Aus Verdacht wird Gewissheit: Hisbollah greift IDF-Fahrzeug an und bricht das Rahmenabkommen
Zunächst prüfte die Armee, dann stand das Ergebnis fest. Die Hisbollah hat in der Nacht zum Mittwoch eine Sprengstoffdrohne auf ein Pioniergerät der IDF am Ali-Taher-Kamm im Südlibanon abgefeuert. Getroffen wurde ein unbemannter gepanzerter Räumbagger innerhalb der israelischen Sicherheitszone. Verletzte gab es nicht. Die IDF nennt den Vorfall einen „eklatanten Bruch des Waffenstillstandsabkommens im Libanon durch die Terrororganisation Hisbollah“. Es ist der erste derartige Angriff seit Inkrafttreten des Rahmenabkommens zwischen Israel und dem Libanon Ende Juni.
Warum ausgerechnet dieser Bergrücken
Der Ort ist alles andere als zufällig gewählt. Der Ali-Taher-Kamm liegt auf 600 Metern Höhe bei Nabatieh, nördlich des Litani, am Rand der israelischen Sicherheitszone. Israel geht davon aus, dass sich unter dem Höhenzug ein ausgedehnter unterirdischer Hisbollah-Komplex befindet, in dem sich noch Dutzende Kämpfer aufhalten sollen. Militärisch ist die Höhe ein Faustpfand: Von dort aus bedroht die IDF unmittelbar Nabatieh, die wichtigste Hochburg der Miliz im östlichen Abschnitt. Erst vor rund einem Monat tötete die Armee dort in zwei getrennten Vorfällen bewaffnete Hisbollah-Kämpfer, die sich ihren Stellungen näherten.
Libanesische Medien liefern unter Berufung auf eine örtliche Quelle die mutmaßliche Absicht hinter dem Drohnenangriff: Die Hisbollah habe verhindern wollen, dass die IDF in dem Gebiet Erdarbeiten durchführt. Genau das dürfte gemeint sein, wenn die Armee erklärt, ihre Kräfte operierten weiter am Kamm und würden Terroristen dort nicht erlauben, Anschlagspläne gegen israelische Soldaten voranzutreiben.
Die Antwort läuft
Israel reagierte mit Artilleriefeuer auf das Gebiet, aus dem die Drohne kam. Im Sicherheitsapparat wird über weitergehende Antworten beraten, eine Entscheidung wird kurzfristig erwartet.
Parallel meldete die Armee einen Fund, der zeigt, womit sie es im Untergrund zu tun hat. Soldaten des Bataillons 601 und der Pioniereinheit Yahalom, unter dem Kommando der 401. Brigade in der 91. Division, zerstörten in der Ortschaft Hadatha eine unterirdische Kommandozentrale der Hisbollah. Der Tunnel maß rund 55 Meter und verfügte über drei Aufenthaltsräume. Angelegt war er unter einer Fabrik für Baumaterialien, und, das ist das brisante Detail, rund 300 Meter von einem Gebäude der UN-Truppe UNIFIL entfernt. In der Umgebung fand sich ein Schacht mit Dutzenden Waffen. In den vergangenen Tagen stellten israelische Kräfte im Südlibanon weitere Hisbollah-Bestände sicher, darunter Kalaschnikows, Panzerabwehrwaffen, Sprengstoff und Handgranaten.
Was das für das Rahmenabkommen bedeutet
Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Vergangene Woche hatte das US-Außenministerium den Start der ersten Pilotzonen verkündet, in denen die libanesische Armee die Sicherheitsverantwortung übernimmt. Einen Tag später kam es bei Zawtar zum ersten Zwischenfall zwischen israelischen und libanesischen Truppen. Nun der Drohnenangriff. Die Hisbollah, die das gesamte Verfahren ablehnt und ihre Entwaffnung verweigert, macht damit unmissverständlich deutlich, was sie von der neuen Ordnung hält.
Die IDF erklärte, sie werde weiter handeln, um jede Bedrohung ihrer Kräfte zu beseitigen, und der Hisbollah nicht erlauben, israelische Bürger zu schädigen.
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