Mordaufrufe gegen Trump, Tränen am Sarg: Bei Khameneis Begräbnis fehlt nur einer
Die Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Obersten Führer Ali Khamenei haben sich am Sonntag in Teheran fortgesetzt. Die Spitzen des Regimes erwiesen ihm die letzte Ehre: Präsident Masoud Pezeshkian, Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Baqer Ghalibaf sowie der Kommandeur der Quds-Einheit, Esmail Qaani. Drei Söhne Khameneis, Mostafa, Masoud und Meysam, wurden weinend am Sarg gefilmt. Einer aber fehlte: der neue Oberste Führer Mojtaba Khamenei. Das berichtet Ynet.
„Warum lebt er noch?“
Vor Hunderttausenden rief der Zeremonienmeister, der Dichter Mohammad Rasouli, offen zum Tod des amerikanischen Präsidenten auf. Er fragte die Menge, warum der „größte Bastard der Welt“ noch am Leben sei, und erntete Jubel. Die Welt sei für Trump kein sicherer Ort mehr, fügte er hinzu. Dazu hallten die bekannten Parolen „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ über den Platz, auf Plakaten forderten Trauernde die Tötung Trumps und Ministerpräsident Benjamin Netanyahus. All das, während Teheran mit Washington über ein endgültiges Kriegsende verhandelt.
Der unsichtbare Führer
Die Abwesenheit Mojtaba Khameneis wiegt schwer. Seit seiner Ernennung im März ist er nicht ein einziges Mal öffentlich aufgetreten. Er soll bei dem Luftangriff auf seinen Vater selbst verwundet worden sein und kommuniziert nur über schriftliche Erklärungen. Nach einem Bericht der New York Times wollte Mojtaba am Donnerstag bei der Beisetzung in Maschhad über dem Leichnam seines Vaters beten. Die Sicherheitsbehörden lehnten ab. Ihre Sorge: Israel könnte ihn bei einem Auftritt ausschalten oder seinen Weg zurück ins Versteck verfolgen. Der Zeitung zufolge fragen sich politische Kreise im Iran, ob ein Führer das Land dauerhaft aus dem Verborgenen regieren kann.
Repression hinter der Trauerkulisse
Hinter den Massenszenen verschärft die Führung den Druck auf die eigene Bevölkerung. Nach Zahlen von Amnesty International, veröffentlicht in der New York Times, wurden seit Kriegsbeginn am 28. Februar rund 6.000 Menschen im Iran festgenommen. Die Zahl der Hinrichtungen steigt, Regimegegnern wird Kollaboration mit den USA und Israel vorgeworfen. Analysten werten die Trauerwoche als Versuch, breite Unterstützung für das Regime zu inszenieren, während weite Teile der Bevölkerung unter Wirtschaftskrise und Unterdrückung leiden.
Der Zeitplan läuft weiter: Am Montag zieht der Trauerzug vom Mosalla-Komplex zum Azadi-Platz, danach folgen Qom, die irakischen Städte Nadschaf und Kerbela sowie am Donnerstag die Beisetzung in Maschhad. Die Behörden erwarten allein in Teheran 15 bis 20 Millionen Teilnehmer. Aus dem Ausland kamen unter anderem Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew und Vertreter Chinas. Mindestens 13 Staaten blieben nach iranischen Angaben fern, auf Druck Washingtons.
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