Streit um Muezzin-Gesetz: Gebetsruf wird zum politischen Zündstoff
Ein neuer Gesetzesentwurf zur Regulierung von Lautsprechern an Moscheen stößt in Israel auf scharfen Widerspruch muslimischer Vertreter. Die Vorlage hat die Vorabstimmung in der Knesset passiert. Sie würde Moscheen verpflichten, vor der Installation oder Nutzung von Lautsprechersystemen eine Genehmigung einzuholen.
Nach dem Entwurf sollen Behörden mehrere Faktoren prüfen: die erwartete Lautstärke, mögliche Maßnahmen zur Lärmminderung, die Lage der Moschee, die Nähe zu Wohngebieten und die Auswirkungen auf Anwohner. Bei Verstößen könnten Ordnungskräfte den Betrieb der Lautsprecher sofort stoppen. Bei wiederholter Missachtung wäre die Beschlagnahmung der Anlage möglich.
Unterstützer des Gesetzes sprechen von Lärmschutz und verweisen darauf, dass auch andere religiöse oder öffentliche Geräuschquellen geregelt würden. Kritiker sehen dagegen einen gezielten Angriff auf den muslimischen Gebetsruf und damit auf die religiöse Präsenz arabischer Bürger in Israel.
Fawaz Moshur, Vorsitzender des Islamischen Rates für religiöse Rechtsfragen in Israel, griff den Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, und dessen politische Verbündete scharf an. Er warf ihnen vor, sich auf den Gebetsruf zu konzentrieren, während die Gewaltkriminalität in arabischen Städten viele Bewohner bedrohe. In arabischen Ortschaften gebe es Anschläge mit Sprengsätzen, Granatenangriffe und wiederholte Morde.
Moshur erklärte, Versuche, den Muezzinruf zum Schweigen zu bringen, hätten in der Vergangenheit nie Erfolg gehabt. Im Gegenteil: Solche Vorstöße bestärkten Muslime nur darin, an Gebet, Moschee und religiöser Identität festzuhalten.
Der Entwurf muss noch drei Lesungen im Plenum bestehen, bevor er Gesetz werden kann. Schon jetzt zeigt die Debatte: Es geht um mehr als Dezibelwerte. Verhandelt wird das Verhältnis zwischen jüdischer Mehrheit und arabischer Minderheit, zwischen Religionsfreiheit und öffentlichem Raum.
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