Eine Sukka für alle: Israels Präsidentenhaus öffnet seine Türen

Zu Sukkot gehört in Israel das Öffnen der Türen fast selbstverständlich dazu. Familien essen gemeinsam in der Sukka, Nachbarn kommen vorbei, Gäste werden eingeladen. In Jerusalem wird diese Tradition Ende September auch an einem ungewöhnlichen Ort fortgesetzt: Präsident Isaac Herzog und seine Frau Michal öffnen das Präsidentenhaus für Besucher aus dem ganzen Land.

Am Dienstag, dem 29. September, öffnen sich die Tore des Präsidentenhauses in Jerusalem zwischen 9.30 und 15.30 Uhr für die Öffentlichkeit, Israelis können dann die traditionelle Sukka des Präsidenten besuchen. Das diesjährige Motto lautet „Israelischer Geist – eine Reise zwischen Kultur und Sport zu einer gemeinsamen israelischen Zukunft“. Der Satz klingt zunächst nach Veranstaltungssprache, dahinter steckt aber eine Idee, die gut zum Laubhüttenfest passt: Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und Lebenswirklichkeit sollen für einige Stunden denselben Raum teilen.

Mehr als eine Laubhütte

Sukkot gehört zu den drei biblischen Wallfahrtsfesten. Sieben Tage lang erinnert das Fest an die Zeit, in der das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten in provisorischen Behausungen lebte. Bis heute bauen Familien in Israel deshalb Laubhütten auf Balkonen, in Gärten, vor Synagogen und manchmal sogar mitten auf Gehwegen. Eine Sukka ist bewusst kein perfektes Gebäude, ihr Dach besteht traditionell aus natürlichen Materialien, durch die teilweise noch der Himmel zu sehen sein soll. Für eine Woche verlagert sich ein Teil des Familienlebens nach draußen, man isst gemeinsam, empfängt Gäste und verbringt Zeit miteinander.

Genau diesen Gedanken greift auch das Präsidentenhaus auf. Die offizielle Residenz des Staatspräsidenten bezeichnet sich selbst immer wieder als „Haus des Volkes“. Während des Jahres kann sie im Rahmen angemeldeter Führungen besucht werden, zu Sukkot wird daraus für einen Tag ein deutlich offenerer Ort.

Kino, Bücher und Rollstuhlbasketball

Dabei soll es nicht bei einem Besuch der Präsidentensukka bleiben. Gemeinsam mit dem Ministerium für Kultur und Sport ist ein umfangreiches Programm geplant. Besucher sollen unter anderem durch ein „lebendiges Museum“ des israelischen Films gehen können, dazu kommen Literaturangebote und Vorlesestunden für Kinder, israelisches Karaoke, Zirkusvorführungen und verschiedene Mitmachangebote. Auch Sport spielt eine wichtige Rolle: Geplant sind unter anderem Rollstuhlbasketball und Extremsportangebote, damit sollen ganz unterschiedliche Seiten der israelischen Gesellschaft sichtbar werden. Die Sukka selbst wird passend zum Fest mit Motiven aus israelischer und hebräischer Kultur und Literatur gestaltet, Präsident Herzog und seine Frau Michal wollen im Laufe des Tages die Besucher persönlich begrüßen. Der Eintritt ist Teil eines öffentlichen Feiertagsangebots für Familien.

Ein Fest, das Menschen zusammenbringt

Sukkot hat in Israel ohnehin eine besondere Atmosphäre. Schulen sind geschlossen, viele Menschen haben frei, Nationalparks, Wälder, Museen und historische Stätten füllen sich mit Familien. Allein KKL-JNF plant in diesem Jahr zahlreiche Veranstaltungen im ganzen Land, darunter Angebote am See Genezareth, im Birya-Wald und in weiteren Naturgebieten. Das Fest findet damit längst nicht nur in Synagogen statt, es gehört auf die Straßen, in Parks und eben auch in die Häuser.

Gerade deshalb besitzt die offene Sukka im Präsidentenhaus eine interessante Symbolik. Eine Sukka ist ein vorübergehender Raum, Status und Besitz treten für einige Tage in den Hintergrund, alle sitzen unter einem einfachen Dach. Das bedeutet natürlich nicht, dass gesellschaftliche Unterschiede oder politische Konflikte dadurch verschwinden, Israel bleibt ein Land mit tiefen Auseinandersetzungen und sehr unterschiedlichen Vorstellungen über seine Zukunft. Aber für einige Stunden entsteht in Jerusalem ein Ort, an dem es nicht darum gehen soll, welcher politischen oder gesellschaftlichen Gruppe jemand angehört.

Am 29. September sollen deshalb Familien, Kinder, Sportler, Künstler und Besucher aus unterschiedlichen Teilen des Landes durch dasselbe Tor gehen. Sie werden Filme sehen, Geschichten hören, Sport ausprobieren und gemeinsam in einer Sukka stehen. Vielleicht ist das gar keine große Nachricht, aber es ist eine kleine, passende Geschichte für Sukkot. Denn manchmal beginnt Gemeinschaft nicht mit einer großen Erklärung, manchmal beginnt sie einfach damit, eine Tür zu öffnen und jemanden einzuladen, unter demselben Dach Platz zu nehmen.

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