Wenn der Himmel über Galiläa plötzlich voller Vögel ist

Störche über Galiläa. Herbst Israel
Störche über Galiläa. Herbst Israel

Störche im Herbst über Galiläa, Israel

Störche, Pelikane, Greifvögel und bald auch Zehntausende Kraniche: Im Hula-Tal im Norden Israels beginnt gerade eines der eindrucksvollsten Naturschauspiele des Landes. Millionen Zugvögel sind auf ihrem Weg von Europa und Asien nach Afrika unterwegs, und Israel liegt mitten auf ihrer Route.

Wer in diesen Tagen morgens durch das Hula-Tal fährt, sollte öfter einmal nach oben schauen. Manchmal sind es nur wenige Vögel, die hoch über den Feldern kreisen, wenig später kann plötzlich ein ganzer Schwarm am Himmel auftauchen. Störche ziehen in großen Formationen Richtung Süden, Pelikane suchen nach einem Rastplatz, und Greifvögel nutzen die warme aufsteigende Luft, um mit möglichst wenig Energie weiterzufliegen. Der Herbst ist im Norden Israels angekommen, auch wenn sich die Temperaturen noch nicht unbedingt danach anfühlen.

Israel liegt mitten auf ihrer Flugroute

Für Zugvögel hat Israel eine außergewöhnliche geografische Lage. Zwischen Mittelmeer und Wüste bildet das Land eine schmale natürliche Brücke zwischen Europa, Asien und Afrika. Nach Schätzungen von Naturschutzorganisationen überqueren jedes Jahr mehrere hundert Millionen Vögel Israel, einmal auf dem Weg nach Süden und im Frühjahr wieder zurück in ihre Brutgebiete. Viele große Vogelarten meiden lange Strecken über das offene Meer und folgen deshalb den Landmassen über den Nahen Osten.

Genau hier wird das Hula-Tal besonders wichtig. Das wasserreiche Tal zwischen den Golanhöhen und den Bergen Galiläas bietet Nahrung, Wasser und sichere Rastplätze. Für einen Vogel, der bereits Hunderte oder Tausende Kilometer hinter sich hat, kann ein solcher Zwischenstopp entscheidend sein.

Jetzt kommen Störche und Pelikane

Nicht alle Arten treffen gleichzeitig ein. Störche gehören zu den frühen Herbstreisenden und ziehen bereits seit August und September durch Israel. Im September und Oktober folgen große Gruppen von Pelikanen, gleichzeitig lassen sich viele Greifvögel beobachten, deren Herbstzug bis in den November hineinreicht. Dazu kommen Reiher, Enten, Watvögel, Singvögel, Löffler und gelegentlich sogar Flamingos.

Und dann sind da die Vögel, für die das Hula-Tal inzwischen besonders bekannt ist: die Kraniche. Ihre große Zeit beginnt im Oktober. Während ein Teil weiter nach Afrika zieht, bleiben viele über Monate im Hula-Tal und verbringen hier den Winter. Spätestens im November versammeln sich große Schwärme, und wer das Tal nur aus dem Sommer kennt, erlebt dann eine völlig andere Landschaft.

Ein Tal, das beinahe verschwunden wäre

Dass die Vögel heute hier rasten können, ist keineswegs selbstverständlich. In den 1950er-Jahren wurde ein großer Teil des historischen Hula-Sees und der umliegenden Sümpfe trockengelegt, um landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen und die Malaria einzudämmen. Später zeigte sich, welche ökologischen Folgen das hatte.

Ein kleiner Teil der ursprünglichen Feuchtlandschaft blieb erhalten und wurde 1964 als Hula-Naturreservat zum ersten Naturschutzgebiet Israels. In den 1990er-Jahren wurden weitere Flächen wieder vernässt, so entstand der Agamon Hula. Heute gehören beide zu den wichtigsten Feuchtgebieten des Landes. Aus einem Gebiet, das einst verschwinden sollte, ist wieder ein international bedeutender Rastplatz für Zugvögel geworden.

Früh aufstehen lohnt sich

Besonders eindrucksvoll ist das Hula-Tal am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang. Dann verlassen die Vögel ihre Schlafplätze oder kehren zu ihnen zurück. Über den Wasserflächen liegen oft noch Nebelschleier, während über den Feldern bereits die ersten Schwärme kreisen. Derzeit werden wieder geführte Vogelbeobachtungen angeboten. Ein Fernglas lohnt sich, denn manche Bereiche lassen sich aus Rücksicht auf die Tiere oder aus Sicherheitsgründen nur aus größerer Entfernung beobachten.

Doch selbst ohne besondere Ausrüstung ist das Schauspiel kaum zu übersehen. Manchmal genügt es, auf einer Straße im Norden Israels kurz stehenzubleiben und in den Himmel zu schauen. Dort ziehen Vögel vorbei, die vor wenigen Wochen vielleicht noch in Osteuropa oder Asien unterwegs waren und deren Reise erst Tausende Kilometer weiter südlich endet. Für sie ist Israel kein Endpunkt, sondern eine lebenswichtige Pause auf einer der längsten Reisen der Natur.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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