Vierte Angriffswelle binnen einer Woche: Um Hormus tobt ein Abnutzungskrieg, Israel bleibt vorerst draußen aber bereitet sich vor.
Der Kampf um die Straße von Hormus hat sich zu einem Abnutzungskrieg entwickelt. In der Nacht zum Montag flogen die US-Streitkräfte ihre vierte Angriffswelle binnen einer Woche gegen Ziele im Iran. Das Zentralkommando meldete Dutzende getroffene Ziele: Luftabwehrsysteme, Küstenradare, Raketen- und Drohnenstellungen sowie Schnellboote. Präsident Donald Trump habe die Schläge angeordnet, um „die iranischen Kräfte zur Rechenschaft zu ziehen“. Der Auslöser folgte demselben Muster wie die Nächte zuvor: Eine Stunde vor Beginn der Operation hatten die Revolutionsgarden erneut ein Handelsschiff beschossen.
Die iranische Antwort folgte noch in derselben Nacht. Teheran meldete Angriffe auf die Luftwaffenbasis Prinz Hassan in Jordanien, auf Sheikh Isa in Bahrain sowie auf Ali Al Salem und Ahmad al-Jaber in Kuwait. Jordaniens Armee fing am Montag vier Raketen ab, in Bahrain heulten die Sirenen. Die Revolutionsgarden behaupten, auf der jordanischen Basis ein Kommandozentrum und Hangars für MQ-9-Drohnen zerstört zu haben. Washington bestätigt das nicht. Eine iranische Meldung über drei getötete US-Soldaten in Kuwait wies das Zentralkommando zurück: Alle Soldaten seien wohlauf.
Der Kern des Streits: Wer bestimmt die Route?
Hinter dem Dauerfeuer steht eine schlichte Machtfrage. Washington geleitet Handelsschiffe über die Südroute nahe Oman, außerhalb der iranischen Reichweite. Teheran will die Schiffe auf die Nordroute durch die eigenen Hoheitsgewässer zwingen, wo es Gebühren verlangen könnte. Einige Schiffe sollen die Passage nahe der iranischen Küste nur gegen hohe Zahlungen sicher durchfahren haben. Die Bilanz der Woche: über 310 amerikanische Schläge, die Meerenge von Teheran für „geschlossen“ erklärt, von CENTCOM für offen: „Der Iran kontrolliert die Straße nicht. Der Verkehr fließt.“
Die Märkte glauben das nur halb. Der Brent-Ölpreis stieg am Montag um mehr als drei Prozent auf 78,50 Dollar. Irans Außenministerium warf den USA vor, nur 25 Tage nach Unterzeichnung des Memorandums fast alle seine Bestimmungen verletzt und „entsetzliche Kriegsverbrechen“ begangen zu haben, und rief den UN-Sicherheitsrat an.
„Noch sind wir draußen“
Und Israel? Ein israelischer Regierungsvertreter fasste die Lage gegenüber Ynet in einem Satz zusammen: „Im Moment sind wir draußen, aber das kann sich ändern.“ Die Einschätzung in Jerusalem: Der Iran wolle Israel nicht direkt angreifen, aus Furcht, damit hochintensive Kämpfe mit der IDF auszulösen und die Eskalation vollends außer Kontrolle geraten zu lassen. Israel werde eingreifen, wenn Washington darum bitte, oder wenn Teheran israelisches Gebiet attackiere. Bis dahin gilt: beobachten und bereit sein.
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