Trumps Iran-Dilemma: „Je länger die Verzögerung, desto größer der Schaden“
Ein Kommentar
Es ist Thema auf allen Nachrichtenseiten. „Je länger die Verzögerung, desto größer der Schaden“, so titelte die Israel Hayom. Wieder einmal waren alle in Alarmbereitschaft, wieder einmal wurde der Angriff abgesagt. Viele Israelis haben ihre Urlaube gestrichen, weil sie davon ausgingen, dass es losgehen könnte. Andere glaubten ihm ohnehin nicht. Zu oft sei es vorgekommen, sagen sie. Und mancher vermutet, es habe nie eine ernsthafte Absicht gegeben, einen Großangriff zu beginnen.
Donald Trump nimmt uns mit auf seine Achterbahnfahrt. Was anfangs wie ein kluger Schachzug wirkte und tatsächlich funktionierte, ist zur Belastung geworden.
Die USA, einst federführend in der Weltpolitik, sind zum Getriebenen geworden. Dort, wo sie sich stark glaubten, haben sie Schwäche offenbart. Zu viel geredet, zu wenig gehandelt, viel zu bereitwillig in die eigenen Karten schauen lassen. Und das ausgerechnet bei einem Gegner wie dem Regime in Teheran.
Teheran weiß genau, wie anfällig die USA sind: die Wirtschaft, das Öl, die Wahlen, die Unbeliebtheit solcher Themen. Die „America First“-Doktrin fliegt Trump um die Ohren. Ehemalige hochrangige Militärangehörige, Analysten und Nahostexperten sehen deshalb eine große Gefahr in dem, was gerade geschieht. Mit Hochdruck baut das iranische Militär seine Fähigkeiten wieder auf, optimiert seine Waffen und hat sich China als Lieferanten gesichert. Und das, obwohl Trump Peking massiv unter Druck gesetzt hatte, genau das zu unterlassen. Teheran weiß: Es kann volles Risiko gehen. Der Westen kann es nicht, oder er will es nicht.
Der Iran zeigt deutlich, dass er keinen Respekt mehr hat. In dieser Woche kam die Meldung, man werde auch einen Präventivschlag ausführen, falls die Diplomatie nicht zu den gewünschten Zielen führt. Kurz darauf schoss man bereits wieder eine Rakete auf ein Schiff.
Nicht nur das: Die gesamte Golfregion sieht die USA als schwach an. Deshalb lehnen sich einzelne Staaten auf und widersprechen offen dem einstigen Verbündeten, von dem sie abhängig waren.
Ob Amerika von Pakistan, Katar und der Türkei gut beraten ist, muss es sich am Ende selbst beantworten. Es sind Staaten, insbesondere Katar, die Terror finanzieren, die Israel auf ihrer Feindesliste führen und die sich über Jahre mit Milliarden Einfluss in Amerika und Europa erkauft haben.
Und dann gibt es Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, die gemeinsam mit Israel auf eine militärische Lösung drängen.
In Israel kommt man mehr und mehr zu dem Schluss, dass man neue Allianzen eingehen sollte. Bibi nannte man einst den Trump-Flüsterer. Das war einmal. Heute wirkt es so, als sei Israel das spannende und notwendige Spielzeug Trumps, der bestimmt, wann und wie er unsere Flughäfen benutzen kann.
Doch spannend ist eine andere Sache: der Blick in die Bibel. Sollte das Regime vielleicht gar nicht fallen, sondern am Ende gestärkt überleben?
In Hesekiel 38 wird Persien als Teil eines Bündnisses beschrieben, das sich gegen Israel stellt. Auf Vorträgen spreche ich darüber, und man sieht an den dort genannten Ländern, dass Bewegung aufgekommen ist.
G-tt geht Seinen Weg mit der Region, mit Israel und mit uns allen.
Benjamin Funk, Israel
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