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10 Jul 2026

Nach zwei Nächten Bomben: Washington setzt auf Diplomatie und behält die Zielliste in der Hand

Die Nacht zum Freitag blieb still. Nach zwei aufeinanderfolgenden Nächten mit amerikanischen Angriffen auf über 170 Ziele im Iran meldete keine Seite neue Schläge. Dahinter steckt Kalkül: Ein US-Regierungsvertreter erklärte gegenüber CNN, Washington habe bewusst zugeschlagen und dann pausiert, um eine weitere Eskalation zu vermeiden und „die Diplomatie arbeiten zu lassen“. Die Botschaft an Teheran ist trotzdem unmissverständlich: Man halte eine Zielliste als Druckmittel bereit. An Bord des Flugzeugträgers „Abraham Lincoln“ im Arabischen Meer bleiben die Besatzungen in Bereitschaft, Kampfjets wurden bewaffnet, Piloten probten Einsätze.

Hinter den Kulissen arbeiten Pakistan und Katar daran, beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückzubringen. Auffällig ist Trumps Schweigen: Der sonst mitteilungsfreudige Präsident äußerte sich seit Donnerstag nicht öffentlich zur Lage, auch auf Truth Social blieb es still. Mit Ministerpräsident Benjamin Netanyahu telefonierte er am Donnerstagabend. Nach Angaben aus Jerusalem informierte Trump ihn über die amerikanischen Operationen am Golf, beide Länder wollen ihre Koordination auf allen Fronten fortsetzen.

Ein Begräbnis ohne den Erben

Im Iran endeten die einwöchigen Trauerfeierlichkeiten: Ali Khamenei wurde in den frühen Morgenstunden des Freitags am Imam-Reza-Schrein in Maschhad beigesetzt, gemeinsam mit Familienangehörigen, die beim selben Angriff am 28. Februar starben. Das Totengebet leitete sein ältester Sohn Mostafa. Der Mann aber, um den sich alle Fragen drehen, fehlte bis zuletzt: Der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei erschien nicht einmal zur privaten Beisetzung seines Vaters. Die Revolutionsgarden sollen ihm jeden Auftritt untersagt haben, aus Angst vor einem israelischen Anschlag. Sein vollständiges Fernbleiben befeuert die Spekulationen über seinen Zustand: Gegner des Regimes behaupten, seine Verletzungen aus dem Februar hätten ihn handlungsunfähig gemacht.

Unter den Trauergästen in Maschhad: Parlamentspräsident Mohammad Baqer Ghalibaf und Mehdi Nasrallah, Sohn des getöteten Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah.

Mordpläne gegen Trump

Während die Menge bei den Trauerzügen offen die Ermordung Trumps forderte, wurde die Drohung nach einem Bericht des Wall Street Journal konkret: Israel übermittelte den USA Geheimdienstinformationen, wonach der Iran einen neuen Anschlagsplan gegen den Präsidenten geschmiedet habe. Trump selbst hatte beim NATO-Gipfel in Ankara darauf angespielt: Er stehe „auf jeder einzelnen ihrer Listen“. Bislang habe er wohl Glück gehabt, „aber vielleicht hält das nicht ewig“.

Die Waffenruhe existiert damit in einem Schwebezustand: offiziell für beendet erklärt, faktisch von beiden Seiten gerade eingehalten. Wie lange, entscheidet sich an der Straße von Hormus.

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