Medizin statt Mauern: Israelisches Krankenhaus bildet palästinensische Ärzte aus

Der frühere Chicagoer Bürgermeister und US-Botschafter in Japan, Rahm Emanuel, spendet gemeinsam mit seinen Brüdern Ari und Ezekiel 550.000 Dollar für ein Programm, in dessen Rahmen palästinensische Kinderärzte und Pflegekräfte an einem israelischen Krankenhaus weitergebildet werden. Finanziert wird damit die Ausbildung von elf Kinderärzten und 36 Pflegekräften des An-Najah-Universitätskrankenhauses in Nablus (hebräisch Sichem) am Tel Aviver Sourasky Medical Center, besser bekannt als Ichilov.

Abgewickelt wird die Spende über die gemeinnützige Organisation Rozana, die seit 2013 medizinisches Fachpersonal aus Israel und den palästinensischen Gebieten zusammenbringt und ihre Programme selbst als „Gesundheitsdiplomatie“ bezeichnet. Es handelt sich nach Angaben der Organisation um die größte private Spende, die Rozana je erhalten hat. Ziel ist unter anderem, mittelfristig das medizinische Personal für ein geplantes Kinderkrankenhaus am An-Najah-Krankenhaus in Nablus aufzubauen, es wäre die erste pädiatrische Einrichtung dieser Art im nördlichen Samaria. Das Programm umfasst neben klinischer Ausbildung, Fellowships und Führungskräfteentwicklung auch die Schulung von Atemtherapeuten, einem spezialisierten Bereich der Kinderheilkunde, der vor Ort bislang nicht verfügbar ist.

Die Spende erfolgt zu Ehren der Eltern der Brüder Emanuel, des Kinderarztes Benjamin Emanuel und seiner Frau Marsha. Rahm Emanuel hatte das Trainingsprogramm bei einem Israel-Besuch im vergangenen Monat selbst besucht, noch bevor die Spende beschlossen wurde. Er bezeichnete es als „eines der inspirierendsten Beispiele für Koexistenz, die ich in Israel gesehen habe“. Gegenüber Politico sagte er: „Kinder und Familien erhalten eine ausgezeichnete Versorgung, und Ärzte wie Pflegekräfte bilden sich gemeinsam weiter, lernen voneinander und bauen hoffentlich eine Vertrauensbasis fürs Leben auf.“

Kenneth Bob, Vorstandsvorsitzender von Rozana USA, sagte, der Besuch habe Emanuel sichtlich beeindruckt: „Es passte zu seinem Weltbild, und er sah darin eine Gelegenheit, seinen Eltern eine Ehre zu erweisen.“

Emanuel, der als möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat für 2028 gehandelt wird, ist zugleich eine politisch nicht unumstrittene Figur in der aktuellen Debatte über Israel: Erst im vergangenen Monat hatte er bei einer viel beachteten Rede an der Universität Tel Aviv gewarnt, Israel riskiere unter der aktuellen Politik von Ministerpräsident Netanyahu, zu einem „territorialen Paria“ zu werden. Die Spende für das Ausbildungsprogramm zeigt damit ein differenzierteres Bild: Kritik an der israelischen Politik einerseits, konkretes persönliches Engagement für israelisch-palästinensische medizinische Zusammenarbeit andererseits.

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