Der Berg, der den Westen seit Jahren beunruhigt: Was über Irans „Pickaxe Mountain“ bekannt ist
US-Präsident Donald Trump hat ihm öffentlich einen „schönen, großen, fetten Schlag direkt vor die Haustür“ angedroht. Doch was ist das eigentlich für ein Ort, dieser „Pickaxe Mountain“, der plötzlich im Zentrum der Eskalation steht? Die kurze Antwort: die vielleicht bestgehütete Blackbox des iranischen Atomprogramms. Israelische und internationale Medien tragen zusammen, was bekannt ist, und vor allem, was nicht.
Tiefer als Fordow, härter als jede Bombe?
Der Berg trägt auf Persisch den Namen Kuh-e Kolang Gaz La, übersetzt etwa „Spitzhacken-Berg“. Er liegt in der Provinz Isfahan, nur anderthalb Kilometer südlich der Anreicherungsanlage Natanz, dem einstigen Herzstück des iranischen Programms. In seinem Inneren treibt der Iran seit etwa 2020 zwei Tunnelkomplexe in den Granit, nach Schätzungen bis zu 600 Meter tief. Zum Vergleich: Selbst die Anlage in Fordow, gegen die die USA im Vorjahr ihre schwersten bunkerbrechenden Bomben einsetzten, liegt weniger tief. Fachleute bezweifeln, dass die Waffe den Kern des Komplexes überhaupt erreichen könnte. Trumps Formulierung vom Schlag „vor die Haustür“ dürfte kein Zufall sein: Erreichbar sind vor allem die Eingänge.
Der Baubeginn hat eine Vorgeschichte. Im Juli 2020 zerstörte eine Israel zugeschriebene Sabotageaktion die Zentrifugen-Montagehalle in Natanz. Danach begann der Iran, den Ersatz in den Berg zu verlegen, unerreichbar, wie Teheran hoffte.
Die Anlage, die niemand je inspiziert hat
Offiziell erklärt der Iran seit 2021, im Berg entstehe eine Fabrik zur Produktion und Montage von Zentrifugen. Westliche Geheimdienste hegen einen weitergehenden Verdacht: eine nicht deklarierte Anreicherungsanlage. Überprüfen lässt sich beides nicht. Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde haben den Berg nie betreten, Teheran hat ihn nie als Nuklearanlage deklariert und setzte 2021 das Zusatzprotokoll aus, das weitergehende Kontrollen erlaubt hätte.
Angegriffen wurde die Anlage bislang nie, weder im Krieg von 2025 noch in der aktuellen Konfrontation. Die gängige Erklärung: Sie war nicht fertig, und es fehlte schlicht an Wissen über das Innere. Genau das macht sie jetzt so brisant. Während Natanz, Fordow und Isfahan schwer beschädigt und ihre Tunnel verschüttet sind, zeigen Satellitenbilder vom späten Juni am Pickaxe Mountain das Gegenteil: Fahrzeugverkehr an den westlichen Tunneleingängen, laufende Arbeiten, verstärkte Portale. Das Institute for Science and International Security wertet jede Bautätigkeit dort als Verstoß gegen das Memorandum, das den nuklearen Status quo einfriert.
Trump verwies auf die Überwachung aus dem All: Man habe „viele Augen“ auf dem Berg, auch dank der Space Force. Die Frage, die niemand beantworten kann, bleibt trotzdem dieselbe: Was geschieht 600 Meter unter dem Granit? Solange sie offen ist, bleibt der Berg, was er seit Jahren ist: Irans letzter nuklearer Trumpf, und das nächste mögliche Ziel.
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