Iran-Gespräche unter Druck: Libanon und Hormus werden zum Risiko für den Deal
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran stehen weiter unter erheblichem Druck. Zwar sprechen Washington, Teheran und die Vermittler aus Katar und Pakistan offiziell von Fortschritten, doch mehrere Streitpunkte könnten den Prozess jederzeit gefährden.
Besonders sensibel ist die Verbindung zwischen der Straße von Hormus, dem Libanon und der Rolle der Hisbollah.
Aus israelischer Sicht wächst die Sorge, dass der Iran den Libanon als Druckmittel in den Verhandlungen nutzt. Teheran hat deutlich gemacht, dass israelische Angriffe in Beirut und im Süden des Libanon für die Islamische Republik eine rote Linie darstellen. Gleichzeitig steht im Raum, dass der Iran im Gegenzug für eine offene Straße von Hormus und wirtschaftliche Erleichterungen eine Begrenzung israelischer Militäraktionen im Libanon erreichen will.
Besonders umstritten ist der neue Mechanismus zur Vermeidung militärischer Reibung im Libanon. Dieser soll unter Beteiligung der USA, des Iran, des Libanon sowie der Vermittler Katar und Pakistan entstehen. Israel wird in diesem Rahmen bislang nicht ausdrücklich genannt, obwohl die militärischen Auseinandersetzungen im Libanon vor allem zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah stattfinden. Genau dieser Punkt verstärkt in Jerusalem die Sorge, dass über israelische Sicherheitsinteressen gesprochen wird, ohne dass Israel selbst am Tisch sitzt.
Auch innerhalb der Gespräche bleibt die Lage angespannt. Nach amerikanischen Drohungen gegen den Iran soll die iranische Delegation zeitweise mit einem Abbruch der Verhandlungen gedroht haben. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, der Iran müsse die Hisbollah sofort stoppen, andernfalls werde Washington erneut hart zuschlagen. Solche öffentlichen Drohungen können den Verhandlungsprozess zusätzlich belasten, weil Teheran innenpolitisch kaum den Eindruck erwecken will, unter amerikanischem Druck nachzugeben.
Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Straße von Hormus. Der Iran kann die Sicherheit des Seewegs als Verhandlungsmasse einsetzen. Für die Weltwirtschaft ist die Meerenge von zentraler Bedeutung, da ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels durch sie läuft. Washington will verhindern, dass die Lage dort erneut außer Kontrolle gerät. Gleichzeitig befürchten Kritiker, Teheran könne diese Abhängigkeit nutzen, um Zugeständnisse in anderen Bereichen zu erzwingen.
Auch beim Atomprogramm zeigen sich Widersprüche. Während US-Vertreter von Fortschritten bei der Rückkehr internationaler Inspektoren sprechen, hat Teheran erklärt, Inspektoren sollten keinen Zugang zu den im Krieg beschädigten Atomanlagen erhalten. Damit bleibt unklar, wie belastbar die Vereinbarungen tatsächlich sind und wie eine wirksame Kontrolle praktisch aussehen soll.
Parallel dazu werden bereits wirtschaftliche Elemente des Memorandums sichtbar. Dazu gehören Ausnahmen bei iranischen Ölexporten und mögliche Schritte zur Freigabe eingefrorener Gelder. Kritiker warnen, der Iran könne dadurch Zeit und Mittel gewinnen, ohne in den Kernfragen bereits verbindliche Zugeständnisse gemacht zu haben.
Der Deal befindet sich damit in einer fragilen Zwischenphase.
Er kann weiterverhandelt werden, wenn beide Seiten die Streitpunkte um Libanon, Hormus und Atominspektionen kontrollieren. Er kann aber ebenso schnell scheitern, wenn neue Drohungen, Angriffe oder überzogene Forderungen den politischen Spielraum zerstören.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal
Related Posts
Türkischer Forscher: Türkische Armee kann Tel Aviv innerhalb von 72 Stunden einnehmen
Ob er daraufhin einen direkten Angriff auf Israel verüben wird, ist unwahrscheinlich, aber Israel steht…
Gespräche mit dem Iran zum Scheitern verurteilt?
Irans Atomchef Islami: „Wir werden weiterhin Uran anreichern – und dem Westen die Augen ausstechen“…
Netanjahu versichert Eltern von Geiseln: Israel arbeitet an Abkommen zur Freilassung von zehn Geiseln
Geiselforum und Tikva-Forum fordern: Alle Geiseln müssen auf einmal freikommen; Ägyptische Quelle: Hamas bittet um…
Verwirrung um Verhandlungsort – Iran lehnt Uran-Transfer ab
Die jüngsten diplomatischen Bemühungen zwischen den USA und dem Iran stehen auf wackligen Füßen. Zwar…
