Der Sohn will die Bombe: US-Geheimdienste sehen unter Mojtaba Khamenei eine neue nukleare Entschlossenheit
Der neue Oberste Führer des Iran strebt nach Einschätzung amerikanischer Geheimdienste deutlich entschlossener nach Atomwaffen als sein Vater. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Personen, die mit den Lagebeurteilungen vertraut sind; Ynet, Jerusalem Post und Times of Israel griffen den Bericht auf. Öffentlich hat Mojtaba Khamenei nie den Bau von Atomwaffen gefordert. Doch anders als sein Vater teile er dessen Zurückhaltung nicht, heißt es in der Analyse, und mit ihm ein hartes Lager, das in den vergangenen Monaten an Einfluss gewonnen habe.
Die Fatwa des Vaters, der Ehrgeiz des Sohnes
Ali Khamenei hatte in den 1990er Jahren eine religiöse Rechtsentscheidung gegen Atomwaffen erlassen. Westliche Dienste hielten seine Zurückhaltung überwiegend für echt, auch wenn Israel stets argumentierte, Teheran habe sich der Waffenfähigkeit schrittweise genähert. Genau diese Einschätzung führte zum Krieg. Nun kehrt sich das Bild: Nach amerikanischer Lesart sehen jene Kräfte im Regime, die eine Bombe wollen, ihre Position gestärkt. Ihr Argument gegenüber der Führung lautet, nur Atomwaffen könnten die Islamische Republik vor künftigen Angriffen schützen.
Aufschlussreich ist die Zielsetzung, die Mojtaba zugeschrieben wird. Gegen Ende der Biden-Regierung kursierten Berichte, der Iran strebe eine Art nukleares Faustpfand an, schwer auf eine Rakete zu montieren, aber immerhin abschreckend. Der Sohn sehe darin wenig Wert, so das Lagebild. Er wolle mehr: einen Sprengkopf, raketentauglich, miniaturisierbar, einsetzbar über große Distanz.
Wichtig ist eine Einschränkung, die die amerikanischen Beamten selbst betonen und die auch Israel National News hervorhebt: Der Großteil dieser Erkenntnisse stammt aus der Zeit vor dem Krieg, aus dem, was Mojtaba damals sagte und was über ihn zu hören war. Seit dem israelischen Angriff auf das Anwesen seines Vaters am 28. Februar, bei dem er selbst verwundet wurde, ist er weder öffentlich aufgetreten noch hat er gesprochen.
Zentrifugen im Berg, Bodentruppen zum Schutz
Konkreter als jede Geheimdienstprognose ist ein Befund, den das Wall Street Journal meldet: Der Iran habe Zentrifugen im befestigten Untergrundkomplex „Pickaxe Mountain“ zusammengezogen, nach israelischen Erkenntnissen mehrere Tausend. Die Logik dahinter liegt auf der Hand. Nach den Bombardierungen von Fordow prüfte Teheran, wie tief amerikanische Bomben eindringen können, und wählte den Ort entsprechend tief. US-Geheimdienste warnen, der Iran habe Bodentruppen dorthin verlegt, aus Sorge vor einer möglichen Kommandooperation. Die Internationale Atomenergiebehörde hat die Anlage nie betreten dürfen.
Trump im „Rachemodus“, und dann eine stille Nacht
All das fällt in einen aufgeladenen Moment. Präsident Trump berief am Freitagabend hochrangige Regierungsvertreter ein, um über eine Ausweitung der Kampagne zu beraten. Die New York Times weist auf den naheliegenden Zusammenhang hin: Die Schlussfolgerung, der Oberste Führer sei offen für die Bombe, liefert eine zusätzliche Begründung für Eskalation.
Wie es um Trumps Geduld steht, beschreibt das Wall Street Journal unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsvertreter drastisch: Der Präsident zweifle an der Diplomatie und befinde sich im „Rachemodus“. Bei einem Treffen im Weißen Haus habe er iranische Spitzenvertreter als „Abschaum“ und „verrückt“ bezeichnet. Frustrierend sei für ihn, dass eine Konfrontation, die er binnen Wochen beendet glaubte, ohne Ergebnis andauert. Aus seinem Umfeld heißt es, manche Berater fürchteten die innenpolitischen Kosten: höhere Preise, fallende Umfragewerte, gefallene amerikanische Soldaten, und im Herbst die Zwischenwahlen, deren Ausgang für die Republikaner ohnehin unsicher ist.
Umso auffälliger ist, was in der vergangenen Nacht ausblieb. Nach 13 Nächten in Folge, in denen das Zentralkommando jede Angriffswelle öffentlich vermeldete, kam am Freitag keine solche Mitteilung. Ob die Pause auf einer Entscheidung beruht oder nur die Kommunikation aussetzte, ist offen; eine offizielle Erklärung steht aus. Vor der Kulisse eines Präsidenten, der öffentlich über einen „massiven Angriff“ nachdenkt, lässt sich die Stille in beide Richtungen deuten: als Atempause vor einer Entscheidung, oder als Zeichen, dass hinter den Kulissen wieder gesprochen wird.
Zeitgleich wurde bekannt, dass Ministerpräsident Netanyahu doch in die USA reist, zur Trauerfeier für Senator Lindsey Graham und zu einem Treffen mit Trump. Noch am Donnerstag hatte es geheißen, die Vorbereitungen für den Flug seien mangels Termin ausgesetzt worden.
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