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04 Aug 2026

Der Preis der Öffnung: Wer künftig für die Durchfahrt zahlt, und wer daran verdient

Die Formel steht, doch über den entscheidenden Punkt herrscht Uneinigkeit: Kostet die Fahrt durch die Straße von Hormus künftig Geld? Nach einem Bericht der New York Times stehen Iran und Oman kurz vor einer Vereinbarung über die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs. Einfahrende Schiffe sollen die Route nahe der iranischen Küste nehmen, ausfahrende jene nahe Oman. Über diese Aufteilung hatten wir berichtet. Neu ist, was iranische Quellen zur Finanzierung sagen, und wie entschieden Washington widerspricht.

Zwei Versionen einer Gebühr

Iranische Vertreter erklären, Durchfahrtsgebühren würden nicht erhoben. Sehr wohl aber eine „Dienstleistungsgebühr“, die Kosten für Umwelt, Sicherheit, Personal und begleitende Leistungen decken solle. Die Einnahmen würden zu gleichen Teilen zwischen Iran und Oman aufgeteilt.

Ein mit den Gesprächen vertrauter amerikanischer Vertreter weist diese Darstellung als „ungenau“ zurück. Jede vorläufig geöffnete Route werde weder eine Genehmigung noch eine Erlaubnis aus Teheran erfordern, und es würden keine Gebühren anfallen.

Der Streit um dieses Wort ist der eigentliche Kern. Omans Außenminister Badr al-Busaidi hatte zuvor unterschieden: Pflichtabgaben lehne sein Land ab, freiwillige Beiträge zur Instandhaltung der Wasserstraße seien etwas anderes, nach dem Vorbild der Straße von Malakka. Aus Teheran klingt es anders. Der iranische Parlamentsausschuss für nationale Sicherheit billigte bereits einen Gesetzentwurf für Transitgebühren, und in den vergangenen Monaten verlangte der Iran nach Branchenberichten von einzelnen Schiffen bis zu zwei Millionen Dollar. Trump selbst warnte auf Truth Social: Falls die Berichte über Gebühren zuträfen, „sollten sie damit besser sofort aufhören“.

Die Sorge des Pentagons

Aufschlussreich ist der Widerstand innerhalb der amerikanischen Regierung. Nach dem Bericht befürchten hochrangige Vertreter im Pentagon, ein solches Abkommen könne als Kapitulation vor dem Iran gelesen werden. Der praktische Einwand wiegt schwer: In Teilen der Meerenge liegen noch Seeminen. Wer dort sicher passieren will, müsste sich womöglich mit Teheran abstimmen. Damit entstünde faktisch genau die iranische Kontrolle über eine internationale Wasserstraße, die zu verhindern das erklärte Kriegsziel war.

Außenminister Marco Rubio hatte früher gewarnt, einem Staat die Herrschaft über eine internationale Passage samt Gebühreneinzug zuzugestehen, schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall.

Ein weiteres Detail aus dem Bericht verdient Beachtung: Trump hat in den vergangenen Wochen zweimal Angriffspläne nicht freigegeben, die CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper vorbereitet hatte. Die schnelle Öffnung der Meerenge hat für ihn Vorrang, selbst wenn sie dem Iran einen gewissen Einfluss auf den Schiffsverkehr belässt.

Teherans Preisschild

Aus iranischer Sicht hängt die Öffnung an weiteren Bedingungen. Teheran verlangt die Aufhebung der amerikanischen Seeblockade seiner Häfen im Persischen Golf und die Rückkehr zu dem Programm, das im Memorandum von Islamabad vereinbart wurde. Parallel zu den Hormus-Gesprächen laufen mögliche Verhandlungen über die Zukunft des angereicherten Urans.

Trump erklärte im Weißen Haus, das Abkommen könne rasch vorankommen. Die erste Stufe sei die Öffnung der Meerenge, die zweite befasse sich mit der Nuklearfrage.

Iranische Vertreter benennen unterdessen offen, worum es ihnen geht. Das Abkommen solle Teherans Fähigkeit verankern, den Verkehr in der Meerenge zu beeinflussen, und damit einen Hebel bewahren, den man vor dem Krieg nie voll ausgespielt habe.

Damit steht die Frage im Raum, die diesen Konflikt seit fünf Monaten begleitet. Öffnet sich die Meerenge unter dem Grundsatz der freien Durchfahrt, oder entsteht ein Präzedenzfall, bei dem ein Staat über eine internationale Wasserstraße gebietet? Zwischen „Dienstleistungsgebühr“ und „Wegzoll“ liegt in der Sprache ein kleiner Unterschied. In der Sache liegt dazwischen die gesamte Ordnung der Weltmeere.

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