokal. In Israel war es zu diesem Zeitpunkt noch 23 Uhr am Mittwochabend. Eine Stunde später folgte die Botschaft in Suva auf den Fidschi-Inseln, die jüngste diplomatische Vertretung Israels. Danach öffnen entsprechend den Zeitzonen nach und nach die israelischen Vertretungen in Asien, Europa, Afrika sowie Nord- und Südamerika.
Wahllokale in 99 Vertretungen weltweit
Insgesamt richten das Außenministerium und die Zentrale Wahlkommission 101 Wahllokale in 99 diplomatischen Vertretungen ein. Erwartet werden rund 4.800 Wählerinnen und Wähler. Das größte Wahllokal im Ausland ist das Generalkonsulat in New York mit rund 700 Wahlberechtigten. Ganz am Ende stehen die Konsulate an der amerikanischen Westküste. In Los Angeles und San Francisco schließen die Wahllokale am Donnerstag um 20 Uhr Ortszeit, in Israel ist es dann Freitag, 6 Uhr morgens. Vom ersten Stimmzettel in Wellington bis zur letzten Stimme in Kalifornien vergehen damit rund 30 Stunden.
Keine normale Auslandswahl
Für deutsche Leser ist ein Unterschied besonders interessant: Israel kennt keine Briefwahl und keine allgemeine Auslandswahl. Ein Israeli, der in Berlin arbeitet, in Paris studiert oder gerade Urlaub in den USA macht, kann nicht einfach in der Botschaft seine Stimme abgeben. Wer wählen möchte, muss am Wahltag nach Israel kommen und in seinem Wahllokal persönlich abstimmen.
Die Abstimmung in den Vertretungen ist deshalb eine eng begrenzte Ausnahme. Sie gilt für Menschen, die beruflich im Auftrag Israels im Ausland sind: Diplomaten und andere Staatsbedienstete, im Ausland stationierte Soldaten sowie Mitarbeiter der Jewish Agency, des Jüdischen Nationalfonds KKL, von Keren Hayesod und der Zionistischen Weltorganisation. Auch ihre Ehepartner und Kinder unter 20 Jahren dürfen dort wählen, sofern sie wahlberechtigt sind. Abgestimmt wird gesetzlich festgelegt zwölf Tage vor dem Wahltag in Israel. Weitere Sonderregelungen gibt es in Israel selbst unter anderem für Soldaten, Gefängnisinsassen, Patienten in Krankenhäusern sowie Besatzungen israelischer Schiffe.
Die Stimmzettel reisen zurück nach Israel
Ausgezählt wird im Ausland nicht. Die Stimmen werden in einem doppelten Umschlag abgegeben: Der Stimmzettel steckt in einem neutralen Umschlag, dieser wiederum in einem äußeren Umschlag mit Name und Ausweisnummer des Wählers. Die versiegelten Umschläge werden nach Israel geflogen und gehen an die Zentrale Wahlkommission. Dort wird nach dem Wahltag geprüft, dass niemand doppelt abgestimmt hat. Erst dann werden die inneren Umschläge ohne Namen von den äußeren getrennt und gemeinsam mit den Stimmen von Soldaten und Krankenhauspatienten ausgezählt. So bleibt das Wahlgeheimnis gewahrt, und vor dem eigentlichen Wahltag werden keine Teilergebnisse bekannt.
Während die Diplomaten ihre Entscheidung bereits getroffen haben, läuft der Wahlkampf in Israel weiter. Bis zum 27. Oktober kann sich in den Umfragen noch einiges bewegen.
Eine Wahl beginnt am anderen Ende der Welt
Dass Neuseeland den Anfang macht, ist keine politische Entscheidung, sondern schlicht Geografie. Wellington liegt Israel zeitlich zehn Stunden voraus und gehört deshalb traditionell zu den ersten Orten, an denen bei israelischen Parlamentswahlen abgestimmt wird. So beginnt eine israelische Wahl nicht in Jerusalem, Tel Aviv oder Haifa, sondern bei einigen wenigen Diplomaten auf der anderen Seite der Erde. Danach folgen Fidschi, Asien, Europa und Amerika.
Erst zwölf Tage später wird aus diesen wenigen Tausend Stimmen eine landesweite Wahl mit Millionen Wahlberechtigten. Formal aber hat die Wahl zur 26. Knesset bereits begonnen. Der erste Stimmzettel liegt längst in der Urne.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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