Ultraorthodoxe blockieren Straßen rund um Tel Aviv aus Protest gegen Wehrpflicht
Rund um Tel Aviv ist es am Mittwoch zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen. Hunderte ultraorthodoxe Demonstranten blockierten zentrale Straßen und Verkehrsknotenpunkte, darunter die Ganot-Kreuzung an der Route 4, den Ben-Shemen-Knoten an der Route 1 sowie den Aluf-Sade-Knoten weiter nördlich. Auf Verkehrs-Apps war zeitweise nahezu Stillstand im gesamten Großraum Tel Aviv zu erkennen.
Die Polizei hatte die Ganot-Kreuzung bereits im Vorfeld gesperrt. Kurz darauf waren dort Dutzende ultraorthodoxe Männer zu sehen, die über die verwaiste Fahrbahn liefen. Auch an anderen Orten, an denen der Verkehr zunächst noch ungehindert floss, kam es zu Blockaden.
Hintergrund der Proteste ist der anhaltende Streit um die Einberufung ultraorthodoxer Männer zum Militärdienst. Viele Haredim lehnen den Wehrdienst aus religiösen Gründen ab und betrachten das Vollzeitstudium an religiösen Bildungseinrichtungen als ihre zentrale Aufgabe.
Über Jahrzehnte hinweg erhielten zahlreiche Angehörige der Gemeinschaft Ausnahmen oder Aufschübe. Angesichts des andauernden Krieges und des steigenden Bedarfs an Soldaten wächst jedoch der politische und gesellschaftliche Druck, diese Sonderregelungen einzuschränken.
Auslöser der aktuellen Demonstrationen sind zudem Festnahmen von Männern, die sich dem Wehrdienst entzogen haben sollen. Radikale ultraorthodoxe Gruppierungen werten dies als Angriff auf ihre Lebensweise und reagieren mit Straßenblockaden sowie weiteren Protestaktionen, die das öffentliche Leben beeinträchtigen.
Die Polizei forderte Autofahrer auf, den Raum Tel Aviv nach Möglichkeit zu meiden.j Nach Angaben des Fernsehsenders Channel 12 besteht zudem die Sorge, dass Demonstranten erneut versuchen könnten, Bahnstrecken zu blockieren. Reisende zum Flughafen Ben Gurion wurden daher aufgefordert, möglichst öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, da auch dort Proteste erwartet werden.
Der Konflikt verdeutlicht erneut, wie stark die Wehrpflichtfrage die israelische Gesellschaft polarisiert.
Für viele Israelis gilt der Militärdienst als gemeinsame nationale Verpflichtung. Teile der ultraorthodoxen Gemeinschaft sehen darin hingegen eine Gefahr für ihre religiöse Identität und Lebensweise.
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