Ein Hauch Herbst mitten im Hochsommer: Israel bekommt sein ungewöhnliches Regen-Wochenende

Regenwolken im Norden Israels. Dunkle, graue wölken

Foto: Graue, dunkle Regenwolken in Galiläa, Israel. Foto aus Oktober 2025

Wer diesen Schabbat in Israel verbringt, könnte etwas erleben, das im August eigentlich nicht vorkommt: Regen. Nicht das gelegentliche nächtliche Nieseln im Norden, das es hin und wieder gibt, sondern ein echtes, spürbares Wettersystem, das in der Nacht auf Sonntag über weite Teile des Landes zieht. Im August, dem heißesten und statistisch trockensten Monat des Jahres, mit im Schnitt null Regentagen, ist das eine kleine Sensation.

Warum ausgerechnet jetzt

Verantwortlich ist laut dem israelischen Wetterdienst eine ungewöhnliche Konstellation: relativ kühle Luft in mittleren Atmosphärenschichten trifft von Griechenland kommend auf das noch sommerlich warme Mittelmeer, möglicherweise verstärkt durch die globale Wetterlage rund um ein „Super-El-Niño“-Phänomen. Die Folge sind Wolken, Regen und stellenweise Gewitter, wie man sie sonst eher im Oktober kennt, nur eben rund zwei Monate zu früh. Bereits Mitte August hatte ein ähnliches System für Aufsehen gesorgt: Damals fielen in Maale Adumim bei Jerusalem 18,5 Millimeter Regen, ein Rekordwert für diese Jahreszeit, und die Straße 90 musste vorübergehend gesperrt werden.

Der große Schreck vom Freitag

Am Freitagmorgen klang es noch dramatisch: Meteorologen warnten vor einem „historischen“ und „beispiellosen“ Regenereignis, mit Modellen, die 20 bis 30 Millimeter pro Stunde an der Küste und im Großraum Tel Aviv voraussagten, stellenweise sogar 40 bis 60 Millimeter zwischen Netanja und der Karmelküste. Weil die städtischen Kanalisationssysteme nach einem langen, trockenen Sommer teils mit Laub, Staub und Unrat verstopft sind, warnte die Polizei vor plötzlichen Überflutungen und rief dazu auf, auf nicht notwendige Fahrten und Ausflüge in Flussbetten und potenzielle Überschwemmungsgebiete zu verzichten. Feuerwehr und Rettungsdienste wurden landesweit in erhöhte Bereitschaft versetzt, ebenso die Notrufzentralen.

Die Entwarnung vom Freitagabend

Am Freitagabend dann die Wendung: Der Direktor des staatlichen Wetterdienstes, Dr. Amir Givati, erklärte, das ursprünglich befürchtete kraftvolle Regensystem werde Israel gar nicht in voller Stärke erreichen und größtenteils über dem Mittelmeer bleiben. Man werde zwar weiterhin für August ungewöhnlichen Regen bekommen, aber in deutlich geringerer Menge als zunächst angenommen, und ohne die befürchteten Störungen und Überflutungen.

Ganz unbegründet ist die Vorsicht trotzdem nicht. Der Geschäftsführer der Jarkon-Entwässerungs- und Flussbehörde, Arik Leibovitz, erklärte, ein gut funktionierendes städtisches Kanalsystem könne etwa 25 bis 30 Millimeter Regen pro Stunde bewältigen. Die aktuelle Prognose von rund 30 Millimetern im Bereich der Küstenebene liege damit sehr nah an dieser Kapazitätsgrenze, weshalb bei kurzzeitig starkem Regen weiterhin lokale Überflutungen möglich seien.

Der Fahrplan fürs Wochenende

Am Schabbat selbst bleibt es meist noch trocken und teilweise bewölkt, im Norden ist am Nachmittag bereits vereinzelter Regen möglich, begleitet von auffrischendem Wind und Gewittern. In der Nacht auf Sonntag erreicht der Regen dann auch die Landesmitte. Am Sonntag selbst hält sich das unbeständige Wetter vom Norden bis in den nördlichen Negev, bei spürbar sinkenden, unterdurchschnittlichen Temperaturen, ehe es sich am Nachmittag beruhigt. Am Montag ist nur noch vereinzeltes Morgennieseln zu erwarten, bevor es zum Schulbeginn am Dienstag, dem 1. September, wieder wärmer wird, wie es sich für den Spätsommer in Israel gehört.

Wer also am Wochenende unterwegs ist: ein Regenschirm im Auto schadet nicht, dramatische Bilder von Überflutungen wird es diesmal aller Voraussicht nach aber nicht geben.

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