USA verlängern Militärpräsenz, Israel fürchtet die Hisbollah-Karte

Während sich die Konfrontation zwischen den USA und dem Iran in der Nacht auf Donnerstag mit einem von Kuwait abgewehrten Raketen- und Drohnenangriff fortsetzte, zeichnen zwei parallele Entwicklungen ein widersprüchliches Bild der amerikanischen Strategie: Verteidigungsminister Pete Hegseth hat laut einem Bericht des Wall Street Journal die Dauer des amerikanischen Militäreinsatzes im Nahen Osten verlängert, die Truppen sollen demnach bis weit ins kommende Jahr in der Region bleiben. Gleichzeitig soll Präsident Trump selbst mit hochrangigen Beratern darüber diskutieren, den Krieg einseitig für beendet zu erklären und stattdessen weiter auf wirtschaftlichen Druck zu setzen.

Betroffen von der verlängerten Truppenpräsenz sind nach dem Bericht rund 20 Kriegsschiffe, mehrere Kampfjet-Staffeln, Fallschirmjägereinheiten und Luftabwehrsysteme. Die Verlängerung soll Trump nach Angaben aus dem Pentagon maximale Handlungsfreiheit sichern. Amerikanischen Quellen zufolge, die mit dem Wall Street Journal sprachen, unterstützt Trump selbst die Idee eines einseitigen Kriegsendes und äußerte gegenüber Mitarbeitern die Überzeugung, anhaltender wirtschaftlicher Druck werde das Regime am Ende zwingen, sein Atomprogramm aufzugeben, oder es werde kollabieren.

Pentagon schränkt Zugang zu internen Dokumenten ein

Parallel dazu berichtete die Washington Post, das Pentagon habe den Zugang zu vertraulichen Informationen in einem internen System eingeschränkt, das Sicherheitsvertretern und Soldaten dient, und dabei über Jahrzehnte angesammelte Dokumente aus dem System entfernt. Betroffen ist unter anderem das zweimal monatlich erscheinende „Befehlsbuch des Verteidigungsministers“ (in einem früheren Bericht auf dieser Seite als „Truppenverteilungsplan“ bezeichnet, es handelt sich um dasselbe Dokument), das Angaben zu Standort und Verfügbarkeit amerikanischer Schiffe, Einheiten, Waffensysteme und weiterer Ressourcen enthält. Das Buch erfüllt zugleich eine zweite Funktion: Über ein als „Non-Concur“ bezeichnetes Verfahren können hochrangige Offiziere ihre Vorbehalte gegen Entscheidungen von Präsident und Verteidigungsminister dokumentieren, selbst wenn sie die erteilten Befehle weiterhin ausführen.

Genau diese Vorbehalte standen im Zentrum eines Washington-Post-Berichts vom vergangenen Sonntag, wie berichtet: Mehrere hochrangige Militärs hatten Hegseth gewarnt, die Fortsetzung des Kriegs gegen den Iran sei auf Dauer nicht tragbar und schwäche die Fähigkeit der Streitkräfte, andere Aufgaben zu bewältigen, einschließlich der Verteidigung der USA selbst. Zu den Kritikern zählten die Chefs von Marine und Luftwaffe sowie die Kommandeure des Indopazifik-, des Süd- und des Nordkommandos. Amerikanische Vertreter äußerten demnach wachsende Sorge über die langfristigen Folgen des Kriegs, darunter den Verbrauch schrumpfender Munitionsbestände wie Patriot-Abfangraketen und Tomahawk-Marschflugkörper, sowie über die Belastung der Marine durch die Seeblockade gegen den Iran.

Der Zugangsbeschränkung geht eine Reihe von Maßnahmen der Trump-Regierung gegen Medienlecks voraus: Teile des Regierungspersonals mussten sich Lügendetektortests unterziehen, gegen Journalisten wurden Vorladungen erwirkt, in einem Fall wurde die Wohnung einer Journalistin der Washington Post durchsucht und ihre elektronischen Geräte beschlagnahmt. Pentagon-Sprecher Sean Parnell wollte sich nicht direkt zur Zugangsbeschränkung äußern, dementierte sie aber auch nicht: „Wie wir bereits gesagt haben, diskutiert das Kriegsministerium interne operative Prozesse nicht öffentlich.“ (Das US-Verteidigungsministerium firmiert seit einer Umbenennung durch die Trump-Regierung inoffiziell auch als „Kriegsministerium“, offizieller Name bleibt weiterhin Verteidigungsministerium.) Vorbehalte von Kommandeuren seien zudem völlig normal: „Der Minister hört sie die ganze Zeit. So führt man eine echte Armee. Wir sind weltweit in einer ausgezeichneten Verfassung.“

Israel fürchtet die Hisbollah als Umweg

Während die USA ihre Präsenz verlängern, bereitet sich Israel eigenen Angaben zufolge auf eine mögliche Eskalation über einen Umweg vor: die Hisbollah. Israelische Sicherheits- und Geheimdienstkreise gehen zunehmend davon aus, dass der durch die Wirtschaftsblockade in die Enge getriebene Iran in den kommenden Wochen eine Eskalation über seinen libanesischen Verbündeten anstoßen könnte, statt Israel direkt anzugreifen, wovor Teheran weiterhin zurückschrecke. Ziel sei es, den Alltag zu stören, die bevorstehenden Feiertage zu beeinträchtigen und die laufenden Gespräche zwischen Israel und der libanesischen Regierung zu torpedieren. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte die Hisbollah zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen gegen IDF-Stellungen am Ali-Taher-Höhenzug im Südlibanon eingesetzt, unklar ist bislang, ob es sich um eine punktuelle Reaktion auf israelischen Druck in der Region handelte oder um den Auftakt einer von Teheran koordinierten Offensive.

Sollte sich die Eskalation bestätigen, müsste Israel entscheiden, wo es seine Antwort konzentriert: allgemein gegen die Hisbollah, gezielt gegen das Beiruter Stadtviertel Dahije, wo die Organisation ihre Kommandobasis unterhält, oder sogar gegen iranische Ziele selbst, sollte sich eine direkte Steuerung durch Teheran bestätigen. Ein hochrangiger israelischer Vertreter erklärte, das Thema werde eng mit den USA abgestimmt, sowohl diplomatisch als auch militärisch, die Reaktionspalette reiche von diplomatischen Warnungen bis zu präzisen Operationen gegen die Unterstützungsinfrastruktur der Hisbollah.

Hintergrund der israelischen Einschätzung ist der wirtschaftliche Zustand des Iran, der sich einem in Israel Hayom zitierten Bewohner Teherans zufolge dramatisch zugespitzt hat: Der öffentliche Nahverkehr liegt wegen Dieselmangels weitgehend lahm, viele Menschen laufen Stunden zur Arbeit, verkaufen ihren Besitz, um Essen und Medikamente zu bezahlen, während die Kriminalität zunimmt. Selbst überzeugte Anhänger des Regimes fänden inzwischen kaum noch Argumente, sein Verhalten zu rechtfertigen, heißt es in der Schilderung, die Frage nach Atomprogramm oder Straße von Hormus interessiere kaum noch jemanden, es gehe längst nur noch ums Überleben. Bislang beschränkt der Iran seine direkten Angriffe vor allem auf Golfstaaten wie Bahrain, Jordanien und Kuwait, deren Verteidigung als schwächer gilt als die der übrigen Nachbarstaaten, wie der jüngste, in der Nacht von Kuwait abgewehrte Angriff erneut zeigte.

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