„Bündnis der Freunde“: 80 Israelis fliegen ins Erdbebengebiet nach Kolumbien
Am Donnerstagabend hob vom Luftwaffenstützpunkt Nevatim eine israelische Delegation ab, die den Namen „Bündnis der Freunde“ trägt. 80 Menschen, darunter Vertreter der IDF, des Verteidigungsministeriums und des Außenministeriums, aktive Soldaten und Reservisten. Ihr Auftrag beginnt unmittelbar nach der Landung in Kolumbien.
Geleitet wird die Delegation von Brigadegeneral der Reserve Yossi Pinto, Kommandeur der nationalen Such- und Rettungseinheit des Heimatfrontkommandos. Generalmajor Shai Klapper vom Heimatfrontkommando benannte das vorrangige Ziel: unmittelbare lebensrettende Hilfe durch die Kartierung der Zerstörungsorte.
Was in Kolumbien geschehen ist
Am 10. August erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,4 den Westen des Landes. Das Epizentrum lag bei San José del Palmar im Departement Chocó, rund 240 Kilometer westlich von Bogotá. Betroffen sind unter anderem Cali, Pereira, Quibdó und Manizales, dazu die berühmte Kaffeeregion, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.
Die Bilanz wächst täglich. Am Donnerstag sprach Präsident Abelardo de la Espriella von 281 Toten, 3.971 Verletzten und 379 Vermissten. Über 12.000 Häuser wurden zerstört, mehr als 74.000 beschädigt, über 170 Gebäude stürzten ein. Beschädigt sind mehr als 200 Straßen, 20 Brücken, fünf Flughäfen und 44 Wasserleitungssysteme. Besonders schwierig ist die Lage in Chocó, einer abgelegenen Region, die teils nur per Boot oder Flugzeug erreichbar ist.
Die diplomatische Wendung
Hier wird die Sache interessant. De la Espriella war vier Tage vor dem Beben vereidigt worden. Sein Vorgänger Gustavo Petro fuhr einen ausgeprägt israelfeindlichen Kurs: Er setzte Waffenkäufe bei israelischen Herstellern aus, bezeichnete Israels Vorgehen in Gaza als Völkermord und brach 2024 die diplomatischen Beziehungen ab.
Die neue Regierung schlug binnen einer Woche den entgegengesetzten Kurs ein. Sie arbeitet an der Wiederaufnahme der Beziehungen, kündigte an, die kolumbianische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, und erkannte die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet an. Die Bitte um israelische Hilfe kam von de la Espriella persönlich, Ministerpräsident Netanyahu sagte am Mittwochabend zu.
Der Präzedenzfall Venezuela
Aufschlussreich ist, dass Israel solche Einsätze auch dort durchführt, wo keine diplomatische Wärme vorausgeht. Nach den beiden Erdbeben in Venezuela im Juni, bei denen über 6.000 Menschen starben, entsandte Israel eine Delegation, ebenfalls unter Leitung von Yossi Pinto. Zwischen beiden Ländern bestanden seit 2009 keine offiziellen Beziehungen mehr, Nicolás Maduro hatte sie abgebrochen.
Das Ergebnis war unerwartet: Beide Staaten nahmen konsularische Beziehungen wieder auf. Venezuelas Außenminister Félix Plasencia nannte ausdrücklich die israelische Nothilfe als Grund. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es: „Beide Regierungen erkennen die Bedeutung der Beziehung zwischen dem Staat Israel und der jüdischen Gemeinschaft in Venezuela an, die eine wichtige historische Brücke der Freundschaft zwischen beiden Ländern darstellt.“
Ob es in Kolumbien ähnlich läuft, wird sich zeigen. Der Unterschied zu Venezuela liegt darin, dass die Annäherung diesmal vor der Katastrophe begann.
Was in beiden Fällen gleich bleibt: Eine 80-köpfige Mannschaft aus einem Land, das seit fast drei Jahren selbst im Krieg steht, fliegt über den Atlantik, um Menschen aus Trümmern zu holen.
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