Thema: Heute vor zwei Jahren — 181 Raketen und kaum ein Aufschrei

Rückblick. Heute vor 2 Jahren. Raketen und Alarm
Rückblick. Heute vor 2 Jahren griff der Iran Israel an. Raketen und Alarm

Raketen am Abend des 01. Oktobers 2024

Ein Rückblick auf den 1. Oktober 2024

Am Abend des 1. Oktober 2024 feuerte der Iran rund 200 ballistische Raketen auf Israel ab. Das Center for Israel Education stufte den Angriff damals als die größte ballistische Raketensalve der Geschichte ein. Wenige Minuten zuvor hatten Terroristen in Jaffa sieben Menschen ermordet. Zwei Jahre später erinnert in Europa kaum jemand an diesen Abend.

Terror an der Stadtbahn

Gegen 19 Uhr griffen zwei Palästinenser aus Hebron an der Station Ehrlich in Jaffa an. Einer trug ein Gewehr, der andere ein Messer. Sie schossen auch in einen vollbesetzten Waggon der Stadtbahn, der an der Station hielt. Ein Sicherheitsmann der Stadtbahn, Beamte einer städtischen Sondereinheit und Polizisten töteten beide Täter. Die Hamas bekannte sich am nächsten Tag zu dem Anschlag.

Sieben Menschen starben, 16 wurden verletzt. Unter den Toten waren die 30-jährige Tänzerin Shahar Goldman, die 24-jährige Informatikstudentin Revital Bronstein und Nadia Sokolenko, die vor rund 20 Jahren aus Moldau eingewandert war. Die 33-jährige Inbar Segev-Vigder schützte ihr neun Monate altes Baby mit ihrem Körper. Das Kind überlebte unverletzt. Auch der 42-jährige Georgier Ilia Nozadze und ein griechischer Staatsbürger aus Jerusalem kamen ums Leben.

181 Raketen in einer Stunde

Der Tag stand von Beginn an unter Hochspannung. In der Nacht hatte Israel begrenzte Bodeneinsätze gegen die Hisbollah im Libanon angekündigt. Am Nachmittag warnte Washington, der Iran bereite einen unmittelbar bevorstehenden Angriff mit ballistischen Raketen vor. Die Behörden wiesen die Menschen im Großraum Tel Aviv an, in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben.

Während in Jaffa Rettungskräfte die Verletzten versorgten, heulten im ganzen Land die Sirenen. Um 19:39 Uhr starteten die ersten Raketen aus dem Iran. Die IDF schickte die gesamte Bevölkerung in die Schutzräume. Laut Jerusalem Post lösten die Raketen landesweit rund 1.800 Alarme aus. Der IDF-Sprecher nannte 181 abgefeuerte Raketen. Nach etwa einer Stunde gab das Militär Entwarnung.

Teheran taufte den Angriff „Operation Wahres Versprechen II“. Die Revolutionsgarden setzten ballistische Raketen der Typen Fattah-1 und Kheibar Shekan ein. Als Begründung nannte der Iran die Tötung von Hamas-Chef Ismail Haniyeh, Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und IRGC-General Abbas Nilforoushan.

Die Einschläge

Die israelische Luftabwehr fing gemeinsam mit der US-Marine und Jordanien den Großteil der Raketen ab. Auf das Gelände der Luftwaffenbasis Nevatim im Negev fielen dennoch 20 bis 32 Raketen. Sie beschädigten einen Hangar und eine Rollbahn. Analysten vermuteten, Israel habe Nevatim bewusst weniger geschützt, weil die Reparatur eines Hangars billiger sei als eine Arrow-Abfangrakete. Weitere Raketen trafen die Basis Tel Nof und das Gebiet um das Mossad-Hauptquartier nördlich von Tel Aviv. Rund 100 Häuser wurden beschädigt. Israelische Medien durften die genauen Einschlagsorte nicht veröffentlichen.

Ein Israeli starb an einem schockbedingten Herzinfarkt. In Jericho erschlug ein großes Trümmerteil einer abgefangenen Rakete einen Mann aus Gaza.

Das Wunder von Gedera

In Gedera traf eine Rakete eine Chabad-Schule mit 400 Schülern. Sie hinterließ einen Krater und schwere Schäden. Der Schulleiter sagte, wenige Stunden zuvor hätten dort Hunderte Kinder für Rosch Haschana gelernt. Rabbiner Eliyahu Krichevsky, Leiter des Schulnetzwerks, sprach gegenüber Kanal 7 von einem „riesigen Wunder“. Am folgenden Abend begann das jüdische Neujahrsfest.

Deutliche Worte, späte Worte

Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den Angriff noch am Abend auf X und warf dem Iran vor, die Region an den Abgrund zu führen. Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich erst mehr als zwölf Stunden später. Er forderte, der Iran und die Hisbollah müssten ihre Angriffe auf Israel sofort einstellen, und warnte vor einem Flächenbrand im Nahen Osten. Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter forderte, den Druck auf den Iran zu erhöhen und Israel mit allen Mitteln zu unterstützen. In Berlin-Wedding jubelten dagegen Teilnehmer einer propalästinensischen Kundgebung nach dem Angriff.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte am Abend ein Schweigen der Waffen, nannte aber weder den Iran noch Israel beim Namen. Außenminister Israel Katz erklärte ihn daraufhin zur unerwünschten Person. In Frankreich gab der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon Israel die alleinige Schuld. Klare Worte fand Österreichs Kanzler Karl Nehammer. Er wies einen Beitrag der iranischen Botschaft in Wien zurück, der die Solidarität Österreichs mit Israel infrage stellte. In Beirut jubelten Menschen auf den Straßen.

Vom Signal zum offenen Angriff

Der 1. Oktober war nicht der erste Angriff. In der Nacht zum 14. April 2024 hatte der Iran Israel zum ersten Mal direkt angegriffen, als Vergeltung für einen Israel zugeschriebenen Luftangriff auf das iranische Botschaftsgelände in Damaskus. Rund 120 ballistische Raketen, 170 Drohnen und Dutzende Marschflugkörper flogen auf Israel zu. Eine Koalition aus Israel, den USA, Großbritannien, Frankreich und Jordanien fing fast alle ab. Die Drohnen waren Stunden unterwegs, und Israel hatte Zeit zur Vorbereitung. Viele Beobachter werteten den Angriff als dosiertes Signal.

Im Oktober setzte der Iran fast ausschließlich auf ballistische Raketen, die Israel binnen Minuten erreichen. Zum ersten Mal zeigte das Regime, wozu sein Arsenal fähig ist, wenn es die Luftabwehr gezielt überlasten will.

Ministerpräsident Netanyahu erklärte noch in der Nacht, der Iran habe einen großen Fehler begangen und werde dafür bezahlen. Am 26. Oktober 2024 griff Israel Luftabwehr und Raketenfabriken im Iran an.

Der Auftakt einer neuen Phase

Rückblickend war der 1. Oktober 2024 ein Auftakt. Am 13. Juni 2025 griff Israel militärische Ziele im Iran an. Im folgenden Zwölf-Tage-Krieg feuerte der Iran mehr als 550 ballistische Raketen auf Israel ab. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums fing die Luftabwehr 86 Prozent davon ab. 28 Menschen in Israel starben.

Am 28. Februar 2026 begann der nächste Krieg. Die USA und Israel griffen den Iran gemeinsam an. Bei den ersten Angriffen wurde Revolutionsführer Ali Khamenei getötet, am 8. März folgte ihm sein Sohn Mojtaba. Bis zur Waffenruhe im April schoss der Iran rund 650 ballistische Raketen auf Israel, etwa die Hälfte davon mit Streumunition. In Israel starben 31 Menschen, 20 Zivilisten und 11 Soldaten. Mehr als 7.500 Verletzte wurden in Krankenhäusern behandelt. Die von Pakistan vermittelte Waffenruhe trat am 8. April in Kraft. Sie blieb brüchig: Anfang Juni beschossen sich Israel und der Iran erneut.

Am 1. Oktober 2024 zeigte der Iran zum ersten Mal, was sein Raketenarsenal anrichten kann. Die Kriege von 2025 und 2026 haben bewiesen, dass dieser Abend erst der Anfang war.

Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
Wenn du das schätzt, kannst du unsere Arbeit direkt unterstützen.
Einfach und sicher per via PayPal

Weitere Artikel