Gemeinsam gegen die Dürre: Israel und Deutschland setzen in Kenia auf Kirchen und Gemeinden

Religiöse und indigene Führungspersönlichkeiten aus ganz Kenia treffen sich derzeit in Nairobi, um gemeinsam Antworten auf die Folgen des Klimawandels zu finden. Organisiert wird die zweitägige Konferenz von der israelischen Botschaft und der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Umweltfragen, sondern auch Landwirtschaft, Wasserknappheit und die Frage, welche Verantwortung Glaubensgemeinschaften übernehmen können.

Was haben israelische Bewässerungstechnik, Kirchen in Afrika und eine deutsche Stiftung miteinander zu tun? In Nairobi ist daraus eine ungewöhnliche Zusammenarbeit entstanden. Am Montag begann in Kenias Hauptstadt die Konferenz, an der Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, indigener Gemeinschaften, Umweltorganisationen und staatlicher Stellen teilnehmen. Das Motto lautet: „Glaube, Bewahrung und Hoffnung: Die Rolle von Glaubens- und indigenen Führern beim Aufbau klimaresistenter Gemeinschaften“.

Wenn Glaubensgemeinschaften Verantwortung übernehmen

Hinter der Initiative steht eine einfache Überlegung. Gerade in ländlichen Regionen Afrikas erreichen Kirchen, Moscheen und traditionelle Gemeinschaften Menschen, die staatliche Programme oder internationale Organisationen oft nur schwer erreichen. Religiöse Führungspersönlichkeiten genießen vielerorts großes Vertrauen, kennen die Sorgen ihrer Gemeinden und können Menschen für gemeinsame Aufgaben gewinnen.

Israels Botschafter in Kenia, Gideon Behar, sagte bei der Eröffnung, der Kampf gegen den Klimawandel dürfe nicht allein Wissenschaftlern und Politikern überlassen werden. Religiösen Führern komme eine entscheidende Rolle zu. „Wir müssen Worte, Gedanken, Gebete und Entscheidungen in echte Taten vor Ort umsetzen“, sagte er. Dabei geht es etwa um Aufforstung, den Schutz von Wasserquellen, umweltfreundlichere Landwirtschaft und einen sorgsameren Umgang mit natürlichen Ressourcen.

Israel bringt seine Erfahrungen mit Wasser ein

Für Israel ist die Zusammenarbeit mit Kenia keineswegs neu. Seit Jahrzehnten unterstützt das Land Entwicklungsprojekte in Afrika, vor allem in Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und technischer Ausbildung. Über die staatliche Entwicklungsagentur MASHAV werden Fachkräfte aus zahlreichen Ländern in Israel geschult, darunter nach Angaben der Botschaft Tausende Kenianer. Ein Schwerpunkt liegt auf Technologien, mit denen Bauern auch bei unregelmäßigen Niederschlägen verlässlich ernten können, etwa der Tröpfchenbewässerung, bei der das Wasser gezielt an die Wurzeln der Pflanzen gelangt. In Israel wird nach Angaben Behars inzwischen die Hälfte der landwirtschaftlichen Flächen bewässert, und ein Großteil des Abwassers wird gereinigt und wiederverwendet.

Landwirtschaft trotz Wassermangel

Wie solche Zusammenarbeit praktisch aussehen kann, zeigt ein Projekt in der Region Mbeere im Bezirk Embu, wo Bauern seit Jahren mit Trockenheit und unzuverlässigen Regenzeiten kämpfen. In der Gemeinschaftsinitiative Green Paradise haben sich 780 Mitglieder zusammengeschlossen, um Wasser aus dem Fluss Thuchi auf ihre Felder zu leiten. Mit Rohren, die der Staat bereitstellte, werden inzwischen mehr als 400 von ihnen versorgt. Die israelische Hilfsorganisation CultivAid richtete zudem einen Modellbetrieb mit Tröpfchenbewässerung ein und schulte die Bauern. Dort wachsen nun Tomaten, Grünkohl und anderes Gemüse, einige Mitglieder verkaufen bereits ihre Ernte. Manche junge Leute, die in die Städte abgewandert waren, sind sogar in die Landwirtschaft zurückgekehrt.

Die Herausforderungen bleiben allerdings groß. Mehr als 380 Mitglieder haben noch immer keinen Zugang zu Wasser. „Das Problem ist das Wasser. Das ist es, was uns fehlt“, sagt die Leiterin der Gruppe, Nora Igoki. Leitungen, Speicherbecken und Pumpen müssen finanziert und dauerhaft betrieben werden. Moderne Technik allein reicht deshalb nicht, sie muss für die Menschen vor Ort bezahlbar sein und langfristig funktionieren.

Deutsche Stiftung setzt auf Zusammenarbeit

Bemerkenswert ist auch die Beteiligung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ihr Landesdirektor in Kenia, Mathias Kamp, betonte, der Klimawandel sei nicht nur ein ökologisches und politisches Problem, sondern auch eine ethische und moralische Herausforderung. Glaubensgemeinschaften und indigene Gemeinschaften seien deshalb wichtige Partner beim Aufbau von Widerstandsfähigkeit. Religiöse Traditionen vermitteln seit Jahrhunderten Werte wie Fürsorge, Verantwortung für die Schöpfung und Rücksicht auf kommende Generationen. An der Konferenz nehmen unter anderem christliche, jüdische, muslimische und hinduistische Vertreter teil.

Auch die kenianische Seite sieht Handlungsbedarf. Kenia habe zwar einen klimapolitischen Rahmen, tue sich aber bei der Umsetzung und der Finanzierung schwer, sagte Thomas Lerenten Lelekoiten vom Umweltministerium. „Politik allein hilft nicht.“ Geoffrey Njuguna, Leiter der Deliverance Church, forderte die Religionsführer auf, Regierung und Partner auf allen Ebenen in die Pflicht zu nehmen.

Aus Gesprächen sollen Projekte werden

Entscheidend ist nun, was nach der Konferenz geschieht. An internationalen Veranstaltungen zum Klimaschutz mangelt es nicht, wichtig ist, ob daraus vor Ort tatsächlich etwas entsteht. Am zweiten Tag geht es deshalb um die Umsetzung, um die Finanzierung von Umweltprojekten, den Schutz natürlicher Wasserquellen und die direkte Einbindung der Gemeinden. Religiöse Einrichtungen könnten etwa ihre Grundstücke für Baumpflanzungen nutzen, Regenwasser sammeln oder eigene Programme für umweltfreundliche Landwirtschaft aufbauen. Zum Abschluss ist eine gemeinsame interreligiöse Erklärung geplant, die weitere Zusammenarbeit anstoßen soll.

Ob daraus dauerhafte Projekte entstehen, muss sich erst zeigen. Doch schon das Treffen ist ungewöhnlich. Während Israel international meist im Zusammenhang mit Krieg und politischen Konflikten wahrgenommen wird, bringt seine Botschaft in Nairobi gemeinsam mit einer deutschen Stiftung und kenianischen Partnern Menschen unterschiedlicher Religionen zusammen, um über Wasser, Ernährung und den Schutz ihrer Umwelt zu sprechen. Es ist keine große weltpolitische Schlagzeile, aber eine Zusammenarbeit, bei der israelisches Wissen, deutsche Entwicklungsarbeit und afrikanische Erfahrung zusammenkommen, um das Leben der Menschen vor Ort ganz praktisch zu verbessern.

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