Israel verschärft Schutzmaßnahmen im Norden nach neuer Angriffswelle der Hisbollah
Nach den anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffen der Hisbollah hat Israel die Schutzmaßnahmen im Norden deutlich verschärft. Das Heimatfrontkommando ordnete an, zahlreiche Schulen und Bildungseinrichtungen entlang der libanesischen Grenze vorübergehend zu schließen.
Betroffen sind unter anderem Kirjat Schmona, Meron, Bar Jochai, Safsufa, Yesod HaMa’ala sowie weitere Orte in Obergaliläa und auf den Golanhöhen. Unterricht darf dort nur noch in geschützten Gebäuden stattfinden, von denen aus Schutzräume rechtzeitig erreichbar sind. Auch Versammlungen wurden eingeschränkt: im Freien maximal 50 Personen, in geschlossenen Räumen bis zu 200. Strände bleiben vorerst geschlossen.
Hintergrund ist eine deutliche Zunahme der Angriffe aus dem Libanon. Nach Angaben der Armee wurden allein am Samstag mehr als 25 Raketen auf Israel abgefeuert. Zusätzlich setzte die Hisbollah mehrere Drohnen ein. Eine schlug in einem militärischen Bereich nahe der Grenzgemeinde Schomera ein, weitere wurden abgefangen. Verletzte gab es nicht.
Das Krankenhaus von Nahariya verlegte Teile seines Betriebs in geschützte unterirdische Bereiche. Die Maßnahme soll sicherstellen, dass die medizinische Versorgung auch bei einer weiteren Verschärfung aufrechterhalten werden kann.
Gleichzeitig weitet die Armee ihre Operationen im Südlibanon aus. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bestätigte, dass Einheiten der 36. Division inzwischen auch nördlich des Litani-Flusses operieren. Ziel sei es, Abschussstellungen und Infrastruktur der Hisbollah weiter zurückzudrängen.
Aus Beirut kommen scharfe Vorwürfe. Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam beschuldigte Israel einer „Politik der verbrannten Erde“ im Süden des Landes. Dennoch verteidigte er die laufenden Gespräche zwischen israelischen und libanesischen Vertretern unter amerikanischer Vermittlung. Trotz aller Spannungen seien Verhandlungen der „weniger kostspielige Weg“ für den Libanon.
Die Mitte April vereinbarte Waffenruhe verliert damit zunehmend an Bedeutung. Zwar liegt die Intensität der Kämpfe unter dem Niveau der Vormonate, doch Raketenbeschuss, Drohnenangriffe und israelische Militäraktionen prägen den Alltag entlang der Nordgrenze. Für viele Bewohner Nordisraels existiert die Waffenruhe inzwischen nur noch auf dem Papier.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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