Ein Libanese im Weißen Haus: Aoun bringt Trump einen Plan zur Entwaffnung der Hisbollah mit
Es ist ein Besuch mit historischem Etikett: Am Dienstag empfängt US-Präsident Donald Trump den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus, als ersten libanesischen Staatschef seit fast zwei Jahrzehnten. Zuletzt war Michel Suleiman 2009 bei Barack Obama zu Gast. Seinem Vorgänger Michel Aoun, trotz des Namens nicht verwandt, blieb eine Einladung verwehrt, er galt als Verbündeter der Hisbollah. Der heutige Präsident, 62, maronitischer Christ und früherer Kommandeur der von den USA unterstützten libanesischen Armee, reist mit dem Gegenteil im Gepäck: einem schriftlichen Vorschlag, wie das Waffenarsenal der Hisbollah demontiert werden kann.
Was Aoun von Trump will
Die Wunschliste aus Beirut ist lang, und sie hat eine klare Reihenfolge. An erster Stelle steht der Druck auf Israel: Aoun will Trump bitten, „den nötigen Druck auszuüben“, damit Israel seinen Teil des Rahmenabkommens vom 26. Juni erfüllt und sich schrittweise aus dem Südlibanon zurückzieht. Solange die IDF bleibe, so Aouns Argument, lasse sich das Abkommen nicht umsetzen. Dahinter folgen: amerikanische Rückendeckung für die Entwaffnung der Hisbollah, massive Aufstockung der Hilfe für die libanesische Armee, Wirtschaftshilfe für das bankrotte Land und die Rückkehr Hunderttausender Vertriebener, sowie amerikanische Garantien, dass beide Seiten ihre Zusagen einhalten.
In Beirut glaubt man, nur Trump besitze den Hebel, um Israel zu bewegen. Aoun selbst begründete seinen Verhandlungskurs mit einem bemerkenswerten Satz: Er habe nicht zusehen können, wie sein Land „für die Interessen eines anderen Staates in den Abgrund geführt wird“, gemeint ist der Iran.
Die Hindernisse: Trump zögert, die Hisbollah mauert, ein Treffen platzt
Ob die Rechnung aufgeht, ist offen, gleich dreifach. Erstens Trump: Der US-Präsident hat Israels Operationen im Libanon zwar als zu weitgehend kritisiert, öffentlich blieb er zurückhaltend. Auf die Frage, ob Israel sich zurückziehen solle, antwortete er auf Fox News ausweichend: „‚Umgruppieren‘ ist auch ein Wort.“ Zweitens die Hisbollah: Generalsekretär Naim Qassem erklärt das Abkommen für „null und nichtig“, lehnt direkte Gespräche mit Israel ab und beharrt darauf, jede Regelung müsse sich auf das Gebiet südlich des Litani beschränken, ohne die Waffenfrage im Rest des Landes anzutasten. Und drittens die Praxis: Ein Online-Treffen der israelischen und libanesischen Militärdelegationen zu den ersten Pilotzonen wurde am Freitag verschoben, kein gutes Omen wenige Tage vor dem Gipfel.
Israelische Stellen bekräftigen, ein Rückzug komme vor der vollständigen Entwaffnung der Hisbollah nicht infrage, allenfalls begrenzte Umgruppierungen. Damit hängt am Dienstag alles an einer Frage: Kann ein Präsident ohne Machtmittel gegen die Hisbollah dem mächtigsten Mann der Welt genug abringen, um seine Wette auf die Diplomatie zu rechtfertigen? Die Antwort entscheidet mit, ob die Pilotzonen im Süden Wirklichkeit werden, und damit auch über die Ruhe an Israels Nordgrenze.
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