Sechster Angriff auf Jordanien, und im Land wächst der Unmut: „Wir sind nicht Kriegspartei“
Wieder heulten am Mittwochmorgen Explosionen über Eilat, wieder war Jordanien das Ziel. Die jordanische Armee fing vier von sechs iranischen Raketen ab, die auf das Königreich zusteuerten; zwei schlugen in unbewohntem Gebiet ein, Verletzte oder Schäden gab es keine. Israels Armee betonte, selbst keine Abfangraketen eingesetzt zu haben, es habe keinen Einschlag auf israelischem Gebiet gegeben. In Eilat durchsuchten Sicherheitskräfte dennoch das Umland nach Trümmerteilen, mehrere Flüge nach Süden verzögerten sich.
Der Unmut im eigenen Land
Bemerkenswerter als der sechste Angriff selbst ist die Reaktion aus der jordanischen Gesellschaft. Am selben Tag veröffentlichten Dutzende einflussreicher Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und den Stämmen des Landes eine gemeinsame Erklärung: Die Regierung solle die Präsenz ausländischer, insbesondere amerikanischer Truppen auf jordanischem Boden beenden. Die wachsende militärische Rolle setze das Land wachsenden sicherheitspolitischen, politischen und wirtschaftlichen Risiken aus. Die Unterzeichner verlangten volle Transparenz über das Sicherheitsabkommen mit Washington, einschließlich aller Zusatzvereinbarungen, denn Jordaniens Bürger und Institutionen hätten ein Recht zu wissen, welche Verpflichtungen die staatliche Souveränität berühren. Der Kern der Botschaft: Jordanien sei „keine Kriegspartei“, und sein Volk solle nicht die Konsequenzen einer Politik tragen, die nicht seinen eigenen Interessen diene.
Der Hintergrund dieses Drucks ist eine schlichte Machtasymmetrie. Anders als die reichen Golfstaaten ist Jordanien stark von amerikanischer Hilfe abhängig und hat kaum Spielraum, Wünschen aus Washington zu widersprechen. Während einige Golfstaaten inzwischen zögern, ihre Basen für Angriffe auf den Iran zur Verfügung zu stellen, seit sie selbst ins Visier gerieten, kann Jordanien schlicht nicht Nein sagen, so ordnen es amerikanische Nahost-Experten ein.
Elfte Nacht in Serie, ein Elektrizitätswerk bei Bushehr
Die USA setzten unterdessen ihre Angriffe fort, die elfte Nacht in Folge. Das Zentralkommando erklärte, Irans Fähigkeit zur Bedrohung der Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus weiter schwächen zu wollen. Iranische Medien meldeten Angriffe in Bushehr, Täbris, Sirik, Behbahan, Omidiyeh, Chabahar, Konarak und weiteren Provinzen; über Teheran war Luftabwehr aktiv. Ein Treffer auf ein Umspannwerk nahe dem Atomkraftwerk Bushehr habe zu Stromausfällen geführt, so iranische Angaben. Der Iran erklärte, im Gegenzug Munitions- und Logistikdepots auf US-Basen in Kuwait, Jordanien und Bahrain angegriffen zu haben.
Der nächste Entscheidungspunkt heißt Pickaxe Mountain
Danny Citrinowicz, früherer Leiter des Iran-Referats im militärischen Nachrichtendienst der IDF und heute Forscher am Institut für nationale Sicherheitsstudien, ordnet die Lage nüchtern ein: Die von beiden Seiten gezogenen Grenzen seien bislang nicht überschritten worden. Die amerikanischen Schläge richteten sich vor allem gegen militärische Ziele um Bandar Abbas und entlang der iranischen Küste, während der Iran weiter gegen amerikanische Basen am Golf antworte. Eine wirklich dramatische Wendung habe es noch nicht gegeben.
Doch Trump nähere sich einem Entscheidungspunkt, während Vermittler um eine zehntägige Waffenruhe und die Wiederaufnahme der Verhandlungen rangen. Derzeit habe keine der beiden Seiten daran erkennbares Interesse, daher sei eine neue Eskalationsstufe wahrscheinlicher, mit dem „Pickaxe Mountain“ ganz oben auf der amerikanischen Agenda. Ein solcher Angriff dürfte Teheran als schweren Bruch der bisherigen Regeln werten und seine Vergeltung ausweiten, warnt Citrinowicz.
Für Israel hätte ein eigener Kriegseintritt einen hohen Preis: Es wäre nicht nur iranisches Feuer zu erwarten, sondern wahrscheinlich auch die Rückkehr der Hisbollah und der Houthis in den Kampf. Seine Empfehlung an Jerusalem: Vor jedem Wiedereinstieg müsse Washington die strategischen Kriegsziele klar definieren, mit Fokus auf das iranische Nuklearprogramm statt allein auf die Meerenge. Die Berichte über verlegte Zentrifugen im Pickaxe Mountain seien zutiefst beunruhigend, sie zeigten, dass das Nuklearprogramm keineswegs zerstört sei. Jede erneute israelische Beteiligung brauche deshalb eine strategische Abstimmung mit Trump im Voraus, nicht im Nachhinein: „Er könnte uns zurück in den Kampf holen und zwei Tage später wieder stoppen.“
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