Gespräche in der Schweiz beginnen mit dem Libanon — Teheran setzt seine Verknüpfung durch
Nach einem schweren Wochenende im Südlibanon berichten libanesische Medien von einer vorsichtigen Beruhigung der Lage. Seit Samstagabend gegen 18:30 Uhr hätten die israelischen Angriffe vollständig aufgehört, hieß es dort. Zuvor waren am Wochenende fünf israelische Soldaten bei Kämpfen im Libanon gefallen.
Die IDF erklärte dagegen, es gebe keine Rückzugsanweisung. Der Vormarsch der Truppen sei zwar nach Vorgaben der politischen Führung gestoppt worden, die Armee bleibe aber handlungsfähig. Israel betont, die Kräfte blieben im Einsatzgebiet und könnten auf Bedrohungen reagieren.
Zugleich verschiebt sich der Blick in die Schweiz. Dort sollen amerikanische und iranische Vertreter über die nächste Phase der Vereinbarungen zwischen Washington und Teheran sprechen. US-Vizepräsident JD Vance und die iranische Delegation sind vor Ort. Als Vermittler treten erneut Katar und Pakistan auf.
Brisant ist, womit die Gespräche beginnen sollen. Nach amerikanischen Medienberichten soll am ersten Tag ein „Notfallgespräch“ zur Lage im Libanon stattfinden. Ein Diplomat sagte CBS, das Thema sei zusätzlich auf die Tagesordnung gesetzt worden und bilde den Auftakt der Verhandlungen.
Damit scheint der Iran zumindest vorerst erreicht zu haben, was Israel verhindern wollte: Die Front im Libanon wird direkt mit den Gesprächen über den Iran verknüpft. Teheran versucht, eine neue Gleichung festzuschreiben. Geht Israel im Libanon härter gegen die Hisbollah vor, geraten die Gespräche mit dem Iran unter Druck.
Israel, die Hisbollah und die libanesische Regierung sitzen selbst nicht am Verhandlungstisch. Trotzdem verhandeln die USA, der Iran und Vermittler über die Zukunft der Libanon-Front. Das ist die veränderte Lage: Washington will die Gespräche mit Teheran stabilisieren und zugleich eine weitere Zuspitzung im Libanon verhindern.
Vance sagte vor seiner Abreise, eine der Prioritäten sei Fortschritt in Richtung Waffenruhe im Libanon. Ein iranischer Vertreter erklärte gegenüber CNN, die Beendigung der Kämpfe im Libanon sei das wichtigste Thema für die iranische Delegation.
Offiziell soll es in der Schweiz vor allem um den Rahmen weiterer Verhandlungen und das iranische Atomprogramm gehen. Der Iran hat in der bisherigen Absichtserklärung zugesagt, keine Atomwaffen zu erwerben oder zu entwickeln. Doch praktisch steht zuerst der Libanon auf der Tagesordnung.
Für Israel ist das eine schwierige Entwicklung. Nach den Verlusten im Südlibanon wächst innenpolitisch der Druck auf eine harte Reaktion. Zugleich signalisiert Washington, dass eine weitere Ausweitung der Kämpfe die Gespräche mit dem Iran gefährden könnte. Die neue Realität: Israel kämpft gegen die Hisbollah, aber die Grenzen dieser Auseinandersetzung werden zunehmend in Washington, Teheran und nun in der Schweiz mitverhandelt.
Wir berichten hier nicht aus der Distanz, sondern mitten aus dem Alltag in Israel.
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