Großprojekt soll Nordisraels Quellen und Landschaften wiederbeleben
Jahre der Kämpfe haben im Norden Israels tiefe Spuren hinterlassen. Ein neues Projekt der Gesellschaft für Naturschutz in Israel (SPNI) will die notwendige Wiederherstellung zum Anstoß für einen neuen Aufschwung der Region machen.
Die Brände des Kriegs „Schwerter aus Eisen“ und späterer Kampfrunden zerstörten weite Flächen im Norden und hinterließen verbrannte Erde sowie erhebliche Schäden an Natur, Tourismus und Gemeinden. In dieser Notwendigkeit zur Wiederherstellung liegt zugleich eine Chance, die Region neu zu denken. Das SPNI-Projekt, im Rahmen der Tekuma-Direktion für den Norden, geht über die reine Schadensbehebung hinaus: Offene Flächen sollen neu geplant werden, als Motor für regionale, gemeinschaftliche und wirtschaftliche Resilienz.
Asaf Zanzuri, Leiter für Planung und Wiederherstellung bei der SPNI, sagte, die anfängliche Strategie sei einfach gewesen: Schäden kartieren, Bedarf bestimmen, umsetzen. Im Verlauf zeigte sich jedoch ein deutlich komplexeres Bild. Der Krieg hinterließ nicht nur Brände, Müll und durch Naturflächen gebahnte Militärrouten, sondern legte auch ältere Probleme offen: unzureichende Verwaltung offener Flächen, Druck auf natürliche Ressourcen sowie Nutzungskonflikte zwischen Tourismus, Landwirtschaft und Entwicklung.
Der Plan entstand in Zusammenarbeit mit Kommunalbehörden, der Natur- und Parkbehörde, dem KKL-JNF (Jüdischer Nationalfonds), Ministerien und weiteren Organisationen. Statt neuer Konzepte bündelte das Team bereits laufende Projekte in einem gemeinsamen Rahmen, um der Regierung aufzuzeigen, was vorangebracht werden müsse und zu welchem Preis, so Zanzuri.
Daraus entstand eine Liste von Projekten, die ökologische Wiederherstellung mit regionaler Entwicklung verbinden, von renaturierten Wasserläufen als Wander- und Campingflächen bis zur Freilegung natürlicher Quellen.
Weniger Druck auf das natürliche System
Ein zentrales Thema, kürzlich bei der 54. Jahreskonferenz für Wissenschaft und Umwelt in Jerusalem vorgestellt, ist die Wasserbewirtschaftung. Im Norden, wo der Tourismus stark von Bächen und Quellen abhängt, wird Wassermangel besonders in Dürrejahren spürbar. Man denke gewöhnlich in einem Gegensatz zwischen Entwicklung und Naturschutz, so Zanzuri, doch ohne Wasser reiche ein Dürrejahr, um die Grundlage jeder Projektentwicklung zunichtezumachen, zum Schaden von Landwirtschaft, Natur und Besuchern.
Ein besonders vielversprechendes, bereits per Regierungsbeschluss finanziertes Vorhaben ist die Freilegung der Hangquellen zwischen den Golanhängen und dem Hula-Tal, einem an Flora und Fauna reichen Gebiet, das durch jahrzehntelange Wasserentnahme für die Landwirtschaft erheblich beschädigt wurde. Zunächst sollen Rückhaltebecken für Hochwasser entstehen, danach wird das Tal an das nationale Wassersystem angeschlossen, sodass Landwirte nicht mehr auf die Quellen angewiesen sind und sich diese samt biologischer Vielfalt erholen können. Das entlaste das natürliche System, erweitere öffentliche Flächen und verringere Konflikte zwischen Landwirtschaft und Umwelt, so Zanzuri.
Ein weiteres Projekt ist die Renaturierung der Jordan-Kanäle: Aus einem geraden, künstlichen Kanal soll eine naturnähere Umgebung mit Windungen, Schatten und geregeltem Wasserzugang entstehen. Die Kinneret-Entwässerungs- und Flussbehörde und der KKL-JNF haben das Vorhaben bereits angestoßen, bislang bleibt der Großteil jedoch ein gerader Kanal ohne Schatten oder Fußgängerzugang, Besucher fahren derzeit ungeregelt mit dem Auto bis an den Bach heran. Ziel ist es, die Renaturierung über die gesamte Länge zu beschleunigen, sodass ein Raum entsteht, der Zugang ermöglicht und die Umwelt schützt. Bei vollständiger Umsetzung könnte ein Dutzende Kilometer langer Natur- und Tourismusstreifen entstehen.
Mehr Funktion statt mehr Fläche
Ein zentraler Gedanke des Plans ist der Perspektivwechsel: Statt mehr Naturfläche, was nicht immer möglich ist, soll deren Funktion verbessert werden. Natur lasse sich nicht ausweiten, ihre Funktion aber steigern, so Zanzuri: Werden Quellen freigelegt, entstehen mehr besuchbare Orte, was auch hilft, die Überlastung beliebter Ausflugsziele zu verringern.
Ein Teil der Projekte ist bereits in Regierungsbeschlüsse eingeflossen, andere warten noch auf Finanzierung, während verschiedene Stellen bereits mit lokalen Arbeiten begonnen haben. Nun gehe es darum, wie sich diese Flächen dauerhaft verwalten und pflegen lassen, so Zanzuri.
Letztlich geht es um mehr als Ökologie: Offene Flächen sind fester Bestandteil der Lebensqualität, für Bewohner des Nordens wie für Besucher aus dem ganzen Land. Natur sei eine begrenzte Ressource, die erheblich zum Wohlbefinden beitrage, so Zanzuri, ohne Investitionen und Pflege leide das Erlebnis. Die Aufgabe bestehe nicht nur darin, Schäden zu beheben, sondern ein System zu schaffen, in dem Natur, Gemeinschaft und Wirtschaft dauerhaft zusammenwirken statt zu konkurrieren.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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