Riad bittet Israel um Hilfe, während die Mekka-Partner fernbleiben

Saudi-Arabien hat sich nach übereinstimmenden Berichten mehrerer israelischer Medien auf indirektem Weg über das amerikanische Zentralkommando (CENTCOM) an Israel gewandt und um nachrichtendienstliche Unterstützung im Kampf gegen die Huthi-Miliz gebeten. Ein ungewöhnlicher Vorgang, da beide Länder weiterhin keine offiziellen diplomatischen Beziehungen unterhalten. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte sich zuvor an mehrere Länder der Region gewandt, nachdem seine Kräfte gegen die Huthis eine Reihe von Rückschlägen erlitten hatten.

Die Huthis hatten ihre Angriffe auf Saudi-Arabien in der vergangenen Woche deutlich verschärft, unter anderem mit einem Drohnenangriff auf Ölpipelines und Pumpstationen, der zur teilweisen Stilllegung der Hauptleitung führte, sowie mit einem Angriff auf saudische Zivilisten in und um eine Moschee nahe der Grenze zum Jemen. Gleichzeitig besetzte die Miliz mehrere strategisch gelegene Inseln im Roten Meer und untersagte saudischen Schiffen die Durchfahrt durch die Straße von Bab al-Mandab, was Quellen als wirtschaftliche und diplomatische Blockade Saudi-Arabiens beschrieben.

Die israelische Unterstützung soll sich nach Angaben von Diplomaten vor allem auf nachrichtendienstliche Hilfe konzentrieren, um ein umfassenderes Bild der Huthi-Truppenbewegungen zu gewinnen und mögliche künftige Operationen frühzeitig zu erkennen, gestützt auf Erfahrungen, die die israelische Armee bereits bei der nachrichtendienstlichen Unterstützung der USA rund um die Straße von Hormus gesammelt hat.

Die Mekka-Partner halten sich zurück

Bemerkenswert ist dabei, wer Riad in der Krise gerade nicht zur Seite steht: Die Türkei und Pakistan, die erst vor rund einem Monat mit Kronprinz Mohammed bin Salman das strategische Verteidigungsabkommen von Mekka unterzeichnet hatten, wie berichtet, halten sich aus den Kämpfen bislang heraus und beschränken sich auf Vermittlungsversuche gegenüber den Huthis. In der Praxis bedeutet das: Trotz des Bündnisses lassen beide Länder Mohammed bin Salman in der Kampagne weitgehend allein, offenbar aus Sorge vor einer direkten Konfrontation mit dem Iran. Auch Großbritannien wurde um Hilfe gebeten, laut Bloomberg sagte der britische Premierminister Burnham lediglich die Entsendung militärischer Berater zu, ohne sich zu weiterer Unterstützung zu verpflichten.

Auch die USA selbst zeigen wenig Eile für ein direktes Eingreifen. Präsident Trump ist einem größer angelegten Angriff auf die im Jemen operierenden Kräfte bislang ausgewichen, stattdessen wurde CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper persönlich nach Saudi-Arabien entsandt, um die Lage vor Ort zu bewerten und die bestehende amerikanische Unterstützung, mehrere Dutzend im Königreich stationierte US-Militärangehörige koordinieren bereits nachrichtendienstliche und operative Aktivitäten, weiter auszubauen.

Skepsis unter Experten: Kein Schritt zur Normalisierung

Trotz der ungewöhnlichen Kooperation warnen Fachleute davor, darin bereits eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien zu sehen. Dr. Brandon Friedman vom Moshe-Dayan-Zentrum für Nahost- und Afrikastudien der Universität Tel Aviv sagte der Jerusalem Post, eine Verbesserung der Beziehungen sei „angesichts der aktuellen politischen Konstellation eher unwahrscheinlich“. Saudi-Arabien, das im „Global Firepower Index“ 2026 zwar auf Platz 25 von 145 Staaten liegt, habe sich in den vergangenen 15 Jahren zunehmend von Washington abhängig gemacht und verfüge inzwischen über „sehr wenig eigene militärische Schlagkraft“, was auch erkläre, warum sein seit 2015 andauernder Krieg im Jemen bislang gescheitert sei. Zwar könnte Riad sich grundsätzlich an Israel oder die Vereinigten Arabischen Emirate wenden, so Friedman, doch dazu komme es kaum, da Saudi-Arabien mit beiden Ländern im vergangenen Jahr „im Streit“ gelegen habe.

Der frühere Huthi-Sprecher Ali al-Bukhaiti warnte unterdessen gegenüber N12, der Iran sei tief in die jüngsten Geländegewinne der Miliz involviert, die Kontrolle der Huthis über Bab al-Mandab verschaffe Teheran faktisch Einfluss über eine weitere strategisch entscheidende Wasserstraße. Ein namentlich nicht genannter jemenitischer Analyst erklärte, die jüngsten Erfolge der Huthis wären ohne iranische Hilfe kaum möglich gewesen, Mitglieder der Revolutionsgarden und weitere iranische Experten unterstützten die Gruppe demnach bei Waffentechnik, Raketenstarts und der operativen Durchführung.

Die diplomatische Annäherung bleibt derweil an eine andere, größere Frage geknüpft: Israels Sicherheitsestablishment reagierte laut der Jerusalem Post mit erheblicher Sorge auf Trumps Entscheidung, Saudi-Arabien den Aufbau eines zivilen Atomprogramms zu gestatten, ein Land, das reich an Energieressourcen ist und dessen Küste an einer Stelle nur rund 15 Kilometer von israelischem Gebiet entfernt liegt. Die Angelegenheit wurde gegenüber Trump zur Sprache gebracht, der jeden weiteren Fortschritt beim zivilen Nuklearprogramm umgehend an eine Normalisierung der saudisch-israelischen Beziehungen koppelte, während Riad seinerseits eine diplomatische Annäherung an eine vorherige Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts knüpft, ein Junktim, das trotz der aktuellen sicherheitspolitischen Kooperation ungelöst bleibt.

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