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19 May 2026

Trumps Dilemma – Krieg oder fauler Kompromiss?

Wenn es denn so war: Der Angriff war geplant. Die Militärmaschine lief. Dann kam der Rückzieher. Trump erklärte am Montagabend, er habe einen für Dienstag geplanten Militärschlag gegen Iran abgeblasen, weil „ernsthafte Verhandlungen“ im Gange seien. Die Golfstaaten hatten ihn gebeten zu warten. Zwei bis drei Tage, vielleicht mehr. Vielleicht für immer.

Es ist nicht das erste Mal. Und genau das ist das Problem.

Seit Wochen wiederholt sich dasselbe Muster: Trump setzt Fristen, droht mit vernichtenden Schlägen und rudert dann zurück, nur um kurz darauf tatsächlich anzugreifen, wie zu Beginn des Krieges Ende Februar. Was wie Taktik aussieht, könnte in Wahrheit Ratlosigkeit sein. Denn hinter den Kulissen wächst eine Frage, auf die Washington noch keine Antwort hat: Was kommt nach dem nächsten Schlag?

Das Dilemma hat einen Namen: Teheran gibt nicht nach

Der israelische Journalist Ronen Bergman, einer der bestinformierten Kenner des iranischen Regimes, bringt es in einer aktuellen Analyse auf den Punkt: Alle drei Seiten erhöhen den Einsatz, aber keine weiß genau, was sie dafür bekommt. Iran setzt darauf, den Schmerz zu absorbieren und nicht einzuknicken. Washington glaubt, dass genug Druck irgendwann zur Kapitulation führt. Jerusalem hofft, dass das Ganze nicht in einem faulen Kompromiss endet, der Iran Zeit verschafft ohne echte Gegenleistung.

Das iranische Regime hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass es unter extremem Druck funktionsfähig bleibt. Sanktionen, Angriffe auf Militärinfrastruktur, gezielte Tötungen hochrangiger Kommandeure: Das System steht noch. In Teheran ist daraus offenbar die Überzeugung gewachsen, dass westliche Staaten schärfer drohen, als sie handeln. Und dass Trump, der große Kriege scheut, am Ende nachgibt.

Irans Präsident Masoud Pezeshkian räumte öffentlich ein, dass die Blockade das Land wirtschaftlich hart treffe. „Wir werden Inflation haben“, sagte er. „Wir kämpfen, und wir müssen die damit verbundenen Härten akzeptieren.“ Das klingt nicht nach einem Regime kurz vor dem Einlenken. Das klingt nach einem, das die Kosten einkalkuliert hat.

Die dritte Option – und warum sie Israel erschreckt

Neben Krieg und Einigung taucht in israelischen Sicherheitskreisen zunehmend eine dritte Möglichkeit auf: eine Art eingefrorener Zustand. Keine Einigung, kein umfassender Krieg, sondern ein brüchiger Waffenstillstand, der sich indefinit verlängert. Ruhe gegen Ruhe, nur diesmal im Persischen Golf.

Für manche israelische Sicherheitsexperten wäre das das kleinste Übel. Für andere ist es genau die Falle, aus der Israel nach dem 7. Oktober schwor, nie wieder zu tappen: ein weiterer Aufschub, eine weitere Atempause für den Feind, eine weitere verpasste Gelegenheit zur Entscheidung.

Trump selbst sagte, er habe die Streitkräfte angewiesen, auf Abruf bereit zu bleiben für einen „vollständigen, großangelegten Angriff auf Iran“. Gleichzeitig betonte er, eine Einigung ohne weiteres Bombardement wäre ihm „sehr recht“. Das ist kein klarer Kurs. Das ist ein Präsident, der zwischen zwei Alpträumen steht und auf Zeit spielt.

Was bleibt, wenn der Druck nicht reicht

Die eigentliche Frage stellt Bergman mit entwaffnender Klarheit: Wenn wochenlange Bombardierungen die Ziele nicht erreicht haben, warum sollte ein weiterer Schlag, auch wenn er größer und lauter ist, zu einem anderen Ergebnis führen?

Der US-Marineblockade zufolge wurden seit Beginn der Operation bereits 84 Schiffe abgewiesen. Der Öldruck ist real. Aber Iran hält durch. Und solange Mojtaba Khamenei, der eigentliche Machtfaktor im Hintergrund, nicht bereit ist nachzugeben, werden auch die Golfstaaten keinen Durchbruch erzwingen können.

Jerusalem beobachtet das mit wachsender Ungeduld. Netanyahu hat klargemacht, dass der Feldzug aus israelischer Sicht noch nicht vorbei ist. Aber Israel ist aus den direkten Verhandlungen weitgehend herausgehalten worden. Washington entscheidet, und Jerusalem hofft, dass Trump nicht in einem Moment der Erschöpfung einem Abkommen zustimmt, das Iran belässt, wo es ist: nuklear ambitioniert, regional aktiv und gestärkt durch das Narrativ, standgehalten zu haben.

Alle drei setzen auf Zeit. Alle drei hoffen, dass der andere zuerst blinzelt. Genau das macht diese Lage so gefährlich.

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