Israel erkennt Völkermord an den Armeniern an
Die israelische Regierung hat einstimmig beschlossen, den Völkermord an den Armeniern offiziell anzuerkennen. Außenminister Gideon Sa’ar nannte den Schritt eine moralische Pflicht des jüdischen Staates. Nach der Kabinettsentscheidung schrieb er, es sei „nie zu spät, das Richtige zu tun“. Der Beschluss muss nach Angaben internationaler Agenturen noch von der Knesset bestätigt werden.
Sa’ar erklärte, Israel schließe sich damit 32 Staaten an, die den historischen Befund anerkannt hätten. Der Völkermord habe vor mehr als 100 Jahren stattgefunden und die Ermordung von rund 1,5 Millionen Menschen sowie die Zerstörung eines alten kulturellen Erbes umfasst. Für Israel als Staat des jüdischen Volkes sei es eine moralische Verpflichtung, diese historische Wahrheit klar zu benennen.
Die Entscheidung ist auch außenpolitisch brisant. Israel hatte jahrzehntelang vermieden, den Begriff „Völkermord“ offiziell zu verwenden, um die Beziehungen zur Türkei nicht zu belasten. Ankara weist die Einstufung der Massaker, Deportationen und Verfolgungen von Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs bis heute zurück. Die Türkei spricht von Kriegsereignissen und bestreitet einen systematisch geplanten Genozid.
Die israelisch-türkischen Beziehungen sind seit dem 7. Oktober 2023 massiv angespannt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan unterstützt die Hamas politisch, vergleicht Israels Vorgehen im Gazastreifen immer wieder mit nationalsozialistischen Verbrechen und wirft Israel selbst Völkermord vor. Israel weist das entschieden zurück.
Vor diesem Hintergrund dürfte die Entscheidung in Ankara scharfe Reaktionen auslösen. Die Türkei hatte frühere israelische Äußerungen zur Anerkennung des armenischen Völkermords als politisch motiviert bezeichnet.
Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte am Samstagabend, er unterstütze die Anerkennung und habe frühere Schritte in diese Richtung nie blockiert. Mit dem Kabinettsbeschluss vollzieht Israel eine deutliche Kehrtwende in einer Frage, die lange aus Rücksicht auf regionale Interessen gemieden wurde.
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