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28 Jul 2026

23 Millionen oder 40 Milliarden? Die Rechnung, die zeigt, was Teheran wirklich will

Oman hat einen Vorschlag vorgelegt, der den Krieg um die Straße von Hormus beenden könnte, und er trägt die Unterstützung der Golfstaaten. Der Kern: ein gemeinsamer regionaler Mechanismus zur Verwaltung der Meerenge, bei dem der Iran keine alleinige Kontrolle ausübt, Schiffe aber freiwillige Gebühren entrichten können. Vorbild ist die Straße von Malakka, wo Indonesien, Malaysia und Singapur Reedereien um Beiträge für Navigation, Umweltschutz und Seenotrettung bitten. Das berichtet Reuters unter Berufung auf eine Quelle aus der Golfregion.

Klingt nach einem vernünftigen Kompromiss. Doch dahinter steht eine Frage, die sich Israel und der Westen stellen sollten: Bekommt Teheran am Ende genau das, wofür es fünf Monate Krieg geführt hat?

Was vorher galt, und was jetzt verhandelt wird

Vor dem 28. Februar galt in der Straße von Hormus das Recht der freien Durchfahrt. Schiffe passierten ohne Gebühren und ohne Genehmigung. Dann schloss der Iran die Meerenge für alles, was nicht unter eigener Flagge fuhr, beschoss Tanker und tötete Seeleute. Heute verhandelt die Welt nicht mehr darüber, ob der Iran ein Mitspracherecht bekommt, sondern nur noch darüber, wie es ausgestaltet wird. Allein diese Verschiebung ist ein Gewinn für Teheran.

Angelegt war sie schon im Memorandum vom Juni. Darin wurde vereinbart, dass Schiffe die Meerenge 60 Tage lang frei passieren dürfen und die Verwaltung danach „von Iran und Oman in Gesprächen mit weiteren Golfstaaten zu definieren“ sei. Wer diesen Satz unterschreibt, hat die Grundsatzfrage bereits beantwortet.

Die Zahlen, die alles verraten

Wie weit die Vorstellungen auseinanderliegen, zeigt ein Vergleich, den man sich merken sollte. Der Navigationsfonds der Straße von Malakka, das offiziell genannte Vorbild, hat in fünfzehn Jahren insgesamt rund 23 Millionen Dollar eingesammelt. Der Iran hält bei Hormus ein Gebührensystem für möglich, das bis zu 40 Milliarden Dollar bringt, und zwar pro Jahr. Wer sich auf dasselbe Modell beruft, meint offensichtlich nicht dasselbe.

Ähnlich verhält es sich mit dem entscheidenden Wörtchen „freiwillig“. Omans Außenminister Badr Albusaidi betont, sein Land lehne Zwangsgebühren ab, gerade um den Grundsatz der freien Durchfahrt zu wahren. Teheran sieht das anders. Der stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte öffentlich, Schiffe müssten zahlen. Das iranische Parlament verabschiedete ein Gesetz, das Gebühren in Rial vorschreibt, die Überwachung des Schiffsverkehrs verschärft und Schiffen aus Staaten die Durchfahrt verbieten will, die Sanktionen gegen den Iran verhängt haben, darunter die USA und Israel. Wie freiwillig eine Zahlung bleibt, hängt am Ende davon ab, was dem droht, der nicht zahlt.

Warum Washington aufgehört hat

Wichtig ist der Grund für die amerikanische Feuerpause. Trump beendete die Kampagne, nachdem seine Militärs ihm mitgeteilt hatten, die Strategie sei ausgereizt. Dazu kamen schwindende Bestände an Abfangraketen. Dreizehn Nächte Bombardement zerstörten Brücken, Tunnel und Militäranlagen und töteten in Iran zahlreiche Menschen. Der Iran wiederum tötete bei Angriffen auf US-Basen vier amerikanische Soldaten und traf zivile Infrastruktur in den Golfstaaten. Kapituliert hat niemand. Teheran bestreitet sogar, um neue Gespräche gebeten zu haben.

Der Ölpreis quittierte die Pause mit einem Absturz um acht Prozent. Das zeigt, wie viel wirtschaftlicher Druck hinter dem Wunsch nach einer Lösung steht, und wie attraktiv jede Regelung ist, die die Tanker wieder fahren lässt. Genau darin liegt die Versuchung.

Was auf der Strecke zu bleiben droht

Für Israel wiegt ein anderer Punkt schwerer als jede Gebühr. Das Memorandum vom Juni sah vor, die großen Streitfragen bis Ende August zu klären, einschließlich des Nuklearprogramms. Über Hormus wird verhandelt. Über die Zentrifugen, die der Iran nach Erkenntnissen amerikanischer und israelischer Dienste in den befestigten Untergrundkomplex „Pickaxe Mountain“ verlegt hat, verhandelt niemand sichtbar. Israel war am ersten Bombardement beteiligt, sitzt bei den anschließenden Gesprächen aber nicht am Tisch. Das Verhältnis zwischen Trump und Ministerpräsident Netanyahu gilt als angespannt, Washington bremst Jerusalem zugleich bei Aktionen gegen die Hisbollah im Libanon, um die Diplomatie mit Teheran nicht zu stören. Am Dienstag treffen sich beide im Weißen Haus.

Fair ist auch die Gegenrechnung: Der Iran wollte die alleinige Herrschaft über die Meerenge, und genau die verweigert ihm der omanische Vorschlag. Seine Wirtschaft liegt am Boden, die Häfen sind blockiert, die Ölausfuhr gedrosselt, die militärische Infrastruktur im Süden schwer beschädigt. Gemessen an seinen Maximalforderungen ist das Angebot eine Niederlage.

Gemessen am Zustand vor dem Krieg ist es etwas anderes. Da hatte der Iran an dieser Wasserstraße nichts zu melden. Wer heute über die Höhe von Gebühren spricht, hat das Prinzip bereits eingeräumt. Frieden ist am Golf käuflich. Die Frage ist, was er kostet, und wer die Rechnung später bezahlt.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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