Kämpfe in Gaza gehen weiter — Hamas will sich hinter der „Yellow Line“ neu aufstellen
Auch nach Inkrafttreten der Waffenruhe bleibt die Lage im Gazastreifen angespannt. Israelische Fallschirmjäger operieren weiter im Gebiet von Dschabalija im Norden Gazas und entlang der „Yellow Line“, jener Linie, bis zu der sich die IDF im Rahmen der Vereinbarungen zurückgezogen hat. Aus Sicht der IDF geht es dort nicht um Verwaltung einer Ruhe, sondern um einen fortlaufenden Kampf gegen Hamas-Zellen, Sprengfallen und unterirdische Infrastruktur.
Soldaten des Bataillons 101 der Fallschirmjägerbrigade berichten, Hamas versuche immer wieder, sich den israelischen Linien zu nähern, Sprengsätze zu platzieren oder Truppenbewegungen auszuspähen. Ein Offizier sagte gegenüber Channel 12, dies sei „Krieg in jeder Hinsicht“. Die Terroristen gäben sich nicht offen als Hamas-Kämpfer zu erkennen, sondern verschwänden in der Bevölkerung und in den Ruinen. Genau das mache den Einsatz besonders schwierig.
Nach israelischen Angaben kontrolliert Hamas wenige Hundert Meter von den IDF-Stellungen entfernt weiter Teile des Gebiets. Während Israel östlich der „Yellow Line“ militärisch präsent bleibt, versucht Hamas, sich in den angrenzenden Räumen neu zu organisieren. Dazu gehören nach Aussagen der Soldaten Versuche, Tunnelinfrastruktur wieder aufzubauen oder alte Schächte erneut nutzbar zu machen. Die IDF führt deshalb systematische Bohrungen und Suchaktionen durch, um neue Grabungen früh zu erkennen.
Der Kommandeur des Bataillons 101 erklärte, Hamas sei nicht in der Lage, die israelischen Verteidigungslinien zu durchbrechen oder israelische Ortschaften zu bedrohen. Verschwunden sei die Organisation aber keineswegs. Sie rekrutiere neue, jüngere Kämpfer und versuche, ihre Fähigkeiten Schritt für Schritt wiederherzustellen. Aus Sicht der Truppe hat sich die Zusammensetzung der Hamas verändert: Viele erfahrene Kämpfer wurden getötet, an ihre Stelle treten jüngere Männer.
Ein weiterer Punkt ist die Entwicklung im Libanon. Dort setzt die Hisbollah zunehmend auf Drohnen und Sprengdrohnen. In Gaza beobachtet man das genau. Israelische Offiziere gehen davon aus, dass Hamas ähnliche Methoden übernehmen könnte, auch wenn Schmuggel und Versorgung im Gazastreifen für die Organisation deutlich schwieriger sind als für die Hisbollah im Libanon.
Parallel bleibt die zivile Lage in Gaza schwer. Viele Gebiete sind zerstört, große Teile der Infrastruktur funktionieren kaum noch. Gerade deshalb ist die Frage einer politischen Alternative zur Hamas entscheidend. Solange es keine stabile neue Ordnung im Gazastreifen gibt, bleibt die IDF militärisch gebunden. Die Soldaten vor Ort sprechen offen davon, dass sie auf weitere Befehle warten, um zusätzliche Hamas-Strukturen zu zerschlagen.
So zeigt sich erneut das Grundproblem der Gaza-Front: Eine formale Waffenruhe beendet nicht automatisch den Krieg im Gelände. Hamas will sich neu aufstellen, Israel will genau das verhindern. Zwischen beiden Seiten liegt die „Yellow Line“, aber keine wirkliche politische Lösung.
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